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Oschatz Hopfenernte in Niedergoseln hat begonnen
Region Oschatz Hopfenernte in Niedergoseln hat begonnen
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07:02 30.08.2019
In Niedergoseln wird die Hopfenernte der Agrargenossenschaft verarbeitet. Zunächst werden die angelieferten Ranken in die Erntemaschine eingehängt. Quelle: Foto: Axel Kaminski
Niedergoseln

Nach einer kurzen Probe am Mittwoch ist bei der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln die Hopfenernte seit Donnerstag in vollem Gange. Auf 90 Hektar wird diese Kultur hier angebaut.

„Im Schnitt ernten wir 85 bis 90 Tonnen Rohhopfen“, erläutert Roland Paul, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. In guten Jahren – wie beispielsweise 2016, als man bis zum 13. Oktober mit der Ernte beschäftigt war – seien es auch mal 100 Tonnen. Mit Prognosen für das aktuelle Jahr halte er sich zu diesem frühen Zeitpunkt aber lieber zurück.

Allerdings gibt es Grund zu Optimismus. Der Blick auf die Kulturen zeigt, dass auch die Ranken an den nicht bewässerten Standorten ganz ordentlich aussehen und kaum Trockenschäden zu erkennen sind. Außerdem seien während des Wachstums der Pflanzen kaum Krankheiten aufgetreten. Auch von Schadinsekten seien die Kulturen nahezu verschont geblieben.

Seit Donnerstag schlägt also die Stunde der Wahrheit, kann man sich die Dolden aus der Nähe ansehen. Dazu werden die gesamten Ranken geerntet. Ausgeklügelte Spezialtechnik sorgt dafür, dass die Ranke am Traktor aufgenommen und von dem sie haltenden Draht abgerissen wird – ohne dass die Konstruktion aus Leit- und Spannseilen in Mitleidenschaft gezogen wird.

Wunderwerk der Mechanik

Als „Wunderwerk der Mechanik“ bezeichnet Roland Paul die Pflückmaschine, an der die Dolden, die weiterverarbeitet werden, von den Stängeln und Blättern getrennt werden. Bevor dieses Wunderwerk seine Arbeit verrichten kann, müssen die Ranken per Hand in die Zuführung eingehängt werden. Hier zahlt es sich aus, dass einige der Saisonkräfte aus Osteuropa schon seit mehreren Jahren bei der Hopfenernte in Niedergoseln dabei sind und nach kurzer Einarbeitung diese Handgriffe wieder routiniert absolvieren.

Danach ist zunächst viel Mechanik gefragt, wobei an ihr auch ein gerüttelt Maß an Handarbeit erforderlich ist. Soll eine Maschine mit solch einer Vielzahl von Lagern, frei liegenden Ketten und Zahnrädern zuverlässig arbeiten, muss sie regelmäßig gereinigt werden, damit die dort bearbeiteten Pflanzenteile sie nicht zum Stillstand bringen.

Rohhopfen geht nach Bayern

Mit der Trennung der Dolden vom Rest der Hopfenpflanze ist der Verarbeitungsprozess in Niedergoseln noch nicht beendet. Die Dolden werden hier noch getrocknet und dann mit einem definierten Feuchtigkeitsgehalt verpackt. Dann geht die Reise dieses Rohhopfens zur Weiterverarbeitung nach Bayern.

Dort wird aus dem sächsischen aber kein bayerischer Hopfen. „Es wird sortenrein und nach Herkunft verarbeitet“, betont Roland Paul. Allerdings stehe dann weder Naundorf noch Niedergoseln drauf, denn man vermarkte gemeinsam mit weiteren Hopfenbauern in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen unter der Erzeugerbezeichnung „Elbe-Saale-Hopfen“. Unter diesem Namen könnte man den hier geernteten Hopfen theoretisch weltweit kaufen. Praktisch lasse sich aber schwer herausfinden, wer damit sein Bier würze. „Wir haben vor zwei Jahren aus unserem Hopfen in Köthen Bier brauen lassen, das wir dann an unsere Verpächter verteilt haben“, erzählt Roland Paul. Er habe es ganz süffig gefunden.

Aufwändige Arbeit

Je nachdem, welcher Quelle man vertraut, muss ein Winzer bis zu 17 Mal pro Jahr seine Rebe besuchen, um eine ordentliche Lese einfahren zu können. Der Hopfenbauer ist vielleicht etwas weniger oft gefragt, aber von allein wächst die Dauerkultur nicht, bis man die rund fünf Meter hohen Ranken ernten kann.

Wenn sich die Pflanzen im Februar, März wieder zeigen, werden die Drähte von den Leitseilen hinab zum Boden, zu den einzelnen Pflanzen, abgehängt. Später werden zwei der bis zu fünf, sechs Triebe an diesen Draht „angeleint“. Im Laufe der Vegetationsperiode erhalten sie mineralischen und organischen Dünger. Einige Wochen vor der Ernte werden die Triebe in Bodennähe entfernt, damit die Erntetechnik nicht über ein verbuschtes Feld fahren muss. Das sieht man der Flasche Bier gar nicht mehr an...

Von Axel Kaminski

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