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Oschatz Pulverdampf in Pommlitz-City
Region Oschatz Pulverdampf in Pommlitz-City
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15:00 12.07.2019
Jackson-Bande Pommlitz-City W. B. Jackson (Carsten Uhlemann) Sally Melone (Elena Kühn) 22. Indianer und Westerntreffen 2019 Quelle: Kristin Engel
Pommlitz

Wir sind nicht mehr in Pommlitz, einem kleinen Ort bei Mügeln. Wir sind nicht mehr in Nordsachsen und auch nicht mehr in Deutschland. Die Luft ist geschwängert vom Geruch einer abgefeuerten Revolverkugel. Kakteen erwachen aus dem sandigen Boden. Das Geräusch einer Schwingtür und das Knarren der Dielen, auf denen Lederstiefel treten. Das klirren von Whiskeygläsern, Gitarrenklänge. Ja, wir sind im Wilden Westen gelandet.

W. B. Jackson (Carsten Uhlemann) und Sally Melone (Elena Kühn) heben die Gläser. Westerntreffen 2019 Quelle: Kristin Engel

Hier treffen wir die Jackson-Bande an. Sally Melone – Westernstiefel, Revolver im Holster, Weste. W. B. Jackson – Lederhosen, das Messer um den Hals, Perlen- und Federschmuck und ab und an auch mal eine Sprengladung in der Brusttasche, für eine spektakuläre Show. Im perfekten Western-Look stehen Elena Kühn und Carsten Uhlemann auf dem Grundstück. Ihre Leidenschaft für den Wilden Westen ist ihnen anzusehen. Das ganze Areal erinnert an eine Westernstadt. Für Besucher eine echte Reise in eine andere Zeit, in der Trapper, Händler, Soldaten, Siedler und Indianer durch die Lande zogen. In genau diese Zeit wollen die beiden auch ihre Besucher ziehen, die vom 31. Juli bis zum 4. August nach Pommlitz-City reisen.

Auf gehts nach Pommlitz-City

Die Weißzelte werden aufgestellt, die Tage im Wilden Westen sollen wieder aufleben. „Doch dieses Mal alles etwas kleiner“, sagt der Sheriff. Immerhin ist es das 22. Indianer- und Westerntreffen, das er organisiert. In diesem Jahr jedoch zum ersten Mal im kleinen Örtchen Pommlitz im Süden des Landkreises Nordsachsen. „Es ist ein reines Hobbyistentreffen mit Gleichgesinnten und Freunden“, sagt Carsten Uhlemann. Schon als Kind war „Klein-Jackson“ vom Wilden Westen fasziniert. Besonders von den Indianern, von denen er eine Vielzahl an Figuren besaß. Auch heute befinden sich viele von diesen noch in seiner Sammlung. In einem kleinen Schaufenster in Pommlitz hat er mit den Figuren eine ganze Westernszene nachgestellt. In seiner Kindheit waren Indianerfilme das Größte. „Die Söhne der großen Bärin“ und viele weitere blieben ihm lange in schöner Erinnerung.

Die Figuren sind jetzt in Pommlitz zu sehen. Quelle: Kristin Engel

Alles was mit Western zu tun hat, faszinierte ihn bereits damals. Das hat sich bis heute nicht geändert. 1991 eröffnete er in Dobra eine Westernkneipe. Zudem war er mit seinem „mobilen Saloon“ regelmäßig auf passenden Veranstaltungen. Immer wieder lernte er Leute kennen, die die selben Interessen hatten wie er. So entstand auch die Idee für das erste Westerntreffen im Jahr 1998. Zu Beginn war es ein Biker- und Westerntreffen – mit einem Westernlager auf der einen und die Biker auf der anderen Seite. „Wir haben viele sehr amüsante Spiele gemacht. Tauziehen der Biker und Westernleute, Mopedmotorweitwurf. Es kam wirklich sehr gut an.“ Dennoch fokussierte sich Jackson später auf das Westerntreffen.

Von Dobra nach Pommlitz-City

Was in Dobra begann, wurde später am „Red Rock“ in Rotstein fortgesetzt. Vom 10. bis zum 21. Treffen wurden diese an diesem Ort begangen. Mit bis zu 86 Zelten. Und jetzt? „Jetzt sollten es nicht mehr als 30 Zelte sein. Für mehr würde der Platz nicht reichen. Es werden einige Leute da sein, die wir bei solchen Veranstaltungen kennengelernt haben. Aber auch Freunde und Familie“, sagt Sally. Ein richtiges Lagerleben mit Weißzelten und entsprechendem Outfit. „Es soll eben eine richtige Zeitreise sein. Keine Autos, keine Plasteflaschen, Selbstversorgung auf der Feuerschale oder im Ofen und mehr. Eben das ganz normale Lagerleben.“

Ein kleiner Saloon wurde für die Besucher vorbereitet. Quelle: Kristin Engel

Auch Papa Joe aus Finsterwalde wird an einem Abend mit der Gitarre für die richtige Westernstimmung sorgen. Es gibt einen Trip ins Buchenwäldchen – in die „Wolfsschlucht“. Und noch einige andere Sachen haben sich die beiden Westernfans für ihre Besucher einfallen lassen. Doch viel mehr geht es einfach darum, sich in die Zeit zurückversetzen zu lassen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. So ist auch schon die Westernweihnacht für den Samstag vor dem ersten Advent geplant.

Leidenschaft für den Wilden Westen

Gemeinsam gehen Sally und Jackson auch auf andere Westernveranstaltungen. So haben sie sich vor fünf Jahren kennengelernt. „Ich kam zum Western, als ich mir meine Araberstute Ganika mit zweieinhalb Jahren kaufte. Heute ist sie 28. Ich habe sie selbst trainiert und stand dann vor der Entscheidung: Englisch- oder Westernreiten? Ich habe mich für das Zweite entschieden und heute bin ich hier.“ Auch mit ihrem Mann, „Trapper Lee“, konnte sie diese Leidenschaft ausleben. Als dieser 2013 verstarb, zog sie sich zurück. Wollte alles hinter sich lassen. Ein Freund, der sie bat, ihn zu einem Westerntreffen zu begleiten, konnte sie davon überzeugen, wieder mit dabei zu sein. So ging es nach Rotstein.

W. B. Jackson und Sally haben sich bei einem Westerntreffen kennengelernt. Quelle: Kristin Engel

Auf dem Rücken der Pferde ritten sie über das Gelände. Aufgrund einiger unachtsamer Besucher riss sie ihr Pferd rum, fiel runter, stieß sich den Kopf und verlor das Bewusstsein. Was schlimm klingt, wurde später zu ihrer Liebesgeschichte. Denn der Veranstalter des Westerntreffens, W. B. Jackson, kümmerte sich liebevoll um sie, erkundigte sich auch später immer wieder nach ihrem Befinden und so kam es zu ersten gemeinsamen Treffen. Jackson stellte somit nicht nur ihr Leben auf den Kopf, sondern auch ihr ganzes Grundstück in Pommlitz. Sally hatte bereits damit begonnen, einen Raum ihres Hauses zu einem Saloon umzubauen. Jackson packte tatkräftig mit an, verwandelte den Raum in ein echtes Westerndomizil und zauberte auch ein Vordach, um alles noch authentischer zu gestalten.

Schon vor dem Saloon wird man in den Wilden Westen gezogen. Quelle: Kristin Engel

Viele Dekorationen und Details, die hier überall zu entdecken sind, brachte er mit. Einige bekamen beide auch als Geschenk, fanden sie auf Trödelmärkten oder stellten sie selber her. Ein Galgen hängt über dem runden Tisch, die Whiskey-Flaschen im Regal, die Traumfänger und Äxte an der Wand. Um alles wirklich bewusst zu erkennen, müsste man Stunden hier verbringen. Und das kann man auch. Der Saloon lädt zum Verweilen ein. Doch damit nicht genug. Die Trapperhütte, in der der Sheriff die Neuankömmlinge begrüßt, das Badehaus, das nicht nur zum Waschen, sondern auch als kleines Museum dient, wurden mit den eigenen Händen aufgebaut. Zähne ziehen, mit dem Messer rasieren – wie das in der damaligen Zeit funktioniert hat, lässt sich beim „Barber“ deutlich erkennen. Verziert mit historischen Parfümflaschen, einem Glasauge, einem blutigen Zahn und jeder Menge Zubehör.

Sally zieht Jackson einen Zahn. Quelle: Kristin Engel

Der neuste Bau ist der kleine Saloon auf der großen Wiese. Eine große Flagge und ein Windrad im Hintergrund machen das Bild komplett. Nun sind nur noch kleine Vorbereitungen zu treffen, um in wenigen Tagen die Gleichgesinnten, die mittlerweile zu Freunden geworden sind, zu begrüßen. Und der Sheriff von Pommlitz-City warnt: Auch in diesem Jahr ist wieder mit viel Pulverdampf der Jackson-Bande zu rechnen.

Von Kristin Engel

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