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Oschatz Mediziner aus Wermsdorf wollen über Sucht und Abhängigkeit aufklären
Region Oschatz Mediziner aus Wermsdorf wollen über Sucht und Abhängigkeit aufklären
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06:06 11.03.2019
Dr. Peter Grampp setzt beim Thema Sucht auf Aufklärung – hier bei einer Veranstaltung für Schüler in Borna.
Dr. Peter Grampp setzt beim Thema Sucht auf Aufklärung – hier bei einer Veranstaltung für Schüler in Borna. Quelle: Foto: Jens Paul Taubert (Archiv)
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Wermsdorf

Bei einem ist es der Alkohol, andere brauchen synthetische Drogen, der nächste klebt ständig am Smartphone oder braucht dringend Schmerzmittel – Sucht kann ganz verschieden aussehen. Welche Anzeichen auf eine Abhängigkeit deuten, was Betroffene oder Angehörige tun können und was für Hilfen es gibt, darüber informiert der 4. Wermsdorfer Gesundheitstag: Am Mittwoch, dem 13. März, werden ab 16 Uhr „Sucht und Abhängigkeit“ in den Fokus gerückt. Die Veranstaltung findet in der Ergotherapie im Gebäude 60 statt und ist offen für alle, betont Dr. Peter Grampp, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf.

Mediziner wollen stärkere Vorbeugung

„Uns geht es darum, die Menschen zu sensibilisieren“, sagt Grampp. Das Ziel müsse sein, gefährdete Personen rechtzeitig zu erreichen. „Wir müssen davon wegkommen, nach Eintritt der Katastrophe mit hohem Aufwand nachsorgend zu arbeiten. Viel besser ist es, frühe Hilfen und Maßnahmen zur Vorbeugung anzubieten“, findet der Chefarzt. Deshalb sei eine gute Kenntnis der Gefahren und eine Vernetzung aller Angebote wichtig. „Wenn die Teilhabe am Leben fehlt, die Vereinsamung zunimmt, können Menschen hilfloser und depressiver werden. Die Anfälligkeit für etwas, das diesen Zustand erträglicher macht – das können Alkohol, Drogen oder auch Medikamente, ist dann deutlich größer“, beschreibt er. Darauf wolle man auch in der Klinik künftig eher reagieren und sei gerade dabei, sich neu aufzustellen. Außerdem solle die Therapie noch genauer auf die Betroffenen zugeschnitten werden. Zum Beispiel gelte es, die Frauen mehr in den Fokus zu nehmen. „Für diese Gruppe brauchen wir eigene Angebote, damit Betroffene den Mut für Offenheit finden.“

Auch Smartphones können süchtig machen

Eine Abhängigkeit könne jeden treffen, weiß Grampp. „Es ist zum Beispiel nicht so, dass nur junge Menschen Drogen nehmen. Im Gegenteil: Das betrifft Frauen und Männer jeden Alters“, macht der Chefarzt klar. Wie das im Einzelfall ablaufen kann, darüber wird zum Gesundheitstag am Mittwoch ein Abhängiger erzählen. Außerdem geht es neben Alkohol und Drogen auch um Verhaltenssüchte. „Damit sind diejenigen gemeint, die ständig das Smartphone in der Hand haben, deren Blick am Bildschirm klebt und bei denen alles andere dahinter zurücktreten muss“, so Dr. Peter Grampp. Auch wer seine Tage in Spielsalons oder vor dem Computer zubringe, gelte als gefährdet. Neben dem Chefarzt wird auch Oberärztin Bianca Wernicke den Gästen des Gesundheitstages für Fragen zur Verfügung stehen, außerdem berichten Schwestern der Klinik von ihrer praktischen Arbeit und es gibt Informationen zur sozialen Seite bei der Behandlung von Suchtkranken.

Von Jana Brechlin

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