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Oschatz Katzenrettung in der Collm-Region: im Zweifel kommt die Feuerwehr
Region Oschatz Katzenrettung in der Collm-Region: im Zweifel kommt die Feuerwehr
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06:00 19.01.2017
Feuerwehrleute retten im Juni 2016 in Oschatz eine Katze aus einem Lüftungsrohr: Wenn eine Katze auf einem Baum festsitzt, sollte die Feuerwehr gerufen werden. Quelle: Foto: Dirk Hunger
Region Oschatz

„Wenn die Katze den Baum rauf gekommen ist, kommt sie auch alleine wieder runter.“ So denken viele. Auch im Fall der Katze, die vier Tage auf einem Baum in Schmannewitz ausharren musste. „Nein, dass stimmt nicht. Die Katze muss gerettet werden“, korrigiert die mobile Tierärztin Eileen Heinrich, die auch in der Region Dahlen unterwegs ist, diese Aussage. „Einen Tag auf einem Baum zu verbringen, mag ja noch okay sein, aber schon zwei Tage sind zu viel. Anwohner müssen hier aufmerksam sein und wenn nötig die Feuerwehr kontaktieren. Eine Katze wie die, die in Schmannewitz vier Tage lang auf einem Baum saß, kann dehydrieren. Dies kann Langzeitschäden hervorrufen. Eine Katze muss jeden Tag mehrere kleine Portionen Futter zu sich nehmen. Bei einer derartigen Unterversorgung können zum Beispiel die Nieren Schaden nehmen – diese sind dafür sehr anfällig – oder es kann zur Bauchspeicheldrüsenentzündung führen.“

Dem stimmt auch die Oschatzer Tierphysiotherapeutin Maria Cotta zu. „Es ist nicht normal für eine Katze, so lange auf einem Baum zu verharren. Sie war ja auch der Witterung komplett ausgesetzt. Gründe, warum eine Katze auf einen Baum klettert, gibt es viele. Neugier, Angst vor anderen Tieren – hoch ist man schnell, doch wenn sie wieder herunter wollen, haben sie zu große Angst.“ Im Fall aus Schmannewitz saß die Katze auf dem ersten Ast des Baumes in mehreren Metern Höhe fest. Es gab also unter ihr keinen weiteren Ast, den sie zum Festhalten nutzen konnte. „Wenn der Baum relativ glatt ist, hat die Katze keinen Widerstand. Die Katze könnte natürlich Angst davor gehabt haben, dass das Tier, das sie eventuell hoch getrieben hat, noch in der Nähe sein könnte. Wahrscheinlich hatte sie jedoch Angst davor, abzurutschen. Das ist auch für Tiere eine ganz normale Reaktion – so wie bei uns Menschen auch. Katzen, die ja im Volksmund immer auf ihren Pfoten landen, können bei einem Absturz erheblich Schaden nehmen“, so die Tierärztin. Wenn die Entfernung zum Boden zu hoch ist, sei der Aufprall für das Tier zu heftig. Sie landeten zwar auf ihren Pfoten, könnten sich aber dabei den Unterkiefer oder die Gliedmaßen brechen. „Es kann auch sein, dass beim Aufprall die Lunge kollabiert. Dann bekommt das Tier keine Luft mehr und erstickt. Oder es kommt zu einer Rippenfraktur. All das kann schwerwiegende Folgen haben und zum Tod der Katze führen“, weiß sie.

Die Tierärztin Eileen Heinrich hat bereits mehrere gestürzte Katzen behandelt. „Ich hatte einen Fall, bei dem eine Katze vom Balkon aus dem zweiten Stock gefallen ist. Sie hatte sich dabei das Hinterbein gebrochen. In der Uniklinik in Leipzig wurde ihr eine Platte eingesetzt. Kurz bevor diese entfernt werden sollte, geschah das selbe Unglück erneut und das Tier brach sich die Vorderpfote. So hat man die Platte hinten ausgebaut und vorne wieder eingesetzt. Doch zum Glück hat die Miez beide Behandlungen gut überstanden“, erinnert sich Eileen Heinrich.

Weniger Glück hatte hingegen eine Katze, die am Silvestervorabend von einer jungen Frau unter einer Mülltonne gefunden wurde. Sie war vermutlich aus großer Höhe hinuntergestürzt. „Durch den Aufprall hatte sie schwere Lungenprobleme und verstarb schließlich in der Klinik in Leipzig.“ Besonders gefährlich seien Stürze im Freien, da dann die Gefahr bestehe, dass sich die verletzte Katze verkriecht und sie dort nicht gefunden werde.

Die Oschatzer Tierphysiotherapeutin hat auch schon gestürzte Katzen behandelt. „Kater Freddi hat sich dabei die Vorderpfote verletzt, sodass er diese nicht mehr strecken konnte. Der Tierarzt übernahm die Erstversorgung, doch die Lähmung der Pfote blieb. Ich habe die Katze behandelt und den Nerv mit Reizstrom stimuliert. Die Besitzer bekamen die Hausaufgabe von mir, den Nerv mit dem Finger oder der Bürste zu reizen. Das ist für die Katze nicht sehr angenehm, doch schon nach zwei Tagen konnte Freddi die Pfote wieder aufsetzen, nach eineinhalb Wochen hatte sich die Muskulatur so aufgebaut, dass er wieder laufen konnte und der Kater war bereits nach drei Wochen so weit, wieder draußen umherzustreifen.“

Wieder eine andere Katze habe nach einem Sturz große Schmerzen im Lendenbereich gehabt und ihr Hintergeschirr hinter sich her geschleppt. Schon nach zwei Terminen mit Blutegeltherapie konnte die Katze wieder laufen. Tierärztin Heinrich und Tierphysiotherapeutin Cotta sind sich einig: Eine Katze sollte nie auf einem Baum sitzen gelassen werden, wenn sie nicht von alleine herunter kommt. Denn oft gelinge es den Tieren nicht, ohne schwere Verletzungen unbeschadet „auf ihren Pfoten zu landen“.

Von Kristin Engel

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