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Oschatz Landwirte und Förster besorgt wegen Trockenheit
Region Oschatz Landwirte und Förster besorgt wegen Trockenheit
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18:00 18.04.2019
Landwirt Martin Umhau aus Oschatz hofft auf Frühlinsregen für seine Kartoffeln im Mai und Juni. Quelle: Pia Siemer
Collm-Region

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Durch des Frühlings holden, belebenden Blick, Im Tale grünet Hoffnungsglück; Der alte Winter, in seiner Schwäche, Zog sich in rauhe Berge zurück“, als Goethe 1808 den „Faust“ schrieb und dabei auch den Osterspaziergang verfasste, kannte er offenbar noch keinen Klimawandel. Von Winter konnte auch in der ersten Jahreshälfte 2019 keine Rede sein. Und wenn die Bewohner der Collm-Region in den kommenden Tagen das Osterfest feiern, dann steht ihnen frühsommerliches Wetter bevor.

Michael Hoffmann, Betreiber des Wetterportals www.wetterprognose-wettervorhersage.de, beschreibt das Osterwetter so: „Das Hochdrucksystem über Skandinavien beeinflusst das Wetter über Deutschland über die Osterfeiertage. Wolken wird man wohl vergeblich suchen und die Sonne scheint ungehindert den ganzen Tag von einem wolkenlosen Himmel.“

Einige Osterfeuer wurden abgesagt

Während sich die meisten Familien über ein österliches Kaffeekränzchen im Grünen freuen, warnen Feuerwehrleute vor der inzwischen schon wieder anhaltenden Trockenheit, die die Brandgefahr in die Höhe treibt. So gab es in den vergangenen Tagen mehrfach Diskussionen, ob die zahlreich geplanten Osterfeuer in der Region entzündet werden dürfen.

Der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar hat zumindest für das Oschatzer Stadtgebiet Klarheit geschaffen: „Während in anderen Städten unseres Landkreises bereits Osterfeuer auf Grund der Waldbrandstufe 4 und höher abgesagt wurden, hat die Stadt Oschatz zurzeit die Waldbrandstufe 3. Diese Waldbrandstufe bedeutet eine mittlere Gefahr.

Die Antragsteller von Osterfeuern sollten daher Umsicht und Vorsorge treffen, dies bedeutet die Feuerstelle sollte sich in einem ausreichenden Abstand von Bäumen und Sträuchern befinden. Gleichzeitig weisen wir daraufhin, dass die Feuer auf keinen Fall zur Beseitigung von sonstigen Abfällen, wie zum Beispiel Haus- und Sperrmüll, Reifen, Plastikabfällen und ähnlichen Materialien genutzt werden dürfen.“

Förster erwarten für dieses Jahr drei Generationen Borkenkäfer auf einmal

Wer sich dennoch informieren möchte, kann auf der Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz (www.ffw-oschatz.de) die aktuelle Waldbrandstufe und gleichzeitig die Vorschau für die kommenden Tage sehen.

Das schöne Osterwetter sehen Förster mit Sorgenfalten. Bei den derzeiten Temperaturen schwärmen reichlich Borkenkäfer aus, Experten erwarten für dieses Jahr drei Generationen der Schädlinge, die sich vor allem über Nadelbäume hermachen. Außerdem setzt die Trockenheit den voriges Jahr gepflanzten neuen Setzlingen zu. „Wir haben Lärchen mit keinerlei Austrieb“, hat der Collmer Revierförster Mario Erdmann beobachtet.

„Wir wünschen uns Regen“

Iris Claassen, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Döbeln-Oschatz, ist auch besorgt über die Wetteraussichten: „Wir wünschen uns Regen für die Landwirte“, sagt sie. Seit Beginn des Jahres 2019 sei noch nicht einmal die Niederschlagsmenge in der Region gefallen, die im Vorjahr gefehlt habe. „Dadurch konnte das Defizit von 2018 noch nicht ausgeglichen werden“, erklärt Claassen. Das Wachstum bei den bisher ausgesäten Futterpflanzen sei überschaubar.

Gelassen hingegen sieht Martin Umhau dem Frühjahr und Sommer entgegen. Der Oschatzer Landwirt, der insgesamt über 180 Hektar Acker verfügt, sagt, seine Böden hätten genug Wasser von oben in den vergangenen Wochen abbekommen. „Meine Äcker konnten sich vom trockenen Sommer 2018 ganz gut erholen“, erzählt er. Im vergangenen Jahr konnte Umhau nur zwischen 25 und 30 Tonnen Kartoffeln pro Hektar ernten, in weniger trockenen Jahren waren es eher zwischen 45 und 50 Tonnen. Natürliche hoffe er, in diesem Jahr wieder eine bessere Ernte einfahren zu können.

Vor etwa zehn Tagen habe Umhau angefangen, Kartoffeln auf seinen Äckern zu pflanzen. Erst jetzt sei es warm genug dafür, davor hätte der Nachtfrost das Pflanzen verhindert. Um gut zu gedeihen, bräuchten die Kartoffelpflanzen vor allem den Regen des Frühjahres. Aber da setzt der Landwirt auf die kommenden Monate. „Mai und Juni sind entscheidend, wenn es um das Wachstum von Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais geht“, erklärt Martin Umhau.

Landwirt Umhau: Vegetation blüht 14 Tage früher als noch vor 20 Jahren

Insgesamt beobachtet er, dass es in den vergangenen 20 Jahren eine Verschiebung des Vegetationsbeginns gebeben habe. Kirsch- und Obstbäume würden heute etwa 14 Tage früher blühen als noch in den 1990er Jahren, meint er.

Für die Ostertage gönnt er den Oschatzern durchaus das sonnige Wetter und die warmen Tage. „Da will ich nicht jammern, die Leute wollen an ihren freien Tagen draußen sitzen“, so der Landwirt. „Aber wenn es am Ostermontag um 16 Uhr zu regnen anfangen würde, hätten ich nichts dagegen“, fügt er mit einem Grinsen hinzu.

Von Jana Brechlin, Pia Siemer und Hagen Rösner

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