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Oschatz Hat das Indianer-Kostüm im Fasching ausgedient?
Region Oschatz Hat das Indianer-Kostüm im Fasching ausgedient?
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14:44 10.03.2019
Als Indianer kostümierte Frau im Fasching. Quelle: dpa
Nordsachsen

Eine Hamburger Kita hat einen Karnevals-Streit ausgelöst, der in ganz Deutschland für Aufmerksamkeit sorgte. Als Indianer oder Scheichs verkleidete Kinder waren in der Kita zum Fasching nicht erwünscht – um keine Vorurteile und diskriminierende Stereotype zu Hautfarbe, Kultur oder Geschlecht zu bedienen. Nordsachsens Karnevalisten können über so viel politische Faschings-Korrektheit oft nur den Kopf schütteln. Es gibt aber auch Verständnis für Mahnungen zur Sensibilität, wie unsere Nachfragen bei mehreren Karnevalsvereinen im ganzen Landkreis zeigten.

Oschatz

„Wir sprechen die ganze Zeit von Integration, dabei vergessen wir, dass Kinder noch eine unbefleckte Seele haben. Sie denken noch nicht in Schubladen. Sie können damit absolut nichts anfangen“, sagt Sindy Gärtner, Präsidentin des Oschatzer Carneval Clubs (OCC) zur Kostümdebatte – und rückt damit den Fokus auf jene, um die es geht, die Kinder. Außerdem solle man nicht vergessen, dass es beim Fasching auf so viel mehr ankomme als auf diese Einschränkung. „Wir verfolgen ein tiefes und starkes Gemeinschaftsgefühl, über das Alter, die Herkunft und den Geldbeutel hinweg. Natürlich möchten wir auch zum Nachdenken anregen. Aber das bezweckt doch noch kein so kleines Kind“, so Gärtner. Als Mutter eines Mädchens im Kindergartenalter würde sie sich zudem niemals anmaßen, die Fantasie ihres Kindes zu beschränken. „Meine Tochter verkleidet sich gern als Superheld. Darf sie das künftig nicht mehr, weil sie ein Mädchen ist?“

Dahlen

„Ich kenne diese Debatte nur aus dem Fernsehen. Im Verein ist das kein Thema“, sagt Jörg Petzold, Präsident des Dahlener Carneval Clubs (DCC). Prinzessinnen und Indianer seien bei den jüngsten Faschingsfans beliebte Kostüme. Er sehe keinen Grund, den Kindern diesen Wunsch zu verwehren. „Ich bin offen darüber, sich über die Dinge Gedanken zu machen – aber manches geht mir da wirklich zu weit“, so Petzold. Er frage sich manchmal, ob die Energie, die manche Leute auf solche Fragen verwenden nicht dringender benötigt werde, um wirkliche Probleme zu lösen. Ihn befremde auch, welcher Wirbel um die Äußerungen der CDU-Vorsitzenden gemacht werde, so Petzold weiter. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte mit ihren Karnevals-Äußerungen zur Einführung von Toiletten für das dritte Geschlecht empörte Reaktionen ausgelöst. Sie hatte gesagt: „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist die Toilette.“

Bad Düben

Für Matthias Lachmann, Präsident des Hammermühler Karnevalsvereins (HKV) in Bad Düben, ist der Umgang mit dem Thema wichtig. „Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass eine Faschingsveranstaltung von Menschen mit verschiedenen Kulturen und Hintergründen besucht wird“, sagt der 56-Jährige. Wie in der Kita in Hamburg beispielsweise, die eine Empfehlung für die Eltern ausgesprochen und von stereotypen Kostümen abgeraten hat. Mit der Wahl eines Indianer-Kostümes wolle er aber niemanden diskriminieren. „Es geht eher darum, in eine Rolle zu schlüpfen, die ich bewundere – ein Vorbild. Natürlich darf die Würde der Menschen dabei nicht verletzt werden“. Es sei ein Thema mit viel Gesprächspotenzial.

Eilenburg

Mathias Gürke, Vorsitzender des Eilenburger Carneval Clubs, ist als Kind selbst als Indianer zum Fasching gegangen. Für ihn war es ein Kindheitstraum, erzählt der 47-Jährige. „Ich persönlich kenne niemanden, der sich durch so ein Kostüm jemals angegriffen gefühlt hat.“ Trotzdem sei er sich dessen bewusst, dass es ein sensibles Thema ist, fügt er hinzu. Wenn jemand ein Problem beispielsweise mit einem Indianer- oder einem Geisha-Kostüm habe, müsse sich die Gesellschaft kritisch damit auseinandersetzen.

Delitzsch

Für Marika Schinkel-Kleinke, Mitglied im Delitzscher Carneval Verein (DCV), bedeutet Fasching, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Sie sei sich nicht sicher, ob es dabei wirklich immer politisch korrekt zugehen muss. Trotzdem finde sie die Debatte und ein Umdenken richtig. „Die Gesellschaft muss offener werden für solche Themen, ganz klar“, betont die 51-Jährige. Sie sieht die Debatte als Anregung auch für die Diskussion innerhalb des DCV. „Klar, wenn eine Debatte wie diese losgeht, gibt es Leute, die sie begrüßen.“ Es gebe aber auch Menschen, die sich darüber ärgern und sagen: „Jetzt darf ich nicht mal mehr zum Fasching anziehen, was ich will.“ In den Diskurs zu treten, sei richtig – und wichtig. „Wenn sich Personen angegriffen oder verletzt fühlen, möchte ich das nicht ignorieren. Dann muss darüber gesprochen werden, wie wir damit umgehen“, fügt sie hinzu.

Rackwitz

„Für uns gehören Indianer-Kostüme dazu“, betont Heidi Wolf, die Vorsitzende des Rackwitzer Faschingsclubs. Ihrer Meinung nach ist die Diskussion übertrieben. „Wo fängt es an und wo hört es auf? Dann dürfte ich mich auch nicht mehr als alte Frau verkleiden.“ Und irgendwann vielleicht auch nicht mehr als Tomate ...

Von Maria Sandig, Christian Kunze und Axel Kaminski

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