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Oschatz Interview: Oschatzer Frank Kupfer will neue Kraft tanken
Region Oschatz Interview: Oschatzer Frank Kupfer will neue Kraft tanken
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06:00 08.10.2019
Frank Kupfer im legeren Look. Im schwarzen Anzug, wie in seiner Zeit als Landespolitiker, wird man ihn nicht mehr so oft sehen. Quelle: Foto: Frank Hörügel
Oschatz

Nach einem Vierteljahrhundert in der Landespolitik hat sich der Oschatzer Frank Kupfer nicht noch einmal zur Wahl gestellt. Der heute 57-Jährige leidet seit längerer Zeit an Depressionen und ist deshalb bereits vor einem Jahr als CDU-Fraktionschef im Landtag zurück getreten. Im OAZ-Interview zieht er Bilanz über seine Politiker-Karriere und sagt, wie es nun mit ihm weiter geht.

Nach einem Vierteljahrhundert in der sächsischen Landespolitik haben Sie einen Schlussstrich gezogen. Was machen Sie jetzt den ganzen Tag lang?

Ich kümmere mich um mich, ich will erst mal gesund werden. Ich nehme noch Medikamente gegen die Depression und gehe einmal in der Woche zur Therapie. Und dann habe ich jetzt endlich mal Zeit, alles das zu machen, was mir Freude bereitet und wofür ich bisher keine Zeit hatte, zum Beispiel Arbeiten an meinem Haus.

Sind Sie jetzt zum Handwerker geworden?

Ich habe früher schon viel selber gemacht, jetzt habe ich gerade ein Gewächshaus gebaut.

Wie sieht Ihre Bilanz zu diesen 25 Jahren aus, was haben Sie für Ihren Wahlkreis erreicht, was hat nicht geklappt?

Es ist eigentlich durchweg positiv, was die Landespolitik betrifft.Zum Beispiel das Finanzamt Oschatz, das geschlossen werden sollte. Ich habe den neuen Finanzminister mit nach Oschatz genommen und gesagt: Gucken Sie sich das mal an. Das ist eine Liegenschaft des Freistaates – und in Eilenburg bauen wir was Neues. Das ist doch rausgeschmissenes Geld. Das hat ihn überzeugt, und das Finanzamt in Oschatz bleibt. In Torgau war das ähnlich, wo die Justizvollzugsanstalt geschlossen werden sollte.

Oder das ökologische Dorf Treptitz. Damals war ich in der Verantwortung als Umwelt- und Landwirtschaftsminister und meine Fachabteilung wollte das nicht. Letztendlich habe ich die Richtung vorgegeben und somit einen Anteil daran, dass das in Treptitz gelungen ist und man versucht, das zu exportieren. Als Minister habe ich erreicht, dass die Leadergebiete – Fördergebiete der Europäischen Union im ländlichen Raum – ein Budget bekommen, und selbst entscheiden können, wofür das Geld ausgegeben wird. Das habe ich mit Brüssel ausgehandelt. Und das Wermsdorfer Schloss Hubertusburg liegt mir – seitdem ich im Landtag bin – sehr am Herzen. Die millionenschweren Investitionen in die Sanierung sind die Grundvoraussetzung dafür, dass die Substanz erhalten bleibt.

Und was hat nicht geklappt?

Stichwort Kreisgebietsreform. Es ist kein Geheimnis, dass ich damals gegen den Verbund mit Delitzsch war. Wir hätten diesen Großkreis Oschatz, Torgau, Döbeln, Grimma gern gesehen. Das ist leider nicht gelungen. Da konnte ich mich einfach nicht durchsetzen. Beim Schloss Hubertusburg wären wir auch schon viel eher viel weiter gewesen, wenn es nach mir gegangen wäre. Doch der ehemalige Finanzminister Unland hat immer gesagt: Wenn das Dresdener Schloss fertig ist, kommt Hubertusburg dran. Das sieht der neue Finanzminister anders und hat schon viel für Hubertusburg getan, zum Beispiel die laufende Sonderausstellung.

Welche Zeit war für Sie die spannendste?

Natürlich die Minister-Zeit. Ich bin mit sehr großem Respekt an die Aufgabe gegangen und habe das wirklich gern gemacht. Und ich bin auch absolut ungern aus dem Ministerium gegangen, das hat mich hart getroffen.

Welchem der vier Ministerpräsidenten, unter denen Sie gearbeitet haben, sind Sie menschlich am nächsten gekommen?

Professor Biedenkopf war halt eine Galionsfigur. Am Anfang war ich einfacher Abgeordneter, später dann Generalsekretär – da wurde das Verhältnis etwas harmonischer. Mit Milbradt dann eigentlich auch. Aber das Größte war natürlich mit Tillich, weil ich in seinem Kabinett war. Und Kretschmer kenne ich schon aus der Zeit, als ich Generalsekretär und er bei der Jungen Union war. Mit den beiden letzten Ministerpräsidenten war das Verhältnis am innigsten.

Sie waren als Direktkandidat für Torgau-Oschatz immer eine sichere Bank für die CDU. Jetzt hat Gudrun Petzold das Mandat für die AfD geholt und gegen den CDU-Kandidaten Bernd Merbitz gesiegt. Wäre das mit Ihrer Wunschkandidatin Christiane Schenderlein auch passiert?

Glaskugel – das kann ich wirklich nicht sagen. Bernd Merbitz ist, wie er ist, eher burschikos. Ganz anders als ich. Das kann man mögen, das kommt vielleicht bei vielen Leuten an. Er hatte das Handicap kurz vor der Wahl mit seiner schweren Krankheit. Er hat viele Termine gemacht, aber scheinbar nicht genug. Sonst hätte es ja wohl gereicht. Frau Schenderlein war meine Büroleiterin und ist jetzt Gott sei Dank auch bereit, den Wahlkreis Torgau-Oschatz als Abgeordnete zu betreuen.

Werden Sie selbst weiter politisch aktiv bleiben?

Ich bleibe weiter in der CDU, aber mandatsmäßig mache ich nichts mehr. Im Augenblick bin ich noch stellvertretender Landesvorsitzender. Im November sind Neuwahlen und ich habe Michael Kretschmer schon gesagt, dass ich nicht wieder kandidiere. Das ist jetzt eine andere Politikergeneration und ich will da nicht dauernd reinfunken – das ist unangenehm für beide Seiten. Ich werde hier im Landkreis weiterhin in Vereinen mitwirken. Nicht mehr in allen. Auf jeden Fall bleibe ich im Oschatzer Verein Rettet St. Aegidien, im Wermsdorfer Freundeskreis Schloss Hubertusburg und im Oschatzer Landesgartenschau-Verein.

Wie geht es beruflich bei Ihnen weiter?

Jetzt ist das Projekt Frank dran, das ist harte Arbeit. Ich habe mein Pulver verschossen, muss neue Kraft tanken.

Von Frank Hörügel

Rudi Kühne aus Thalheim hat fast 30 Jahre lang für die Handelsorganisation HO gearbeitet und war mit seinen Kollegen regelmäßig mit einem Verkaufsstand beim Horstseefischen vertreten.

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