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Oschatz Notsituation in Notaufnahme der Oschatzer Collm-Klinik
Region Oschatz Notsituation in Notaufnahme der Oschatzer Collm-Klinik
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06:00 28.10.2017
Sabine             Trudel
Sabine Trudel Quelle: Foto: Privat
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Oschatz

Samstagabend. Notaufnahme der Collm-Klinik. Sechs bis acht Menschen warten auf eine Behandlung. Einige sind gerade erst gekommen. Andere sitzen seit mehreren Stunden und begrüßen die Neuankömmlinge: „Es wird noch eine Weile dauern“, sagt ein wartender Mann, der am Bein blutet. Die Stimmung ist dennoch gut. Keine pöbelnden Patienten, kein Murren. Ein Vater, der mit seiner Tochter gegen 18 Uhr in der Notaufnahme ankam und sie nach viereinhalb Stunden wieder verlässt, erzählt, dass er mit der Behandlung zufrieden sei. „Es ist alles gut.“ Das Personal und die Ärzte haben seine Tochter wunderbar versorgt, sagt er. Er fragt sich nur, warum es so lange gedauert hat. Eine Frage, die sich viele Patienten in sächsischen Notaufnahmen stellen.

Wartezeiten werden extern kontrolliert

Eine Antwort hat Sabine Trudel. Die Geschäftsführerin der Collm-Klinik sagt, Wartezeiten entstehen, weil immer zuerst die Patienten versorgt werden, die in Lebensgefahr schweben oder nach Unfällen vom Rettungsdienst gebracht werden. Dies nehme immer einen längeren Zeitraum in Anspruch, der nicht vorhergesagt werden könne.

In der Collm-Klinik warteten Patienten in der Regel nicht länger als 30 Minuten auf einen ersten pflegerischen oder ärztlichen Kontakt. „Dazu gibt es statistische Auswertungen, die von externen Unternehmen regelmäßig durchgeführt werden. Ich weiß aber auch, dass es aus besonderen Versorgungsumständen kürzlich zu längeren Zeiten gekommen ist. Was wir sehr bedauern. Ziel ist es immer, solche Situationen zu vermeiden“, so die Klinik-Geschäftsführerin.

Geschäftsführerin der Collm-Klinik, Sabine Trudel. Quelle: privat

„Solche Situationen“ seien beispielsweise, wenn Laborwerte abgewartet werden oder Röntgenaufnahmen erfolgen und im Anschluss ausgewertet werden müssen. „Es kann auch notwendig werden, dass Ärzte aus den verschiedenen Fachbereichen hinzugezogen werden müssen.“ Das nehme Zeit in Anspruch. Genauso sei es, wenn viele Patienten gleichzeitig in die Notaufnahme kommen, sagt Trudel. Auch gelegentliche, ganz besondere Notsituationen, in denen neben dem Bereitschaftsdienst für Notoperationen auch noch ein Arzt aus der Notambulanz abgerufen werden muss, spielen eine Rolle.

Notaufnahme versus Bereitschaftsdienst

Dass die verstopften Notaufnahmen damit zusammenhängen, dass zu viele Menschen ihren Hausarzt umgehen und direkt in die Krankenhäuser kommen, kann Trudel nicht bestätigen – aber auch nicht verneinen. „Die Gründe, warum Patienten direkt das Krankenhaus aufsuchen, erklären sie uns selbst und sind vielschichtig, sagt die Klinikchefin: Der Hausarzt hat zurzeit geschlossen, die Vertretung und den Bereitschaftsdienst der kassenärztlichen Vereinigung will man nicht in Anspruch nehmen, oder beim Allgemeinmediziner oder anderen Facharzt erhält man kurzfristig keinen Termin – muss möglicherweise auch länger warten.“

Pro Tag kommen so etwa 50 Patienten in die Notaufnahme der Oschatzer Klinik. „Bis zu 20 Patienten davon sind so krank, dass sie stationär aufgenommen werden“, sagt Trudel. Diese Zahlen seien aber abhängig vom Verkehrsgeschehen, von klimatischen Situationen, Freizeitereignissen oder Sonn- und Feiertagssituationen, so die Geschäftsführerin.

Die kassenärztliche Vereinigung (KV) versucht seit 2012, dem verstärkten Aufsuchen der Notfallannahmen entgegenzuwirken: Unter der Nummer 116117 können sich Patienten außerhalb der Sprechzeiten deutschlandweit kostenlos informieren, welcher Arzt in ihrer Nähe Dienst hat. Ingo Mohn, Pressesprecher der KV in Sachsen, erklärt, „der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117) ist zuständig, wenn es sich um eine Erkrankung handelt, mit der Sie normalerweise einen niedergelassenen Arzt in der Praxis aufsuchen würden, aber die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann“ – beispielsweise bei Grippe, Fieber oder Erbrechen. Bei lebensbedrohlichen Notfällen wie einem Herzinfarkt (Engegefühl und Schmerzen in der Brust) oder Schlaganfall (Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen, Lähmungen), akuten Blutungen oder Vergiftungen sollte auf jeden Fall der Rettungsdienst unter der Nummer 112 alarmiert werden, sagt Mohn.

Die Notaufnahme der Oschatzer Klinik ist rund um die Uhr besetzt und unter 03435/941319 telefonisch erreichbar.

Von Mathias Schönknecht