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Oschatz Mehr Geld in Oschatz: Das sagen die anderen Feuerwehren
Region Oschatz Mehr Geld in Oschatz: Das sagen die anderen Feuerwehren
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07:23 11.06.2019
Bei Großbränden wie hier an eine Lagerhalle in Oschatz arbeiten die verschiedenen Ortsfeuerwehren oft zusammen. Die Entschädigung des Einsatzes fällt in den Kommunen aber unterschiedlich aus. Quelle: Foto: Sven Bartsch
Oschatz

„Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt ehrenamtlich Pflichtaufgaben der Kommunen“, sagt Frank Reichel. Diesem Fakt muss irgendwie Anerkennung gezollt werden, das findet nicht nur der Vorsitzende Kreisverbandes der Feuerwehren Oschatz-Torgau, sondern auch der Stadtrat in Oschatz und erhöht die finanzielle Unterstützung: Zwölf Euro für jeden Einsatz sollen Kamerad und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehr Oschatz ab Juli bezahlt bekommen. „Eine ordentliche Sache“, findet Oschatzer Wehrleiter Lars Natzke. Denn bei einem Feuerwehreinsatz, wie zuletzt der in der Lagerhalle, entsteht jede Menge Aufwand: „Die Wäsche, die nach einem Brand gewaschen werden muss und der Einkauf, der bei einem Alarm möglicherweise im heißen Auto liegen bleibt und schlecht wird, das sehen die meisten ja nicht“. Lars Natzke begrüßt die Erhöhung des Geldes deswegen als ein Zeichen der Achtung. Die Arbeit sei in den letzten Jahren nicht weniger geworden, sagt er. Einsatzzahlen stiegen vor allem wegen trockener Sommer und zahlreicher Sturmschäden. Im Jahr 2019 ist die Freiwillige Feuerwehr in Oschatz bereits zu 109 Einsätzen ausgerückt.

Wunsch nach mehr Anerkennung in Bornitz

Brände, wie dieser hier am Bahndamm in Bornitz hier im Jahr 2018 fordern durch die heißer werdenden Sommer jährlich mehr Einsätze der Freiwilligen Feuerwehren. Quelle: Feuerwehr Bornitz

Sechs Kilometer weiter im kleinen Ort Bornitz spricht René Tschierske, Wehrleiter der örtlichen Feuerwehr von kleineren Zahlen: Fünf Einsätze sind er und seine Feuerwehrmänner und -frauen in diesem Jahr gefahren, dabei ging es um Sturmschäden und einen Verkehrsunfall. Trotzdem wünscht auch er sich mehr Anerkennung für die Arbeit. Die gesetzlich vorgeschriebene monatliche Pauschale für die Führungskräfte der freiwilligen Feuerwehren erhält nur er und sein Stellvertreter, die ehrenamtliche Arbeit seiner Leute wird nicht entschädigt. Tschierske pflichtet seinem Kollgen aus Oschatz bei: „Die Leute sehen nicht, was da für ein Aufwand dahinter steckt. Allein die Ausbildung ist zeitintensiv. Außerdem müssen viele kurzerhand noch eine Kinderbetreuung organisieren, wenn alarmiert wird. Das ist schon auch emotionaler Stress.“ Die Erhöhung der Aufwandsentschädigung in Oschatz findet Tschierske gut, dennoch glaubt er nicht daran, dass dies auch für Liebschützberg und speziell für seine Truppe von 42 Männern und Frauen die richtige Lösung wäre: „Dafür sind unsere Einsatzzahlen zu gering.“ Tschierske wünscht sich eine Anrechnung der ehrenamtlichen Arbeit auf die Rente. „Das war vor ein paar Jahren schon einmal im Gespräch, es ist aber ins Nichts gelaufen.“ Nun plant der Bornitzer Wehrleiter, inspiriert von der Entscheidung aus Oschatz, das Thema bei der nächsten Liebschützberger Wehrleitersitzung noch einmal auf den Tisch bringen.

Stadtverwaltung Mügeln erwartet neue Diskussionen

Im Hauptamt von Liebschützberg sei bis jetzt noch keine neue Diskussion entbrannt, sagt Amtsleiterin Jordan. In Mügeln dagegen ahnt ihre Kollegin Dörte Eberhardt schon das neue Aufflammen einer alten Debatte. Auch hier gibt es nämlich keine Aufwandsentschädigung für die Kameraden, ebenso wie in Liebschützberg werden nur die Führungskräfte mit einer monatlichen Pauschale abgegolten. „Die Frage der Entschädigung wird aber immer wieder diskutiert“, berichtet Amtsleiterin Eberhardt. „Wir würden den Feuerwehren gerne etwas mehr Geld zukommen lassen. Wir haben allerdings noch nicht das richtige Konzept gefunden“, sagt sie.

Appell an die Landespolitik

„Klar das strapaziert auch immer den Haushalt“ weiß der Wehrleiter der Feuerwehr Mügeln Ingo Fischer und betont: „Die Freiwilligen Feuerwehren heißen nicht ohne Grund so“. Fischer weiß, dass die Kommune Mügeln keine großen Entschädigungen leisten kann und appelliert an die Landespolitik. „Ich würde mir wünschen, dass der Freistaat uns mehr unterstützt.“ Wie weit die großzügige Entscheidung des Oschatzer Stadtrates Kreise zieht, ist offen. Zumindest in den umliegenden Kommunen aber hat sie Eindruck hinterlassen.

Anerkennung des Ehrenamtes Feuerwehr: Diese Varianten gibt es.

Formen der Anerkennung für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren können unterschiedlich sein. Hier geben wir einen kurzen Überblick:

Ein viel diskutiertes Konzept zur Anerkennung der ehrenamtlich geleisteten Arbeit ist die sogenannte Feuerwehrrente. Die Idee: Pro aktivem Arbeitsjahr bei der Freiwilligen Feuerwehr können Rentenpunkte gesammelt werden, die sich im Alter bei einer erhöhten Rente auszahlen. Noch ist diese Vision nicht umgesetzt.

Ebenso ist die Ehrenamtskarte für Kameraden und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehr im Gespräch: Aktive sollen damit kostengünstiger oder kostenlos Einrichtungen der Kommunen nützen können. Schwimmbad, Kino oder Museum könnte so für aktive ehrenamtliche Kameraden billiger oder gar kostenlos werden. Der Kreisverband ist zu diesem Konzept gerade in Verhandlungen aus der nordsächsischen Kreisebene.

Entschädigungspauschale für Führungskräfte: Laut dem Landesgesetz müssen die Wehrleiter und ihre Stellvertreter der Freiwilligen Feuerwehren monatlich von der Kommune für den Arbeitsaufwand vergütet werden. Die Höhe der Vergütung obliegt den einzelnen Kommunen und ist von der Größe, Anzahl der Fahrzeuge und Einsätze im Jahr abhängig. In Mügeln beispielsweise liegt der Satz für den Wehrleiter bei 46 Euro im Jahr, in Bornitz dagegen sind es 145 Euro.

Ehrenamtspauschale des sächsischen Innenministeriums: 50 Euro bekommen die sächsischen Feuerwehren im Jahr pro Person von der Landesregierung zur freien Verfügung zugeteilt. Die Jungwehren erhalten 20 Euro pro Jahr und Person. Das Geld steht den Kameraden und Kameradinnen zur freien Verfügung.

Einsatzpauschalen der Kommune: In den größeren Ortschaften und Städten mit hohen Einsatzzahlen sind immer wieder Aufwandsentschädigungen für alle Kameraden im Gespräch, die pro Einsatz gezahlt werden. In Oschatz wird diese Pausche zum Juli auf zwölf Euro erhöht.

Pauschalen für kostenpflichtige Einsätze, die das Abschleppen eines Autos, bezahlt beispielsweise die Gemeinde in Wermsdorf, mit 5 Euro in der Stunde.

Von Anna Flora Schade

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