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Oschatz Region Oschatz: Schwierige Suche nach neuen Kita-Erzieherinnen
Region Oschatz Region Oschatz: Schwierige Suche nach neuen Kita-Erzieherinnen
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16:00 15.03.2019
Gummistiefel hängen in einer Kindertageseinrichtung an einer Wand. Die Erzieherinnen sorgen dafür, dass die Kleinen auch bei Regenwetter beaufsichtigt im Freien toben können. Doch die Kommunen in der Region Oschatz haben Probleme, ausreichend Personal zu finden. Quelle: Foto: dpa
Region Oschatz

Mehr Kinder, weniger Personal für die Betreuung in Kindertagesstätten (Kita) oder Horten: Vor diesem Dilemma stehen vor allem Großstädte, aber auch die Region Oschatz ist betroffen.

Für über 100 Familien in Berlin kam die Nachricht wie ein Schock. Sie bekamen kürzlich die Kündigung der Kita ihrer Kinder. Aus einem einfachen Grund: Der freie Träger der Einrichtung konnte die Betreuung personell nicht mehr absichern.

In Oschatz vier Stellen ausgeschrieben

So weit ist es in Oschatz noch lange nicht, aber auch die Döllnitzstadt sucht Personal. Laut Hauptamtsleiter Manfred Schade sind zum 1. Juli drei Erzieher-Stellen zu besetzen. Und für den 1. September wird eine Nachfolgerin für die Leiterin des Hortes Collmblick gesucht. Derzeit liegen im Rathaus neun Bewerbungen für diese Stellen vor. Die Ausschreibungsphase läuft noch. „Wir haben das große Glück, dass wir das private Bildungsinstitut Huhndorf hier vor Ort haben. Deshalb bewerben sich auch Seiteneinsteiger aus dem Umland bei uns“, sagt der Amtsleiter. Generell stellt Oschatz neue Erzieherinnen mit einer Arbeitszeit von 30 Stunden pro Woche ein. Schrittweise kann diese Arbeitszeit bis auf 40 Wochenstunden erhöht werden. Mit diesem Puffer, so Hauptamtsleiter Schade, könne der im Jahresverlauf schwankende Personalbedarf ganz gut ausgeglichen werden. Schwankungen entstehen beispielsweise dadurch, dass schwangere Erzieherinnen praktisch von heute auf morgen ausfallen. Dadurch kommt es schnell zu Engpässen.

Kleiner Geburtenboom in Gemeinde Liebschützberg

Diese Erfahrung macht auch David Schmidt. Dem Bürgermeister der Gemeinde Liebschützberg fehlen derzeit ein halbes Dutzend seiner insgesamt 34 Erzieherinnen, die beispielsweise in Elternzeit sind oder wegen Schwangerschaft nicht arbeiten dürfen. „Wir hatten im vergangenen Jahr mit der Geburt von 34 Kindern im Gemeindegebiet einen richtigen Boom. Das bescherte uns erstmals seit Jahren sogar ein Einwohner-Wachstum.“ Seit Dezember hat die Gemeinde eine dauerhafte Erzieher-Stelle ausgeschrieben. Nur eine Bewerberin habe sich bisher gemeldet, die aber auch Aussicht auf zehn andere Stellen habe. Der kleine Baby-Boom stellt die Gemeinde Liebschützberg noch vor eine andere Herausforderung. Nicht nur das Personal, auch die Kita-Plätze – derzeit werden 234 Kinder betreut – werden knapp. Noch in diesem Jahr soll deshalb eine temporäre Lösung für mehr Krippenplätze und eine Übergangsgruppe geschaffen werden. Die Gemeinde hat sich bewusst gegen eine dauerhafte Lösung mit einem Neubau entschieden. Denn Bürgermeister Schmidt weiß: „Wir haben jetzt die Kinder der Eltern der geburtenstarken Jahrgänge der 80er Jahre.“ Danach habe es wieder einen Geburtenknick gegeben. Der Bedarf an Kinderbetreuung wird also demnächst wieder sinken.

Kaum Bewerbungen in Mügeln

In den vier kommunalen Kindereinrichtungen und den zwei Horten der Stadt Mügeln werden aktuell 433 Kinder von 51 Erzieherinnen betreut. Laut Manja Gützmacher, die in der Stadtverwaltung für Schulen und Kitas zuständig ist, hat die Kommune derzeit eine Erzieher-Stelle ausgeschrieben. „Wir haben bis jetzt so gut wie keine Bewerbungen reinbekommen“, sagt sie. In den vergangenen Jahren habe es zudem zum jetzigen Zeitpunkt bereits immer Initiativbewerbungen von künftigen Erziehrinnen gegeben, die kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung stehen. Doch auf dieser Strecke passiert aktuell auch nichts. Auf jeden Fall bis zum Sommer gebe es deshalb einen Engpass beim Betreuungspersonal. „Die Einrichtungen helfen sich bis dahin untereinander aus“, beschreibt Manja Grützmacher die Reaktion.

Größeres Arbeitspensum für ostdeutsche Erzieherinnen

Im Vergleich zu anderen Bundesländern müssen die Beschäftigten in sächsischen Kindertagesstätten schon heute ein deutlich größeres Arbeitspensum bewältigen. Bei unter Dreijährigen kommt ein Betreuer in Sachsen auf sechs Kinder, bei über Dreijährigen sind es 13 – der deutsche Durchschnitt liegt bei 1:4 beziehungsweise 1:9, heißt es im jüngsten Bildungsbericht des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) zur Situation in Sachsen. Der Personalbedarf in der frühkindlichen Bildung werde in den nächsten Jahren „sehr hoch“ bleiben, prognostiziert Studienleiter Kai Maaz. Das Personalproblem in Oschatz, Mügeln und Liebschützberg wird sich in absehbarer Zukunft nicht in Wohlgefallen auflösen.

Von Frank Hörügel

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