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Oschatz Neue Pläne für ehemaligen Oschatzer Volkskindergarten
Region Oschatz Neue Pläne für ehemaligen Oschatzer Volkskindergarten
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06:00 10.01.2018
Das Anfang des 19. Jahrhunderts als „Volkskindergarten“ genutzte Gebäude in der Oschatzer Innenstadt wird derzeit von seinem neuen Eigentümer saniert. Es sollen hier Wohnungen entstehen. Eine Archivaufnahme (kleines Foto links) zeigt die Ostseite der Immobilie Mitte des vergangenen Jahrhunderts.
Das Anfang des 19. Jahrhunderts als „Volkskindergarten“ genutzte Gebäude in der Oschatzer Innenstadt wird derzeit von seinem neuen Eigentümer saniert. Es sollen hier Wohnungen entstehen. Eine Archivaufnahme (kleines Foto links) zeigt die Ostseite der Immobilie Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Quelle: Foto: Christian Neffe/Archiv
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Oschatz

Eine bewegte Geschichte liegt hinter dem Gebäude, das sich heute an der Adresse Promenade 16 begutachten lässt. An der südwestlichen Ecke der Kreuzung Theodor-Körner-Straße/Bundesstraße 6, nur wenige Meter von den Schienen des Wilden Roberts entfernt, liegt der sogenannte „Volkskindergarten“, aktuell rundherum eingerüstet und umringt von Baumaterialien.

Bauherr kommt aus Berlin

Wer hier baut, das ist ein Mann aus Berlin, ein gewisser Herr Akjifi, gleichsam Bauherr und neuer Eigentümer der Immobilie, der sich mit genaueren Angaben zu seiner Person und zu seinem Vorhaben noch zurückhalten möchte. Es sollen hier Wohnungen entstehen, so viel teilt er bereits mit, womit das Haus den letzten Zweck, für den es bereitstand, beibehalten wird.

Gräbt man tiefer in der Geschichte des Gebäudes, so gelangt man bis ins Jahr 1888 zurück. In jenem Jahr wurde die Immobilie errichtet und diente fortan als Einrichtung für Kinder – der erste Oschatzer Volkskindergarten. Im Adress- und Geschäftshandbuch von 1895 wird der Kindergarten noch als „Kinderbewahranstalt“ bezeichnet, an die Stadt übergeben vom Rittergutbesitzer und Stadtrat Robert Radegast. Doch trotz des Namens, der eher an dunkle Keller als an fröhliches Kinderlachen erinnert, war der Volkskindergarten ein Hort der Freude.

Volkskindergarten war ein Hort der Freude

Daran erinnerte sich 1990 der damals 85-jährige Oschatzer Arno Marx, der als Dreijähriger die von ihm als „Spielschule“ bezeichneten Einrichtung besuchte und viele Jahre später im ersten Stock des Gebäudes wohnte. Rund 30 Kinder tummelten sich Anfang des 19. Jahrhunderts tagtäglich im Garten hinter dem Haus, erzählte er damals der OAZ. Bis mindestens 1931 blieb die Einrichtung bestehen, wurde danach geschlossen und sollte einer Großtankstelle weichen. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde dieses Vorhaben verworfen.

Entsteht hier eine Gaststätte?

Akjifi unternimmt nun den nächsten Schritt, um das Gebäude zu bewahren. Die Sanierung ist in vollem Gange, doch wann sie abgeschlossen ist, ist noch nicht abzusehen. Ebenso wenig wie das, was hier abseits von Wohnungen entstehen wird. Dass eine gastronomische Einrichtung darin Platz findet, dazu will sich der Berliner noch nicht äußern. Zurück zu seinen Wurzeln – einer Kindertagesstätte – wird der Volkskindergarten wohl jedoch nicht finden.

Von Christian Neffe