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Oschatz Pflegeeltern in Nordsachsen dringend nötig
Region Oschatz Pflegeeltern in Nordsachsen dringend nötig
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16:00 26.08.2019
Karsten und Veronika Rosengrün haben John als Pflegekind aufgenommen und ihm so ein neues Zuhause gegeben. Quelle: Jana Brechlin
Nordsachsen/Schweta

Manche brauchen nur kurz eine Unterbringung, andere ein Zuhause auf Dauer: Wenn Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern bleiben können, sucht das Jugendamt Pflegeeltern. Viele von ihnen haben sich nun am Sonnabend im Schwetaer Park bei Mügeln zum Pflegekindertag Nordsachsen getroffen. Ursprünglich vor allem zu Vernetzung und Information der Erwachsenen gedacht, hat sich die Veranstaltung zu einem bunten Familienfest entwickelt, bei dem Fragen geklärt und Tipps ausgetauscht werden, aber auch Kinder Abwechslung bei Spielen und kreativen Angeboten finden.

Bindeglied zwischen Behörde und Familien

Organisiert wurde der Nachmittag vom Verein Pflegeeltern Nordsachsen mit Unterstützung von Landratsamt und weiteren Vereinen. „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen den Familien und dem Amt“, sagt die Vorsitzende Jana Krause. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie selber vier Kinder in Pflege und weiß genau, worauf es ankommt: „Familien, die sich dazu entschließen, brauchen Unterstützung und Akzeptanz.“ Für Ersteres sorge unter anderem der Pflegekinderdienst des Landkreises, der Freiwillige mit Schulungen auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Auch an den Verein könnten sich Ratsuchende jederzeit mit ihren Fragen wenden. „Niemand wird ins kalte Wasser geworfen“, versichert Jana Krause.

Gute Vorbereitung ist wichtig

Derzeit sind 40 Familien im Verein organisiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, weitere Interessenten zu werben. „Der Bedarf an Pflegeeltern ist groß. Es gibt leider immer mehr Kinder, die aus ihren Ursprungsfamilien genommen werden müssen“, bedauert sie. Die Gründe dafür sind verschieden: Mitunter prägen Gewalt oder Drogenmissbrauch die Familien, manchmal sind Eltern schlichtweg überfordert und können sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern oder ein tragisches Unglück macht eine Betreuung notwendig. „Wir brauchen unbedingt noch mehr Menschen, die Pflegeeltern werden wollen“, macht Jana Krause deutlich. Die andere Option wäre jeweils, die Mädchen und Jungen in einem Heim unterzubringen, doch die Vereinschefin ist überzeugt: „Die Geborgenheit einer Familie ist durch nichts zu ersetzen.“ Als ob es die Betroffenen nicht schon schwer genug hätten, würden Pflegekinder leider oft auch stigmatisiert, hat sie beobachtet. „Deshalb ist die Lobbyarbeit für uns ganz wichtig“, so Jana Krause.

Neues Zuhause für John

Gute Erfahrungen haben Karsten und Veronika Rosengrün gemacht. Nachdem ihr Sohn aus dem Haus war, entschloss sich das Paar 2007, ein Pflegekind aufzunehmen – und ging damit im Gespräch bei Verwandten und Freunden offensiv um. „Meine Familie steht voll dahinter – das ist enorm wichtig“, findet Veronika Rosengrün. Auch auf Arbeit habe es keine negativen Reaktionen gegeben. „Meine Arbeitskollegen fanden das cool“, blickt Karsten Rosengrün zurück. Ursprünglich hatten sich beide vorgestellt, einem Mädchen ein neues Zuhause zu geben, doch dann brauchte der damals vierjährige John plötzlich Pflegeeltern. „Dann ’nein’ zu sagen, hätten wir nicht übers Herz gebracht. Natürlich haben wir den Jungen aufgenommen und sind sehr, sehr glücklich mit dieser Entscheidung“, beschreibt der Pflegevater. Das Haus sei leer gewesen, zudem habe eine Freundin seiner Frau bereits Pflegekinder gehabt, erzählt er: „Wir waren uns schnell einig, dass wir einem Kind die Chance geben wollen, geliebt und geborgen aufzuwachsen.“

Erfolg in der Schule

Während die Pflegeeltern erzählen, steht John daneben und strahlt. „Mir geht es wirklich gut“, bestätigt der fast 16-Jährige, der mittlerweile die 10. Klasse des Eilenburger Rinckart-Gymnasiums besucht und vor allem die Naturwissenschaft liebt. „Sein Notendurchschnitt liegt bei 1,8“, unterstreicht Karsten Rosengrün mit spürbarem Vaterstolz. Außer für Mathe, Physik oder Chemie interessiert sich John für Kunst und gibt seine Begeisterung auch gerne weiter: Zum Aktionstag in Schweta betreute er mit seiner Pflegemutter Veronika Rosengrün den Malstand.

Von Jana Brechlin

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