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Oschatz Letzte Schmelzwanne im Glasseidenwerk Oschatz wird Ende August abgeschaltet
Region Oschatz Letzte Schmelzwanne im Glasseidenwerk Oschatz wird Ende August abgeschaltet
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06:00 12.06.2019
Blick durch Guckloch in die Schmelzwanne. Quelle: Foto: Frank Hörügel
Oschatz

„Alte Dame“ nennt Dr. Armin Plath respektvoll die letzte Glasschmelzwanne der P-D Glasseiden GmbH Oschatz. Noch läuft die acht Jahre alte Wanne stabil, sagt der Geschäftsführer des Betriebes. Klar ist aber auch: Die Tage der „alten Dame“ sind gezählt. Ende August soll die Schmelzwanne für immer abgeschaltet werden. 53 Jahre nach der Eröffnung des Werkes wird damit eine Ära zu Ende gehen. Künftig produziert der Oschatzer Betrieb die Standard-Glasfasern nicht mehr selbst, sondern konzentriert sich auf deren Verarbeitung.

Anteil an Energiekosten steigt

„Der Anteil der Energiekosten steigt zunehmend“, nennt Plath den Hauptgrund für diese unternehmerische Entscheidung. Im vergangenen Jahr wurden in der Wanne nach seinen Angaben 12 000 Tonnen Glas geschmolzen – bei einer Temperatur von 1400 Grad Celsius. Um die Rohstoffe auf diese unvorstellbar hohe Temperatur zu erhitzen, werden riesige Mengen an Energie benötigt – pro Jahr etwa 25 Millionen Kilowattstunden Strom und 75 Millionen Kilowattstunden Gas. Nach Angaben des Geschäftsführer lag der Anteil der Energiekosten an der Glasfasererzeugung im Jahr 2016 noch bei etwa 17 Prozent, in diesem Jahr wird der Anteil auf 22 bis 23 Prozent klettern. Das schlägt sich im Verkaufspreis nieder. „Und damit wird es schwierig, unser Glasfaserprodukte auf dem Weltmarkt anzubieten.“ Denn mittlerweile werde das sogenannte E-Glas, aus dem Standardfasern hergestellt werden, nicht nur in Europa oder den USA, sondern auch in Afrika hergestellt – zu geringeren Preisen. Auch aus einem Werk der P-D-Gruppe in den USA sollen Glasfasern importiert werden. Dort sind die Energiekosten halb so hoch wie hier.

Für den Oschatzer Betrieb bedeutet diese Entwicklung nicht das Aus. Im Gegenteil: Künftig will sich das Unternehmen auf die Herstellung von Spezialglas in kleinerem Umfang spezialisieren. „Da spielen die Energiekosten im Verhältnis zu den Gesamtkosten nicht so eine große Rolle“, sagt Plath.

Versuchsanlage läuft seit 2018

Vor einem Jahr wurde in Oschatz eine Versuchsanlage zur Erforschung von Hochmodulglasfasern offiziell in Betrieb genommen. Schrittweise soll das Produktionsziel von mehreren Hundert Tonnen pro Jahr erreicht werden. Demnächst soll in die Anlage ein anderes Schmelzaggregat eingebaut werden, um noch in diesem Jahr die ersten Kunden mit einer kleineren Produktionsmenge beliefern zu können. Die Fasern aus Spezialglas zeichnen sich gegenüber dem Standardglas durch eine höhere Festigkeit und Steifigkeit aus. Sie leiten den elektrischen Strom nicht und sind unbrennbar. Beispielsweise können Türen im Cockpit von Flugzeugen oder Teile der Batterie-Gehäuse für induktives Laden von Elektrofahrzeugen aus diesem Spezialglas hergestellt werden.

Nach der jetzt laufenden Umstrukturierung des Oschatzer Werkes sollen etwa drei Viertel der Mitarbeiter mit der Weiterverarbeitung der Standardglasfasern zu Matten, Geweben und Komplexen beschäftigt sein. Diese Erzeugnisse werden zum Beispiel für das Herstellen von Windkraftanlagen bei der Kanalsanierung oder in Sport- und Freizeitgeräten verwendet.

Ohne betriebsbedingte Kündigungen

Das restliche Viertel der Mitarbeiter wird sich der Herstellung von Spezialglas widmen. Laut Geschäftsführer Plath beschäftigt das Unternehmen aktuell 373 Glasseidenwerker. Mittelfristig soll diese Zahl auf etwa 325 sinken. „Unser Ziel ist es, das ohne betriebsbedingte Kündigungen hinzubekommen“, sagt der Chef des Oschatzer Betriebes.

Von Frank Hörügel

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