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Oschatz Merkwitzer Wehr zieht nach 57 Jahren Schlussbilanz
Region Oschatz Merkwitzer Wehr zieht nach 57 Jahren Schlussbilanz
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16:33 16.01.2018
Juli 2012: Ein Grundstück im Merkwitzer Schmiedeweg steht unter Wasser. Aufgrund dieser Gefahr benötigt Merkwitz weiterhin eine Wasserwehr. Quelle: Foto: Dirk Hunger (Archiv)
Merkwitz

Mit dem Beginn des neuen Jahres sind die Tage der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes gezählt – nach 57 Jahren entschied Wehrleiter Dietmar Becker im vergangenen Jahr, seine Abteilung aufzulösen. Als Grund gab er gegenüber der Stadtverwaltung an, dass seine Mannschaft im Ernstfall nicht mehr einsatzbereit sei – aus personellen Gründen.

Personelle Probleme

„Deutlich wurde mir das bei einem Einsatz zwischen Wellerswalde und Merkwitz, bei dem ein Pkw ausbrannte. Hier verhinderte die Feuerwehr Oschatz Schlimmeres. Wir selbst sind nicht mehr allein in der Lage, dort zu helfen, wenn auch nur ein Mann fehlt“, sagte er.

Die Wehr hat in den vergangenen Jahren durch Umzüge, Überalterung und Berufspendler Kameraden aus dem aktiven Dienst verloren. Die Wehr unter diesen Bedingungen am Leben zu erhalten, kam für Dietmar Becker nicht in Frage. Konkrete Anreize für Nachwuchs oder Neueintritte gibt es nicht, mangelt es doch an modernen Fahrzeugen oder einem ansprechenden Depot. „Einer meiner Männer wechselt nach Bornitz, andere eventuell nach Oschatz. Dort herrschen moderne Bedingungen. Ich kann es den Jungs nicht verdenken“, so Becker.

Traditionswehr bleibt bestehen

Bestehen bleibt Merkwitz als Traditionswehr mit Altersabteilung. „Das Maibaumstellen werden wir weiterhin organisieren“, so Becker. Eine großartige technische Ausrüstung konnte die Wehr nicht vorweisen. Der B 1000-Transporter wurde bereits im Sommer verkauft, war von Karsten Saack zu erfahren.

Ein Betätigungsfeld für die einstigen Mitglieder der Feuerwehr könnte in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren die Wasserwehr sein. Die existiert bereits und ist im Falle von Hochwasserereignissen zur Stelle. Allerdings ist im Moment die Frage, wer die Leitung dieser Wehr übernehmen soll, noch unbeantwortet. Benötigt wird sie in jedem Fall, denn noch ist keine Lösung für die immer wieder auftretenden Hochwasserereignisse im Ortsteil Merkwitz in Sicht. Die Stadt hat hier bereits einen Transporter und Technik zur Verfügung gestellt.

Hochwasser ist Problem für Merkwitz

Ein Blick in die Historie und Einsatzstatistik der Merkwitzer Feuerwehr belegt, dass Hochwasser ein Problem für den Ort ist. Seit der Gründung im Mai 1960 waren unter anderem 1977, 1983, 2002 und 2006 solche Einsätze zu verzeichnen. Ein weiteres „Spezialgebiet“ der Merkwitzer Retter, so scheint es, sind Scheunenbrände. Diese ereigneten sich 1961, 1997 und 1999. Im Jahr 2002 gab es zudem einen größeren Wohnhausbrand.

Besonders in Erinnerung bleibt Dietmar Becker jedoch das Jahrhunderthochwasser im Jahr 2002. War er am 12. August von 16 Uhr bis 2 Uhr nachts im eigenen Gebiet unterwegs, so unterstützten die Merkwitzer an den folgenden Tagen die Oschatzer Wehr und wurden dann nach Liebersee gerufen, wo die Belgeraner Wehr jede Hand brauchten, um den Elbedamm zu sichern. „Wir stapelten Sandsäcke – und zwar tausende.“

Auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Walter StiegerMerkwitz war noch eine eigenständige Gemeinde – wurde die Feuerwehr gegründet. Anfangs ohne Depot, beschloss man 1962, ein Gerätehaus zu bauen. Nach Feierabend und an den Wochenende wurde es hochgezogen, im Mai 1963 zudem der Platz davor gepflastert. Bis zur Fertigstellung hatte jeder Kamerad seine Einsatzuniform in den eigenen vier Wänden. Eine weitere Neuerung erfolgte 1964, als erstmals Frauen in die Wehr aufgenommen worden. Diese wurde 1992 aufgelöst. Ansonsten blieben nach der Wende fast alle Mitglieder der Abteilung treu. Die Wehr war und ist kultureller Motor neben dem Sportverein im Ort – auch deshalb wird künftig etwas fehlen in Merkwitz.

Von Christian Kunze

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