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Oschatz „Na bestens“: 300 Oschatzer lachen bei Kabarett-Gastspiel der Academixer
Region Oschatz „Na bestens“: 300 Oschatzer lachen bei Kabarett-Gastspiel der Academixer
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14:42 20.05.2019
Caroline Fischer (l.) und Akne Geißler als pensionierte Lehrerinnen. Quelle: Foto: Christian Kunze
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Oschatz

Gutes Kabarett ist wie Eintopf – so richtig gut wird es erst, wenn man es noch mal aufwärmt. Mit diesem Credo eröffnet Anke Geißler von den Academixern das Programm „Na bestens“. Genau genommen ist es gar kein eigenständiges Programm, sondern eine Aneinanderreihung bereits bekannter Nummern.

Langweilig oder gar belanglos ist es aber nicht – was vor allem an den drei Akteuren liegt. Anke Geißler, Caroline Fischer und Ralf Bärwolf gelingt es über zwei Stunden, kaum eine politische Pointe beizumengen. Statt dessen würzen sie ihr Gastspiel mit Seitenhieben auf das, was Politik mit Menschen und Gesellschaft anstellt und dem, was auch ohne Parlamentarismus auf der Bühne funktioniert: Der Kampf der Geschlechter, der Kampf gegen das Älterwerden und der Kampf des Menschen gegen sich selbst.

Ralf Bärwolf als Rentner, Caroline Fischer als dessen Therapeutin. Quelle: Christian Kunze

Die Nummernrevue funktioniert, obwohl es keinen roten Faden gibt (oder gerade deswegen?). Zwar widmen sich gleich drei Darbietungen dem Seniorendasein – allerdings setzen die Texte stets andere Schwerpunkte, so dass keine Langeweile aufkommt. Sei es der lamentierende Mann in der Midlife Crisis, der sich mit anzüglichem, aber keinesfalls zotigen Wortwitz über das aktive Sexualleben seines Vaters in der heimischen Gartenlaube beschwert („Andere in seinem Alter basteln ein Vogelhaus. Er hat ein Vögelhaus!“), die beiden pensionierten Lehrerinnen, die sich, nach 20 Jahren im Ruhestand über die „Weicheier“ beklagen“, die jetzt unterrichten („Liebe Lehrer sterben früher!“) oder Altenheim-Bewohner, die das Personal als Geisel nehmen.

In bester Spiellaune: Ralf Bärwolf, Anke Geißler und Caroline Fischer (v.l.) Quelle: Christian Kunze

Ebenso bitter wie zeitlos ist die Academixer-Abrechnung mit dem Fiskus. Der Kleinunternehmer, der auf dem Finanzamt vorspricht, weil seien Konten gesperrt sind, erkundigt sich erst nach dem Grund dafür („Sie haben ihre Umsatzsteuer zwar überwiesen, aber auf dem Formular nicht korrekt ausgewiesen“) und sieht sich angesichts der drohenden Pleite mit dem letzten Ausweg konfrontiert: Suizid! Die Sachbearbeiterin reicht ihm dafür eine geladene Pistole aus ihrer Schreibtischschublade („Haben wir hier immer vorrätig!“). Und als ob das nicht schon absurd genug wäre, verlangt sie dafür auch noch eine Leihgebühr. Das ist abgrundtief böse und gerade deshalb gut – und so böse (oder gut?) ist Kabarett nur selten.

Von Christian Kunze