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Oschatz Oschatzer Türmer erkunden Eilenburg vom Burgberg bis zu den Burgkellern
Region Oschatz Oschatzer Türmer erkunden Eilenburg vom Burgberg bis zu den Burgkellern
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10:02 15.10.2019
Der Vorsitzende des Fördervereins der Nikolaikirche EIlenburg, Matthias Danzmann (4. von links) führt die Oschatzer durch die Ausstellung im Turm der Kirche. Quelle: Fotos: Christian Kunze
Oschatz/Eilenburg

Kaum einer der über 40 Oschatzer Türmer hatte bisher die Stadt Eilenburg kennen gelernt. Das änderte sich am Wochenende. Die Ehrenamtlichen besuchten die Stadt, die Ende des Zweiten Weltkriegs nahezu vollkommen durch Bomben zerstört wurde. Erst 1994 gründete sich ein Förderverein zum Wiederaufbau der Nikolaikirche. Dieser Verein entstand mit Hilfe der Oschatzer Kirchenretter. Der damalige Pfarrer Berthold Zehme wurde angefragt, wie ein solches Vorhaben anzugehen ist – schließlich hatten die Oschatzer zwei Jahre zuvor ihren Förderverein „Rettet St. Aegidien“ aus der Taufe gehoben. Im Jahr 2015 schließlich war eine Delegation der Ehrenamtler aus Eilenburg in Oschatz – bis zum Gegenbesuch vergingen nun noch einmal vier Jahre. Nun fiel er genau in das Jubiläumsjahr des 25-jährigen Bestehens des Eilenburger Vereins.

Glück im Unglück

Fördervereinsvorsitzender Matthias Danzmanns und Vereinsmitglied Ernst Gottlebe nahmen die Oschatzer mit auf eine Reise in die Historie der Kirche und die Bemühungen um den Wiederaufbau. Mit einer Ausstellung in der ersten Etage des Kirchturms locken die Eilenburger inzwischen zahlreiche Besucher an und werben für ihr Vorhaben. Dort erfährt man unter anderem, dass der letzte Eilenburger Türmer, genau wie seine Pendants in Oschatz und Meißen, als Schuhmacher tätig war. Weniger überraschend ist dagegen, dass alle drei, wie die meisten anderen Türmer auch, Feuerwache und Läutedienst für die Kirche leisteten.

Eilenburg hat die nördlichste Skisprungschanze Deutschlands. Quelle: Christian KUnze

Bewohnt war die Eilenburger Türmerwohnung im Gegensatz zur Oschatzer nur bis in das Jahr 1929. Bereits 1913 hatte die Kirche ein neues Geläut bekommen, das den Türmer bereits überflüssig machte, erklärte Ernst Gottlebe. Er berichtete den Oschatzern auch von einem Glück im Unglück, dass die Eilenburger im Jahr 2002 ereilte. Das Hochwasser der Mulde suchte die Stadt und somit auch die Kirche heim. Im April war die Sanierung des Altarraums und Kirchenschiffs abgeschlossen, im August kam das Wasser. Bis zur Hälfte des Altars stiegen die Fluten damals. Glück im Unglück deshalb, weil nach dem Hochwasser deutlich mehr Geld zur weiteren Sanierung der Kirche floß als noch vorher.

Höhepunkt in der Tiefe

Kirchenführer Ernst Gottlebe begleitete die Delegation zu den beiden weiteren Zielen des Tages. Die Oschatzer lernten Eilenburg sprichwörtlich von oben bis unten kennen. Gottlebe brachte ihnen nach der Kirche noch die Sage der Heinzelmännchen näher, ehe es dann auf den Berg ging, wo einst die Burg stand, die der Stadt ihren Namen gibt. Bereits im 30-jährigen Krieg weitestgehend zerstört, kann man dort heute noch einen der drei Türme erklimmen. Von dort aus ergibt sich ein ähnlich guter Blick über die Umgebung wie von der St. Aegidienkirche. Zu sehen ist neben Deutschlands nördlichster Skisprungschanze direkt in Eilenburg in etlicher Entfernung auch der Collm, Wahrzeichen des Oschatzer Landes. Andersherum klappt das nicht. Was jedoch sowohl vom Eilenburger Sorbenturm als auch vom Oschatzer Kirchturm as bei guter Fernsicht erkennbar ist: Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Modell der Burg Eilenburg Quelle: Christian Kunze

Ein Ausflug in die Tiefe war der Höhepunkt der diesjährigen Türmerfahrt. Eine geführte Wanderung durch die Burgkeller, die zum größten Teil verfüllt sind, ließ die Oschatzer Türmer staunen. Bemerkenswert ist vor allem, dass die gut zwei Kilometer lange Tour unter der Erde wiederum nur einen Bruchteil dessen darstellt was begehbar ist. In die Keller flüchteten die Eilenburger kurz vor Kriegsende zu Tausenden. Dass so viele überlebt haben, ist diesen verzweigten unterirdischen Gängen zu verdanken. Als die Menschen nach Ende des Bombenhagels wieder an die Oberfläche kamen, lag ihre Stadt in Schutt und Asche. Von diesen verheerenden Zerstörungen zeugen die Kirchenmauern noch heute – es ist noch viel zu tun für den Förderverein.

Von Christian Kunze

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