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Oschatz Nach Internet-Alarm: Feuerwehr Oschatz rettet die fünf Mügelner Jungstörche
Region Oschatz Nach Internet-Alarm: Feuerwehr Oschatz rettet die fünf Mügelner Jungstörche
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18:31 13.06.2019
Nestbauarbeiter in luftiger Höhe: Für Schornsteinfegermeister Hans-Jürgen Höhne (hinten) kein großes Problem. Quelle: Manuel Niemann
Mügeln/Oschatz

Das ging noch einmal glatt: Das Gewitter, das am späten Mittwochnachmittag über die Stadt fegte, ließ auch Mügelns gefiederte Bewohner nicht unberührt. Eine Böe erfasste das lose Material im Storchennest und drückte es genau vor die Kamera.

Mit „Storchen-TV“, dem Internet-Livestream des Heimatvereins Mogelin, lässt sich das Nest auf dem alten Schornstein der Varia Color rund um die Uhr beobachten. Die nahende Katastrophe für die fünf Jungstörche blieb dort nicht lange unbemerkt.

Internetnutzer schlagen Alarm

„Bei mir hat’s nur geklingelt – Anrufe über Anrufe: Die Störche, die Störche!“, erzählt Mügelns Storchenbeauftragter Bernhard Sommer. Auch bei Schornsteinfegermeister Hans-Jürgen Höhne und dem Heimatvereinsvorsitzenden Andreas Lobe schellten die Telefone.

Sogar aus Leipzig bekamen sie Anrufe. „Bitte informieren Sie die Rettungsstelle! Das Nest kann jederzeit umkippen. Eine Stunde ist es nun schon so“, schrieb ein aufgebrachter „Storchen-TV“-Zuschauer per Kurznachricht.

Gute Resonanz für’s „Storchen-TV“, aber auch absurde Ängste

„Ich habe eine halbe Stunde vorher noch geguckt. Da saßen sie alle am Rand“, sagt Lobe, der von der Anrufwelle überrascht wurde. „Was denn? Die sitzen doch alle ruhig da!“ Dass ihn und die anderen Vereinsmitglieder mitunter auch absurde Anfragen erreichen, ist nicht ungewöhnlich. Lobe hatte schon Anrufe, weil die Störche regungslos daliegen würden oder die Altvögel, die sich gern auf den Kameramast setzen, schon Tage nicht zu sehen seien. „Füttert sie, füttert sie!“

„Das sind Wildtiere“, muss er dann mahnen. Andere bedauerten, dass die Tiere ungeschützt in der Sonne sitzen müssten oder behaupteten felsenfest, dass ein Storch seit zwei Tagen nur auf einem Bein stehe. Trotz solcher skurrilen Zwischenrufe freut sich der Verein jedoch über die ungebrochene Resonanz.

Drehleiter der Oschatzer Feuerwehr im Einsatz

Die kann wie am Mittwoch Störchenleben retten. „Es sah gefährlicher aus, als es war. Das lose Material war wie ein Wall. Die Störche saßen dahinter“, beschrieb Hans-Jürgen Höhne nach der Rettungsmission den anderen Heimatvereinsmitgliedern am Abend die Situation. „Aber bei der nächsten Böe hätte es passieren können, dass es sie mitsamt dem losen Material abräumt.“

Daher rief er den Stadtwehrleiter Ingo Fischer an, der meldete kurz danach: „In zehn Minuten sind sie da.“ Sie, waren in diesem Fall die Kameraden von der Oschatzer Feuerwehr mitsamt ihrer Drehleiter. „Die Feuerwehr kam grad so bis hoch“, beschrieb Sommer, der höhenuntauglich unten bleiben musste, während Höhne im Leiterkorb mit rauffuhr.

Sonnabend wird beringt

Mit einer Mistgabel entfernte er lose Teile und rückte das Nest zurecht. „Dass das Nest verlagert werden muss, hatten wir zum ersten Mal“, sagte er wieder auf dem Boden zurück. Geplant war, die fünf Störche am Sonnabend um 9 Uhr zu beringen. „Hätten wir das geahnt, hätten wir das auf heute verlegt.“

Die Mügelner und ihre Störche sind ohnehin krisenerprobt: „Wir haben in Mügeln schon alle Katastrophen gehabt“, erzählt Bernhard Sommer. Tiere wurden aus der Esse nebenan gerettet, die freigestemmt werden musste, andere konnten nur noch tot geborgen werden. Am Mittwoch hielt sich ein Altvogel genau dort in Beobachtungsdistanz – gut geschützt, weil die Esse mittlerweile vergittert ist.

Sichtlich ungerührt: Die fünf noch namenlosen Jungstörche am Tag nach der Beinahe-Katastrophe. Morgen bekommen sie ihre Ringe. Quelle: Screenshot: „Storchen-TV“

Storchenschicksale lassen Nordsachsen nicht ungerührt

Mügeln ist nicht einzige Ort in Nordsachsen, in dem das Leben der Störche die Gemüter der Menschen bewegt: So sorgte es kürzlich im benachbarten Malkwitz für Bestürzung, dass alle vier Jungstörche starben, nachdem das Elternpaar verschwunden war.

Auch im Eilenburger Tierpark konnten die Störche ihren Nachwuchs in diesem Jahr nicht durchbringen: Krähen raubten die Küken aus dem Nest.

Von Manuel Niemann

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