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Oschatz Historiker veröffentlicht Buch über das Alte Jagdschloss zu Wermsdorf
Region Oschatz Historiker veröffentlicht Buch über das Alte Jagdschloss zu Wermsdorf
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15:03 15.08.2019
Historiker Jens Kunze aus Wermsdorf verfasste ein Buch über König Albert und das Alte Jagdschloss zu Wermsdorf. Quelle: Foto:
Wermsdorf

Hohe Stapel von Kopien, aufgeschlagene Bücher, Notizen – wo man steht und geht. Alte Dias neben ausgedruckten Fotografien. So stellt man sich einen richtigen Historiker vor. Und ganz so weit hergeholt ist es gar nicht mit dieser Vorstellung, gibt Jens Kunze zu. Ein gut geordnetes Chaos gibt es auch bei ihm. Denn immer, wenn er bei seinen Recherchen über die Region Oschatz stolpert, muss er sich diese Informationen einfach „abspeichern“ – egal in welcher Form. Seit neun Jahren wohnt der Historiker bereits in Wermsdorf. Mittlerweile ist er auch in den hiesigen Heimat- und Verschönerungsverein eingetreten. Gundolf Schmidt, Vorsitzender des Vereins, kannte er bereits eher. Als Lehrer habe er damals Schüler mit ins Archiv gebracht. So lernten sich beide kennen, bevor die Familie Kunze nach Wermsdorf zog. So konnte der Historiker auch die Bitte nicht ausschlagen, etwas über das Alte Jagdschloss zu Wermsdorf zu recherchieren. „Eigentlich handelt es sich dabei nicht um die Zeit, der ich normalerweise nachgehe. Diese beschränkt sich auf das 15. bis 17. Jahrhundert mit dem Augenmerk auf Adel und Rittergüter.“ Doch er machte eine Ausnahme. Und das Ergebnis ist seit der Wermsdorfer Schlössernacht erhältlich. Nun auch in der Wermsdorfer Tourist-Information. Die offizielle Präsentation des Buches findet am 6. September im Ratssaal des Alten Jagdschlosses um 18 Uhr statt.

Umfangreiche Archivrecherche

Vor zwei Jahren begann er bereits mit der Archivrecherche zu dem Buch. „Es gibt ein sehr wunderbares Inventar von den Räumen im Alten Jagdschloss. Es wurde um 1890 angefangen. Die meisten Informationen stammen aus dem Hauptstaatsarchiv Dresden.“ Vieles sei bereits digitalisiert. Das erleichtere die Arbeit ungemein. Dennoch verbrachte er viele Stunden vor Ort und machte auch sehr spannende Entdeckungen. „Mehr und mehr stellte sich heraus, dass die Herrschaften von damals gar nicht wussten, was sie eigentlich anstellen sollten. Es gab nichts zu tun. Eine echte Funktion hatten sie nicht.“ Sie ließen das Schloss umbauen und konnten somit Handwerker beschäftigen. „Das musste jedoch aus der königlichen Kasse und nicht aus der Staatskasse finanziert werden. Obwohl er König war, wurden ihm seine Grenzen aufgezeigt.“ Doch nach wie vor halten die Wermsdorfer große Stücke auf ihren König Albert. Es gibt noch immer Geschichten darüber, wie er alleine durch den Wald ritt und sich mit Bürgern unterhalten haben soll. „Ich bin der Meinung, dies ist ein Irrglaube. Alle Aufzeichnungen belegen, dass er immer mit seinem Gefolge unterwegs war.“

Albert und seine Frau Carola von Wasa-Holstein-Gottorp. Quelle: Sammlung Claus Wappler

Von vielen spannenden Augenblicken im Leben von König Albert kann Jens Kunze berichten. So zum Beispiel über ihn und seine Familie. „Die erneute Nutzung des alten Wermsdorfer Schlosses als Jagdschloss ging auf die Initiative König Alberts zurück. […] So ist durch Alberts genaue Aufzeichnungen seiner Jagderfolge bekannt, dass er im Zeitraum von 1844 bis 1895, also in etwa 50 Jahren, rund 40 000 Stück Wild verschiedener Art erlegt hat. Einen nicht unwesentlichen Teil davon brachte er im Wermsdorfer Wald zur Strecke“, ist im Buch beschrieben. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Albert seine Frau Carola von Wasa-Holstein-Gottorp auf einem Jagdausflug kennenlernte. Die Ehe hielt 49 Jahre, war innig, aber blieb kinderlos. „Nach Alberts Tod 1902 wurde sein jüngerer Bruder Georg neuer sächsischer König. Während der Regierungszeit Alberts war Georg häufig gemeinsam mit seinem Bruder in Wermsdorf. Nachdem er König geworden war, besuchte er Wermsdorf nur noch selten. Jedoch währte seine Herrschaft nur von 1902 bis 1904. Ihm folgte sein Sohn Friedrich August III., der wohl wieder häufiger im Wermsdorfer Wald jagte; jedoch wurden für diese Zeit bisher nur wenige aussagekräftige Quellen gefunden“, schrieb Jens Kunze in seinem Buch. „Von 1916 bis 1918 lebte Prinz Max von Sachsen, Bruder des Königs, im Alten Jagdschloss. […] Die Aufstellung über die Bewohner des Jagdschlosses zeigt, dass sich neben dem König und seiner Frau sowie den Thronfolgern Georg und Friedrich August auch noch andere Mitglieder der königlichen Familie in Wermsdorf aufhielten.“

Jagd im Wermsdorfer Wald

Doch zurück zur Jagd im Wermsdorfer Wald und zu König Albert. „Die Jagd gehörte zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen König Alberts. Der Wermsdorfer Wald bot dazu die besten Voraussetzungen. Er war einer der Gründe, weshalb Kurfürst August im 16. Jahrhundert die Starschedelschen Besitzungen um Mutzschen und Wermsdorf erwarb. Wegen des Waldes und seines Bestandes an jagdbarem Wild ließ Johann Georg I. Anfang des 17. Jahrhunderts das Alte Jagdschloss errichten. Im 18. Jahrhundert setzten August der Starke und sein Sohn diese Tradition fort – Schloss Hubertusburg entstand.“

Das Arbeitszimmer des Königs im Alten Jagdschloss zu Wermsdorf. Quelle: Sammlung Thomas Pfüller

Jens Kunze ist selbstständiger Historiker und aktuell hauptsächlich in Magdeburg unterwegs, kann nur an den Wochenende in seine Heimat Wermsdorf und zu seiner Familie. Ursprünglich stammt er aus Tharandt, einem Ort bei Dresden. „Dort gab es eine Burgruine und als Schüler haben wir an dieser Stelle Ausgrabungsarbeiten begleitet. Eine Zeit lang haben dort die Markgrafen von Sachsen gewohnt. Ich denke, das war das Schlüsselerlebnis, was mich an die Stelle geführt hat, wo ich heute bin. Als ich meine Klassenlehrerin wieder traf, hat sie sich darüber gewundert, dass ich mich für Geschichte und nicht für Mathe entschieden habe, worin ich immer sehr gut war. Letztendlich habe ich in Leipzig studiert.“ Eines seiner größten Projekte war Mildenstein in Leisnig. Für die Baumaßnahmen, die damals anstanden, sollte Jens Kunze die Bauforschung unterstützen und die Quellen sichten, die vor allem in Weimar zu finden waren. Das Schloss sollte mit Rücksicht auf frühere Zeiten restauriert werden. Vor Ort fand auch das erste Mildensteiner Kolloquium statt. Für Jens Kunze ergaben die Nachforschungen eine Win-Win-Situation, denn er schrieb darüber seine Doktor-Arbeit. „Auch die Geschwister Albrecht und Ernst waren als Kinder in Mildenstein“, fügt der Historiker hinzu.

Herrschaftsbereich der Albertiner

Ebenso Oschatz sei eine hoch interessante Stadt. Aktuell erarbeitet Jens Kunze das Urkundenbuch von Torgau. So kommen ihm auch immer einige Urkunden aus Oschatz in die Hände. „Es gibt auch alte Stadtbücher. Das ist sehr interessant.“ Er selbst arbeitet gerade am dritten Stadtbuch von Leipzig. Bei den Recherchen fand er heraus, dass Oschatz und seine Bewohner besonders im 15. und 16. Jahrhundert sehr gefragt waren. „So hat der Leipziger Rat in der damaligen Zeit einen Rechtspflegebeauftragten aus Oschatz beauftragt. Auch etliche Händler aus Oschatz treten bei den Recherchen zu Leipzig immer wieder auf. Oschatz war eine der größten Städte im Herrschaftsbereich der Albertiner“, fasst der Historiker zusammen. Das Leipziger Stadtbuch wird, wenn es fertiggestellt wurde, wahrscheinlich um die 500 Seiten umfassen. Im ähnlichen Maß stellt sich Jens Kunze auch das Urkundenbuch für Torgau vor, welches im Jahr 2021 gedruckt werden soll. Für diese Ermittlungen reiste der Wermsdorfer nach Weimar, Magdeburg, Wernigerode, Dresden, Torgau, Zwickau und Erfurt.

Für seine Nachforschungen nimmt er diese vielen Kilometer gerne in Kauf. Wenn er in einem Thema versunken ist, merkt er nicht, wie schnell doch die Zeit vergeht. Plötzlich ist es Abend. Für den Historiker ist dies ganz normal. Er liebt seinen Beruf. Und so freut er sich auch auf die Buchpräsentation am 6. September im Ratssaal des Alten Jagdschlosses, bei der er den Interessierten einen kleinen Einblick in das Leben von Albert und seiner Familie in Wermsdorf ermöglichen möchte.

Von Kristin Engel

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