Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Indien – ein Land der Extreme
Region Oschatz Indien – ein Land der Extreme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:06 02.05.2019
Sophie Jähnigen – oben farbenfroh verziert beim Holi-Festival – berichtet aus Indien. Dort besuchte das auch das Taj Mahal, ein beeindruckendes Mausoleum. Quelle: Sophie Jähnigen
Ganzig/Indien

Die Weltreise von Sophie Jähnigen aus Ganzig geht dem Ende entgegen. Diesmal die junge Frau von ihrer vorletzten Station – aus Indien:

„TukTuk?“ höre ich es von der Seite fragen. Versucht freundlich antworte ich auch dem 10. TukTuk-Fahrer: „No, thanks.“ Ich überhole die vor mir laufende Kuh, weiche einem Moped aus, das mir auf der falschen Spur entgegenkommt. Jemand hupt. Nicht wegen mir. Irgendjemand hupt einfach immer. Ich biege nach links ab und schlängele mich an den Verkaufsständen vorbei. Ich habe mir ein ernstes, uninteressiertes Gesicht zugelegt. Es soll sagen: „Ich kaufe nichts“. Glauben will mir das offenbar niemand.

Dennoch erreiche ich schlussendlich den Ganges, den heiligsten Fluss Indiens. Es wird etwas ruhiger. Hier ist erstmal kein Verkehr. Auch die sich anbietenden Touristenguides kann ich abwimmeln. Es dämmert bereits. Ein paar 100 Meter weiter kann ich lodernde Feuer ausmachen. Trommeln sind zu hören. Vorsichtig nähere ich mich einer Traube von Männern, die gemeinsam um ein Feuer stehen. Sie haben Tränen in den Augen. Es schnürt mir die Kehle zu. Mein Blick fällt auf den schemenhaft zu erkennenden menschlichen Korpus in den Flammen. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche werden hier in Varanasi, einer der heiligsten Städte Indiens, die Verstorbenen feierlich verbrannt.

Vorurteile bilden Realität selten ab

Wer nach Indien fährt der muss wissen: Indien ist anders. Ein Land der Extreme, voller Widersprüche und Obskuritäten. Kaum einem Land eilt der schlechte Ruf wohl so weit voraus: „Das ist doch so ein dreckiges, armes Land, in dem du die Hälfte deiner Reisezeit mit Durchfall auf der Toilette verbringst. Außerdem wirst du wahrscheinlich am Tag dreimal ausgeraubt und überhaupt sind die Männer dort alle Sexualverbrecher. Als Frau kannst du da nicht alleine hinreisen.“ So oder so ähnlich sind die gängigen Bilder. Wenn ich aber eines auf meinen Reisen gelernt habe, dann das Vorurteile selten die Realität abbilden. Dies bestätigten auch zahlreiche Indienkenner, die immer wieder von dem bunten Land schwärmten und in mir die Entdeckerlust weckten.

Dennoch bin ich auf das Schlimmste eingestellt, als ich im Süden des Landes ankomme. Vorsichtig taste ich mich vor und will meinen Augen gar nicht trauen. Es ist grün, verhältnismäßig sauber, die Menschen sind gebildet (100 Prozent Alphabetisierungsquote) und ich sehe nur selten mal eine Kuh. In Hampi, einem kleinen Ort etwa 700 Kilometer südlich von Mumbai, fühle ich mich wie in der indischen Version einer römischen Ausgrabungsstätte und in Munnar einem Örtchen noch weiter südlich, ist es so idyllisch und ruhig, dass ich ernsthaft bezweifle, überhaupt noch in Indien zu sein.

Jede Region hat eigene Identität

Erst als ich weiter Richtung Norden reise, zeigt sich das Land von anderen Seiten. Langsam begreife ich, Indien ist nicht gleich Indien. Jede Region hat ihre eigene Identität und ihre eigene Sprache. 3200 Kilometer sind es vom nördlichsten Punkt bis zur Südspitze. Kein Wunder also, das sich unzählige unterschiedliche Bräuche und Traditionen entwickelt haben.

Als Reisender kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Mir wird bewusst, dass man Indien mit verschiedenen Augen sehen muss. Denn ja, natürlich ist da Armut und in vielen Straßen stinkt es widerlich. Es gibt Orte da wühlen sich Kinder, Affen und Kühe buchstäblich gemeinschaftlich durch die Müllberge auf den Straßen. Man spürt auch die starrenden Blicke der Männer. Und es ist ohne Frage auch nicht angenehm, wenn man permanent angestarrt wird. Doch so anstrengend das Reisen in Indien auch sein kann, so faszinierend ist es auch. Und während man einen Tag vor dem edelsten Mausoleum der Welt steht: dem Taj Mahal, ist man am nächsten Tag dabei, wenn die Frauen eines ganzes Ortes mit Stöcken auf die männlichen Besucher einschlagen (besondere Tradition zum Farbenfestival „Holi“). Und während man sich noch über das Eine wundert, passiert schon an der nächsten Ecke die nächste Kuriosität. Informationsüberflutung vorprogrammiert. Doch auch da bietet Indien mir die passende Antwort.

Zehn Tage Schweigen

Ich entschließe mich für zehn Tage in einem buddhistischen Tempel zu meditieren (Vipassana-Meditation nach den Lehren von Buddha), zehn Tage Schweigen inbegriffen. Ohne so richtig zu wissen, auf was ich mich da eingelassen habe, beziehe ich mein Quartier. Ich habe eine kleine gelbe Karte in der Hand, die mir den Tagesablauf schildert. Zehn Stunden Meditation pro Tag sind darauf vorgesehen. Während ich noch ungläubig die Karte studiere, bezieht meine Mitbewohnerin aus England ihr Bett. Wir stellen uns noch kurz vor. Mehr erfahre ich jedoch nicht von ihr, denn dann beginnt offiziell das Schweigen und am nächsten Früh 4.30 Uhr unsere erste Meditation. Motiviert versuche ich bewegungslos zu verharren.

Tolle und intensive Erfahrung

Meine Aufgabe ist es zunächst meine natürliche Atmung zu beobachten. Das klappt am Anfang noch recht gut, bis meine Beine das erste Mal einschlafen. Ich versuche das Kribbeln und Stechen zu ignorieren. Erfolglos. Ich strecke meine Beine. Mist. Wer hätte gedacht, dass es so schwer ist, auch nur eine Stunde sich nicht zu rühren? Die zehn Tage werden zum Kampf, mal gegen die Müdigkeit, mal gegen die Langeweile, mal gegen die Rückenschmerzen. Der Körper verlangt nach Abwechslung. Doch es gibt weder Handy noch Fernsehen. Auch Lesen oder Schreiben ist nicht gestattet. Nichts soll dich ablenken von deiner einzigen Aufgabe: Meditation. Dennoch werde ich meiner Familie und Freunden am Ende begeistert von meiner Zeit berichten und wie viel ich für mich mitnehmen konnte. Es war trotz aller Hürden eine tolle und intensive Erfahrung.

Mental gut gestärkt mache ich mich nun auf den Weg zu meiner vorerst letzten Reisestation. Es geht nach Marokko.

Von Sophie Jähnigen

Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hat für den Wettbewerb um Sitze im Oschatzer Stadtrat sechs Männer und zwei Frauen gewinnen können. Unlängst verständigten sich diese auf ihr Wahlprogramm. Ein Überblick.

02.05.2019

In der Leisniger Helios-Klinik können wieder Kinder zur Welt kommen. Die Geburtsstation, die wegen personeller Engpässe in den Osterferien geschlossen war, steht wieder offen. Die Betreuung ist rund um die Uhr gewährleistet.

02.05.2019

Ein nicht genehmigtes Walpurgisnacht-Feuer musste in der Nacht zum 1. Mai die Feuerwehr im Oschatzer Ortsteil Leuben löschen. Auch die Polizei rückte an, weil es zum Streit mit den Anwohnern kam.

02.05.2019