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Oschatz Ministerpräsident Michael Kretschmer im Gespräch mit Oschatz
Region Oschatz Ministerpräsident Michael Kretschmer im Gespräch mit Oschatz
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13:55 22.05.2019
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit seiner Ministerriege in Oschatz Quelle: Oschatzer Allgemeine
Oschatz

„Uns fällt es nicht ein, nur die Metropolen zu fördern und das Land außen vor zu lassen.“ Mit diesem energisch ausgerufenen Satz eröffnet Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach einer ausgedehnten Vorstellung seiner politischen Entourage den wesentlichen Teil des Abends: Das Gespräch mit den Bürgern in Oschatz. Zum zweiten Mal ist Kretschmer dafür nun in Nordsachsen zu Gast.

Kretschers Botschaft an Oschatz ist deutlich

Die Botschaft, die er in die Menge der rund 250 Besucherinnen und Besucher im Thomas-Müntzer-Haus gesendet wissen will, bevor es nun ans Eingemachte geht: Die Regierung – und die CDU – denkt an euch und an den ländlichen Raum. Dass es da ganz schön viel zu bedenken gibt, zeigen die nächsten zwei Stunden. „Es ist ein bunter Blumenstrauß an Themen“, wird Michael Kretschmer später nach der offiziellen Verabschiedung sagen, mit einem Bier in der Hand und einem Seufzer auf den Lippen.

Ein bunter Blumenstrauß an Themen

Der offizielle Teil der Veranstaltung beginnt mit einer Vorstellung der Ministerriege. Quelle: Hagen Rösner

Integration, Kultur, Sicherheit ... um halb acht setzen sich nun also neun Minister, Staatssekretäre und Amtsleiter an ihre Tische, um mit den Bürgern über viele Themen ins Gespräch zu kommen. Der Ministerpräsident selbst eröffnet seine Runde direkt auf der Bühne. Lässig sitzt er auf einem grau gepolsterten Stuhl und beginnt sich der Melange an Themen zu stellen, die nun auf ihn einprasselt. Zunächst denken die Oschatzer global, Klimapolitik ist der erste große Punkt: „Es ist fünf nach zwölf“, sagt der Oschatzer Unternehmer Jörg Weichold, das sei ihm klar geworden. „Die EU hat sich ihre Ziele gesteckt“, versichert Michael Kretschmer. „Es liegt nun an der Automobilindustrie, die Emissionen zu reduzieren. VW nimmt das ganz ernst.“ Und er fügt noch hinzu, die kleinen Bürger sollen von einer Kohlendioxid-Steuer verschont bleiben. Mit dieser Antwort gibt sich die Runde gerne zufrieden.

Wir vergessen den ländlichen Raum nicht, diese Botschaft möchte Michael Kretschmer an die Oschatzer senden. Oschatzer Bürgermeister (l.) und Fast-Namensvetter Andreas Kretschmar begrüßt die Gäste mit einem Gedicht Quelle: Hagen Rösner

Klimaschutz und Handwerk in Nordsachsen

Technik bleibt das Thema, die Branche wechselt nun: Dachdeckermeister Henry Korn sorgt sich um seinen Betrieb. „Ich habe 24 Mitarbeiter und sehe nicht, wie ich diese Zahl halten soll“, sagt er. Auszubildende zeigten keinerlei Interesse mehr am Handwerk, „viele wissen nicht mehr wie ein Hammer aussieht", fügt er hinzu – und erntet mitfühlendes Gelächter. Michael Kretschmer aber weiß das wohl, er selbst habe Anfang der 90er-Jahre eine Handwerkerausbildung absolviert, erzählt er locker: „Damals gab es 30 bis 40 Bewerbungen auf eine Stelle, es war purer Zufall, dass ich da hineingerutscht bin.“ Mit diesem privaten Einwurf kontert Kretschmer die Frage des AfD-Mannes Rico Winterlich, der sich ebenso um die Zukunft des Handwerks sorgt.

Einblicke in den politischen Alltag Kretschmers

Gemeinsam mit zwei Parteikollegen macht die AfD-Front im Stuhlkreis, provokant werden Fragen nach der Essenz des CDU-Parteiprogrammes und nach dem Umgang mit Linksextremismus gestellt. „Was uns unterscheidet, ist der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen“, entgegnet Kretschmer. „Politik, das darf man nicht vergessen, ist immer ein Kompromiss zwischen Interessen“, „Wir hatten es gestern erst wieder im Ausschuss ...“ – solche Sätze zeugen von einem langatmigen Politikerleben, aber irgendwie auch von begreifbarem Alltag.

Der Ministerpräsident Michael Kretschmer sucht das Gespräch mit der Basis. LVZ.de hat die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung in Oschatz nach ihren Eindrücken gefragt.

Gelächter mit dem Staatssekretär

Nahbar wird es an anderen Tischen, die Runde um Uwe Gaul, den Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst, war illuster. Die engagierte Oschatzer Bibliotheksleiterin Eleonore Reichel und Mitarbeiterin Janett Rohnstock erzählen von ihren Lese-Aktionen, es wird viel gelacht. An einem anderen Tisch tagt eine Herrenrunde um Thomas Rechentin, den Amtschef des Ministeriums für Inneres. Ex-Polizeipräsident Bernd Merbitz fachsimpelt mit uniformierten Kollegen über Wert und Öffentlichkeit der Polizeiarbeit und mahnt die Notwendigkeit an, auch hier den ländlichen Raum nicht zu vergessen.

Hitzige Debatten

In den anderen Runden, wie hier um den Staatsminister für Kultus Christian Piwarz, saßen oft kleinere Gruppen zusammen. Quelle: Hagen Rösner

Diesen Appell haben auch die Diskutanten am Tisch der Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). Die Gespräche dort laufen zwischen medizinischen Führungskräften auf hohem Niveau, für Außenstehende nur schwer nachvollziehbar. Bei der Runde um Sebastian Vogel, Leiter des Geschäftsbereiches für Gleichstellung und Integration, wird es dagegen lebendiger. Migration ist das Reizthema. Es kommt zur hitzigen Debatte, in der Zahlen, gute und schlechte Beispiele gegeneinander aufgewogen werden. Die NPD hat sich dagegen dem Dialog im Thomas-Müntzer-Haus verweigert und sich draußen auf dem Parkplatz vor der Halle zu einer Demonstration mit etwa 15 Teilnehmern versammelt.

Von Anna Flora Schade

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