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Oschatz OCC-Faschingszug rollt zwischen Oschatz und Mügeln
Region Oschatz OCC-Faschingszug rollt zwischen Oschatz und Mügeln
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06:00 02.02.2019
Ein Zug voller Narren fährt seit fünf Jahren zwischen Oschatz und Mügeln – nur einmal im Jahr. Quelle: Fotos: S. Bahnemann
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Oschatz/Mügeln

Seit fünf Jahren wird beim Oschatzer Karnevalsverein im Wort „Umzug“ der „Zug“ groß geschrieben. Denn die Narren haben vielleicht nicht den größten, aber sicher den längsten Faschingsumzug Deutschlands zu bieten. Er führt zwischen den Städten Oschatz und Mügeln hin und her und findet auf der Schiene statt – und das dürfte dem Oschatzer Carneval Club (OCC) bisher niemand nachgemacht haben! Bahn frei für den Karneval heißt es auch in diesem Jahr wieder, dieses Mal sogar mit einem kleinen Jubiläum.

Inspiration durch Russischen Sonntag

Die Döllnitzbahn mit ihrer Dampflokomotive „Wilder Robert“ war vor fünf Jahren die ausschlaggebende Inspiration für Juliane Franke. „Die Döllnitzbahn GmbH und der dazugehörende Förderverein boten schon seit geraumer Zeit neben den herkömmlichen Pendelfahrten zwischen Oschatz und Mügeln thematische Sonderfahrtage an, die am Wochenende oder Feiertagen zahlreiche Besucher anlocken. Eine davon, der Russische Sonntag, zeichnete sich dadurch aus, dass die Fahrgäste kostümiert waren – wie beim Fasching auch – nur nicht ganz so bunt. Mein Vater fuhr selbst nicht mit, sah aber die Verkleideten und berichtete mir begeistert davon.“

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Von der Straße auf die Schiene

Weiterhin hatten die Faschingsfreunde zu dieser Zeit mit dem Problem zu kämpfen, dass ihr regulär stattfindender Umzug durch die Stadt immer weniger Akteure und weniger Publikum anzog. Deshalb entstand die Idee, den Oschatzer Faschingsumzug von der Straße auf die Schiene zu verlegen. Die Entscheidung war der Beginn einer in dieser Art wohl einmaligen Erfolgsgeschichte. Man spielte sogar schon mit dem Gedanken, sich die Idee patentieren zu lassen, ehe anderen auf diesen Zug aufspringen.

Närrischer Nerv getroffen

Der OCC traf mit dem „FaschingsumZUG“ den närrischen Nerv der Region rund um Oschatz. Das Interesse, ein Ticket zu erwerben, stieg bei der Bevölkerung in der noch sehr jungen Geschichte des Events stetig an. „Inzwischen können wir uns vor Anfragen kaum retten und könnten drei Mal so eine Fahrt anbieten“, sagt Juliane Franke. Doch bei allem Zulauf und aller Begeisterung soll der Narrenzug mit der Döllnitzbahn etwas Besonderes und Einmaliges bleiben, sagt sie. Jene, die keine Fahrkarte ergattern konnten, müssen an diesem Tag nicht Trübsal blasen. Auf der Fahrt zwischen dem Oschatzer Hauptbahnhof und Mügelner Bahnhof gibt es unterwegs am Südbahnhof Oschatz und in Naundorf Programmeinlagen befreundeter Vereine. Das lockt zahlreiche Schaulustige an, die natürlich in der Regel kostümiert erscheinen. „Darüber hinaus hat es sich zu einem Brauch entwickelt, dass einige Fans den Zug auch, im Auto fahrend, auf der Straße begleiten. Am Zielpunkt, dem Mügelner Bahnhof, ist dann noch einmal Programm geplant, außerdem gibt es, wie auch unterwegs, ein gastronomisches Angebot. Zum fünfjährigen Bestehen in diesem Jahr wird in Mügeln ein Festzelt stehen, es kann noch gemeinsam gefeiert und später wieder zurück gefahren werden“, so Franke.

In diesem Jahr nur Diesellok

Laut, fröhlich und beschwingt, aber alles andere als rasend schnell, ist der Oschatzer Karnevalszug. Das zeichnet ihn aus. Einziger Wermutstropfen in diesem Jahr wird sein, dass keine Dampflokomotive als „Zugpferd“ zur Verfügung steht. Die Bahn kann auf diese aus technischen Gründen bei der Jubiläumsfahrt nicht zurückgreifen. Statt dessen werden die Narren von zwei aus Österreich stammenden Diesellokomotiven gezogen. Die Fahrt lohnt sich nicht nur aufgrund der Stimmung, Musik und des bunten Treibens. Hin und wieder schaffen die Witterungsbedingungen auch eine ganz besondere Atmosphäre. So dampfte der OCC 2018 durch eine idyllische Winterlandschaft, in der man sogar Rehe beobachten konnte – interessant für diejenigen, die während der Fahrt Entspannung suchten.

Individuelle Note für Fasching

Mit dem Zeremonienmeister Günter Staffe und dessen Frau Kerstin engagierten sich bei den zurückliegenden Zügen Vereinsmitglieder, die dem OCC seit der Gründung im Jahr 1980 angehören. Gemeinsam mit der nachfolgenden, jungen Generation ist es ihnen mit Hilfe der Döllnitzbahn gelungen, dem Fasching in einer nicht gerade als Hochburg dieser Tradition bekannten Gegend eine individuelle Note zu verleihen und auch dem Verein selbst nach einer kurzen Talfahrt neue Energie zu geben. Die anhaltende Besucherresonanz und das überregionale Medieninteresse zeigen, dass in dem angeblich strukturschwachen, ländlichen Raum zwischen den Großstädten doch so einiges geboten wird. Dass eine historische Lokomotive auf schmaler Spur – egal ob nun dampfend oder dieselnd – mitten durch die Stadt fährt, noch dazu mit allerhand bunt gekleideten, fröhlich feiernden Gästen an Bord, das sucht man in Leipzig, Dresden oder anderen Metropolen vergebens.

Vereinsarbeit nimmt Fahrt auf

Die bunte Faschingsfahrt trägt auch dazu bei, dass die Vereinsarbeit insgesamt wieder an Fahrt aufnimmt. Denn nichts ist wohl motivierender für ehrenamtliches Engagement als die Überzeugung, dass sich die Bemühungen rund um die Organisation einer solchen Veranstaltung durch die Zufriedenheit der Mitfahrenden auf die Macher überträgt und bestärkt, weiter zu machen. Denn, auch das ist klar, an Ideen mangelt es dem OCC nicht. Deren Umsetzung wird durch den Erfolg des Faschingszuges befördert. Wer einmal Nordsachsens närrischste Zugfahrt miterlebt hat – egal ob als Passagier oder Schaulustiger am Rand – dem wird klar: Um die Zukunft des Faschings in Oschatz muss einem nicht bange sein!

Faschingszug des Oschatzer Carneval Club: Sonntag, 17. Februar, Start 11 Uhr Oschatz Hauptbahnhof, Ziel Mügelner Bahnhof große Faschingsparty, gegen 15 Uhr Rückfahrt von Mügeln nach Oschatz, zweite Fahrt: 16.10 Uhr ab Oschatz. Die Fahrt ist ausverkauft.

Von Christian Kunze