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Oschatz Kunst- und Kulturverein ab-ART-ig feiert erfolgreiches erstes Jahr
Region Oschatz Kunst- und Kulturverein ab-ART-ig feiert erfolgreiches erstes Jahr
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06:02 19.09.2018
Zwölf der inzwischen 56 Mitglieder des Kunst & Kulturvereins ab-ART-ig/Kunst Oschatz. Vordere Reihe, von links: Norbert Gruhle, Jesko Hayn, Aaron Theodor; Mittlere Reihe, von links: Detlef Schädler, Monika Grund, Dieter Kanitz, Marko Ulbricht. Hintere Reihe, von links: Marko Benker, Ramona Roßberg, Stefanie Roßberg, Martin Guckland, Mirko Theodor. Quelle: Foto: Christian Neffe
Oschatz

Jeder Gärtner, jeder Handwerker, jeder Bastler kennt dieses Gefühl: Man wirft sich in ein Projekt, arbeitet hart, rackert sich Tag für Tag ab – und kann am Ende stolz auf die Früchte seiner Mühen blicken. Genau so ergeht es dieser Tage auch den Mitgliedern des Kunst- und Kulturvereins ab-ART-ig/Kunst Oschatz.

Auf den Tag genau vor einem Jahr – am 19. September 2017 – schlossen sich zehn Menschen aus Oschatz um der Umgebung für die Vereinsgründung zusammen. Im Dezember mieteten sie sich in die ehemalige Garküche in der Breiten Straße ein und begannen damit, die von zwei Feuern gezeichnete Brandruine zu neuem Leben zu erwecken. Und dieses Vorhaben hat gefruchtet.

Mitgliederzahl seit Vereinsgründung mehr als verfünffacht

56 Personen gehören dem Verein mittlerweile an. „Wir sind in jeder Hinsicht gewachsen – sowohl, was Ideen als auch die Mitgliederanzahl angeht“, sagt Vereinsmitbegründer Mirko Theodor, auch bekannt unter dem Pseudonym Theo Tintenklecks.

Der 46-Jährige steht im größten Raum des Erdgeschosses, zugleich Atelier und Konzertraum, zieht an seiner Zigarette und verpasst einem neuen Gemälde mit dem Motiv der St.-Aegidien-Kirche soeben die letzten Pinselstriche.

Der „Deckenstuck“ besteht aus Alten Schallplatten, „alle zerkratzt und nicht mehr abspielbar“, beruhigt Theodor den Plattenliebhaber und Autor dieser Zeilen, der für ein Gespräch über die vergangenen 356 Tage und den anstehenden Geburtstag vorbeigekommen ist.

Kreative Deckenverzierungen beim Kunst & Kulturverein ab-ART-ig in Oschatz. Quelle: Christian Neffe

Ruinöser Hinterhof ist inzwischen ein Erholungsgebiet

Es geht nach hinten in den Garten. Dass das hier Anfang des Jahres noch alles „Schutt und Wiese“ gewesen sein soll, wie Theodor sagt, klingt wie ein Märchen: Viele Sitzgelegenheiten, zwei selbsterrichtete Pavillons, hochgezimmerte Mauern, eine Spielecke und ein kleiner Garten laden zum Verweilen und Parlieren ein. In zweieinhalb Metern Höhe sind unzählige Regenschirme aufgespannt, die als kreativer Sonnenschutz dienen. “Viele Hände schaffen viel“, sagt Theodor.

Man verstehe sich als „überdemokratischer Verein“, jeder habe die gleichen Rechte und Pflichten – trotz einer klassischen Struktur mit Vorstand und Beisitzern. Wie sie ihren Verein jemandem vorstellen würden, der noch nie von ihm gehört habe? Denkpause. „Durch die Kunst sozial“, sagt Theodor schließlich in bedächtigem Tonfall.

Anfang des Jahres war hier nur „Schutt und Wiese“. Jetzt laden zwei Pavillons im Garten zum Entspannen ein. Quelle: Christian Neffe

Vielfalt – menschliche wie kulturell

Was das bedeutet, zeigt sich schnell: Im Garten sitzen Menschen nebeneinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Die Altersspanne reicht von Anfang 20 bis Ü-60. Holz- und Metallkünstler sitzen neben Malern und Graffiti-Sprühern. Senioren, Punks, EU-Rentner, Freigeister. „Wir sind alle ein bisschen gestört“, feixt Stefanie Roßberg. Die Gruppe antwortet mit freundschaftlichem Gelächter.

Jeder sei willkommen, unabhängig von Alter, Herkunft, Beruf oder politischer Einstellung. Das zeige sich besonders beim sonntäglichen „Alternativen Café“, wo Jüngere und auch Ältere aus der Nachbarschaft zusammen kämen. Nur eine Einschränkung gibt es hier: „Politik, Drogen und Gewalt müssen draußen bleiben.“

Erfolgreiches erstes Jahr ohne öffentliche Förderung

2018, das wird schnell klar, war ein echter Erfolg für die Menschen hinter ab-ART-ig. Davon zeugen der Wiederaufbau und die Gestaltung des Hauses, diverse Veranstaltungen wie ein Skate-Contest, Flohmärkte, das sogenannte Sofa-Kino oder die beiden hauseigenen Bands „Tina & Knut“ sowie „Bierbauch“.

„Wir sind schon ein bisschen stolz, dass wir dieses erste Jahr ohne Gelder aus öffentlicher Hand überstanden haben“, sagt Theodor. Jeder Verein sei zu Beginn mit Problemen konfrontiert. „Aber bei uns hat einfach alles funktioniert.“ Man stelle sich vor, wie es in der Breiten Straße vorangeht, wenn dem Verein die für 2019 beantragte Förderung bewilligt wird...

Pläne für Veranstaltungen, Wohnungen und Ausstellungen

In jedem Fall wäre eine solche Finanzspritze eine echte Hilfe, denn die Pläne sind groß. Noch vor dem Winter soll das kaputte Dach des Anbaus repariert werden, womit das gesamte Gebäude von Brandschäden befreit wäre. Es stehen erneut eine Halloween- und eine Weihnachtsfeier sowie eine 80er-Jahre-Party auf dem Programm. Außerdem Auftritte verschiedenster Bands, unter anderem „Totenwald“, eine vierköpfige Frauentruppe, die russischen Punk auf die Bühne zaubert.

Kunst im Erdgeschoss. Quelle: Christian Neffe

Im zweiten Stock sollen Wohnungen für Vereinsmitglieder entstehen. Und Freunde der Kunst werden hier ohnehin das ganze Jahr lang glücklich: Auf beiden unteren Etagen sind die Werke von Mirko Theodor, Alterspräsident Dieter Kanitz, Stefanie Roßberg und vielen weiteren Künstlern zu sehen. Vielfalt – das ist der große Banner, unter dem hier alles vereint ist. Seien es nun die Menschen, die Kunst oder das Kulturprogramm.

Große Geburtstagsfeier am Wochenende

An diesem Wochenende aber steht erst einmal der einjährige Geburtstag des Vereins an. Und der wird natürlich zünftig gefeiert. Die Vereinsmitglieder laden alle Interessierten aus Nah und Fern am Freitag von 14 bis 1 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 1 Uhr ein.

Das gemütliche Beisammensein soll von einem musikalischen Rahmenprogramm begleitet werden, unter anderem treten ein Liedermacher sowie die „Die Domanis“ auf, eine Ü-60-Coverband. Kinder können sich beim Basteln oder am Kaninchenstall vergnügen. Kulinarisch wird vegane und vegatarische Küche geboten, Freunde des Fleisches können sich bei Schwein am Spieß verköstigen.

Von Christian Neffe

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