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Oschatz Personalnot: Fusionieren Oschatzer Sportvereine?
Region Oschatz Personalnot: Fusionieren Oschatzer Sportvereine?
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16:00 14.02.2019
Bernd Schmidt (r.), Vorsitzender des Sportvereins SV Fortschritt, im Gespräch mit Frank Hörügel, stellvertretender OAZ-Redaktionsleiter. Quelle: Foto: Christian Kunze
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Aufregende Themen gibt es immer – und Menschen, die sich einmischen, kritisieren, etwas ändern wollen. Die OAZ nimmt sich Zeit und hört Ihnen zu. In der Serie „Auf einen Kaffee mit“ stellen wir Sie und Ihre Themen in loser Folge vor. Wir bringen den Kaffee mit – und wollen von Ihnen hören, was Sie bewegt. Heute: Bernd Schmidt aus dem Oschatzer Stadtteil Leuben. Als Vorsitzender der Sportvereinigung (SV) Fortschritt Oschatz sucht er nach Wegen, um das Überleben der Vereine in Oschatz zu sichern.

Schlagartiger Verlust an Mitgliedern

Mit einem Schlag verlor Bernd Schmidt im vergangenen Jahr 25 Vereinsmitglieder. Aus gesundheitlichen Gründen musste Hannalore Kürth (87) – die Übungsleiterin der Senioren-Frauengruppe – ihren Posten aufgeben. „Uns ist es nicht gelungen, aus dieser Gruppe heraus eine Nachfolgerin zu finden, dazu war niemand bereit“, bedauert Bernd Schmidt. Damit war das Aus für die FSV-Frauengruppe besiegelt. Das war kein Einzelfall, sondern liegt im Trend. „Darunter leiden viele Vereine in unserer Region – egal, ob das nun eine Feuerwehr, ein Spielmannszug oder Sportvereine sind“, weiß der Vereinsvorsitzende.

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Pflichtbewusster Funktionär

Als ehrenamtlicher Sportfunktionär investiert er durchschnittlich pro Woche etwa sechs Stunden seiner Freizeit für das Schreiben von Anträgen, das Erstellen von Statistiken oder für Sponsorenanträge. Warum tut sich der Leubener das an? „Vielleicht weil ich aus einer Generation stamme, in der das irgendwie rüber gebracht wurde: Es ist eine Ehre für einen Verein zu arbeiten.“ So ein Pflichtbewusstsein, wie es Bernd Schmidt besitzt, wird in den Vereinen immer seltener.„Wir haben in Oschatz eine sehr sportbegeisterte Bevölkerung. Aber sobald es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, winken die Meisten ab“, hat er beobachtet. Das liege zum einen am steigenden Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder. Aber auch daran, dass viele Berufspendler nach der Arbeit ausgebrannt seien. Bei dieser Gruppe müsse angesetzt werden.

Attraktive Jobs fehlen

„Wir mögen ein attraktiver Wohnstandort sein. Aber für die Menschen, die mitten im Leben stehen, gibt es hier zu wenige attraktive Jobangebote. Da vermisse ich Aktivitäten, um Firmen nach Oschatz zu lenken. Wir brauchen hier zwei, drei Unternehmen, die zusammen vielleicht 200 bis 400 Arbeitsplätze bieten könnten – dann würde das schon anders aussehen“, sagt der 59-Jährige.

Neuer Verein Sport in Oschatz

In dieser Richtung besteht jedoch derzeit kaum Hoffnung. Bernd Schmidt hat deshalb gegrübelt, wie die Vereins-Misere dennoch entschärft werden könnte. „Gemeinsam mit anderen Oschatzer Vereinen könnte ein ganz neuer Verein aus der Taufe gehoben werden – vielleicht unter dem Namen ,Sport in Oschatz e.V.’. Es ist an der Zeit, unsere vorhandenen Kräfte zu bündeln und zu schonen – natürlich nur auf freiwilliger Basis.“ Der FSV-Vorsitzende macht dafür eine ganz einfache Rechnung auf. Die aktuell 16 Sportvereine in Oschatz brauchen 16 Vereinsvorsitzende, mindestens 16 Stellvertreter, 16 Schatzmeister und 32 Kassenprüfer. „Das entspricht 100 Funktionären allein in den Sportvereinen“, betont Schmidt. Bei einer Fusion mehrerer Vereine könnte die Zahl der Funktionäre spürbar reduziert werden.

Kräfte bündeln

Im August des vergangenen Jahres hat er einen ersten Vorstoß in diese Richtung gemacht und seine Idee in kleiner Runde dem Postsportverein Telekom, dem Fechtsportverein und dem Tennisverein vorgestellt. „Ich erzählte von unseren Problemen und fragte dann: Wäre es denn nicht an der Zeit, dass wir unsere Kräfte bündeln und einen neuen Verein bilden? Da wurde ich erst mal mit ganz großen Augen angeguckt: Was will denn der eigentlich? Doch am Ende haben sie gesagt: Eigentlich hast du recht, wir haben alle irgendwie die gleichen Probleme.“

Ein zweites Treffen folgte im November, am 13. März wird das Thema im Thomas-Müntzer-Haus zum dritten Mal auf der Tagesordnung stehen. Bernd Schmidt: „Es muss etwas passieren, bevor ein Verein ganz und gar den Bach runter geht, weil das Personal nicht mehr da ist.“

Von frank hörügel