Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Oschatzer Flugschüler im Sommerlager
Region Oschatz

Oschatzer Flugschüler gehen im Sommerlager in die Luft

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:53 01.08.2021
Sommerlager Fliegerclub Oschatz
Sommerlager Fliegerclub Oschatz
Anzeige
Oschatz

Laut klickend rasten die Verschlüsse ein. Anschließend zieht Justus noch einmal kräftig an den Gurten und überzeugt sich, dass der Fallschirm gut sitzt. Im Cockpit des Segelflugzeuges kontrolliert er alle Einstellungen und Instrumente, bevor es zum Start geht. Täglich ist der 14-Jährige jetzt in Oschatz in den Segler gestiegen. So viel wie in den Ferien kann Justus sonst nicht am Stück lernen und trainieren. Möglich macht dies das jährliche Sommerfluglager der Fliegerclubs Oschatz, das am Sonntag zu Ende ging.

Der Fallschirm sitzt und Justus ist startklar. Der fliegt unter Aufsicht von Lehrer Erik Simon (sitzend). Quelle: Jana Brechlin

Mittlerweile kommt Justus auf über 60 Flüge, dabei ist der Schüler immer in Begleitung erfahrener Fluglehrer wie Erik Simon unterwegs. Bis er selbst seine Segelfluglizenz hat und allein starten darf, dauert es noch.

Intensives Training mit Profis

„Ungefähr zwei bis zweieinhalb Jahre braucht man für die Ausbildung“, sagt Denis Robel, der das Sommerlager am Oschatzer Flugplatz mit organisiert hat. 25 Mädchen und Jungen haben sich dazu angemeldet. Sie können hier eine Woche lang unter Anleitung von erfahrenen Profis im Doppelsitzer zu Übungsflügen starten und sind auch zu Diensten am Boden eingeteilt.

Große Fortschritte in einer Woche

„Wenn man jeden Tag hier ist und kontinuierlich fliegen kann, machen die Schüler auch relativ große Fortschritte. Der Lerneffekt ist in dieser Woche deutlich“, schätzt Denis Robel ein.

Denis Robel am Funkgerät des Startplatzes. Quelle: Jana Brechlin

Schließlich hat auch die Flugausbildung ihren Lehrplan, der bestimmte Übungen vorschreibt, die dann abgeschlossen werden müssen. Dazu gehören etwa Geradeaus- oder Bogenfliegen, Starts und Landungen ebenso wie das Trudeln – eine wichtige Übung, um in kritischen Situationen richtig zu reagieren.

Schon Kinder können Unterricht nehmen

Schon mit 12 oder 13 Jahren könnten Kinder und Jugendliche mit dem Flugunterricht beginnen. „Sie müssen nur groß genug sein, um die Pedale und alle Instrumente zu erreichen“, sagt Robel. Der Jüngste im Sommerlager dieses Jahr ist Gustaf. Der 12-Jährige aus der Nähe von Potsdam ist das erste Mal in Oschatz dabei und ganz neu im Segelclub. „Meine Mutter ist Zahnärztin und sie hat einen Patienten, der Fluglehrer ist – so bin ich drauf gekommen“, erzählt er. Mittlerweile ist er schon mehrfach abgehoben, Angst kennt Gustaf dabei nicht. Die Ferienwoche in Oschatz genießt er. „Es ist lustig hier.“

Louis bereitet das Schleppseil für den nächsten Start vor. Quelle: Jana Brechlin

Dabei gehen die Teilnehmer nicht nur in die Luft, sondern sind auch zum Wandern Richtung Collm unterwegs, essen gemeinsam oder assistieren bei den Starts am Boden. „Segelfliegen ist ein Teamsport“, weiß man hier. Wenn einer fliegen will, braucht er von drei Leuten Unterstützung am Boden. Das schweißt zusammen. Das geht los beim Seilholen, mit dem die leichten Segler in die Luft gezogen werden bis zum Stützen am Start, wenn die Tragflächen waagerecht gehalten werden müssen. Hebt einer ab, gehen alle Augen hinterher. „Dann ist auch mal nicht viel zu tun und wir warten hier auf den nächsten Einsatz“, sagt Louis. Der 16-Jährige steckt mitten in der Ausbildung und nutzt jede Gelegenheit, beim Sommerfluglager in Oschatz in die Luft zu gehen.

Einmotorige Maschine zieht Segler hoch

Weil die kleinen Segler ohne Motorunterstützung unterwegs sind, hilft beim Start ein Pilot in der einmotorigen Maschine des Vereins. Das kleine Flugzeug zieht den Segler in die Luft und ist die nötige Höhe erreicht, wird das Seil per Knopfdruck ausgelöst. Am Boden koordiniert Andy das Fluggeschehen. Unter dem Sonnenschutz und mit dem Funkgerät in der Hand gibt er das Okay zu Start und Landung und Hinweise zu Wetter und Thermik („Der Wind ist unverändert“).

Andy bringt das Messgerät für die Luftströmung am Steuerruder an. Quelle: Jana Brechlin

Die leichten Segler aus Fiberglas erreichen Geschwindigkeiten bis zu 250 Kilometer pro Stunde und können ziemlich weit oben unterwegs sein. „Bei 3000 Metern ist Schluss für uns“, sagt Andy. Immerhin. In dieser luftigen Höhe sorgen dann die Aufwinde dafür, dass die Segelflieger zum Teil beeindruckende Strecken zurücklegen können. Mehrere hundert Kilometer am Stück sind kein Problem und schon einige Vereinsmitglieder können auf eine Alpenüberquerung verweisen.

Segelfliegen soll bezahlbar sein

Abhängig von der Bauweise ist die Gleitzahl der Flugzeuge. Andy verweist auf den neuesten Schatz des Fliegerclubs: „Das hat eine Gleitzahl von 1:42, das heißt, mit einem Kilometer Höhe kann man 42 Kilometer geradeaus fliegen.“ Und das ohne Kerosinverbrauch und Fluglärm. Vorteile, die dazu beitragen, die Flugausbildung bezahlbar zu halten. „Das ist nicht etwa ein teures Hobby“, betont Denis Robel, der in Oschatz auch als Werkstattleiter tätig ist. Für Jugendliche gibt es eine Pauschalrate: Für 40 Euro monatlich ist das Fliegen möglich. Arbeitsstunden müssen allerdings auch geleistet werden, etwa beim Rasenmähen, was aufgrund der schieren Größe des Flugplatzes mit Traktor und Mähbalken erfolgt. Das hat einen weiteren Vorteil: „Wenn unsere Jugendlichen die Fahrerlaubnis machen, können sie alle schon perfekt Autofahren.“

Ein Hubschrauber der Bundeswehr kreuzt den Flugplatz in Oschatz. Quelle: Jana Brechlin

Und dann wird es doch noch laut am Himmel: Die Luftwaffe der Bundeswehr hat eine Überquerung in einem Militärtransporter angekündigt. Schon ist vom Süden das typische Rotorgeräusch zu hören und im nächsten Moment kreuzt der Hubschrauber ziemlich tief den Platz. Am Startpunkt stehen die Oschatzer Flugschüler, manche haben ihr Handy gezückt und filmen, andere winken den Piloten zu – ein Gruß von Flieger zu Flieger.

Von Jana Brechlin

Fit wie die Feuerwehr - Malkwitzer bei MDR-Wettkampf am Start
01.08.2021
Vorfahrt missachtet - Radfahrer fährt in Wermsdorf in BMW
01.08.2021