Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Roboter zieht Carbonfäden im Betonwerk Oschatz
Region Oschatz Roboter zieht Carbonfäden im Betonwerk Oschatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 13.03.2019
Betonwerk-Geschäftsführer Matthias Schurig und Martin von Zuben von der TU Dresden (r.) mit dem Roboter zur Garnablage. Matthias Schurig hält ein Carbon-Gelege in den Händen.
Betonwerk-Geschäftsführer Matthias Schurig und Martin von Zuben von der TU Dresden (r.) mit dem Roboter zur Garnablage. Matthias Schurig hält ein Carbon-Gelege in den Händen. Quelle: Foto: Frank Hörügel
Anzeige
Oschatz

Noch hält er seinen orangefarbenen Arm still. Das soll sich bis Ende April ändern. Dann soll der Roboter, der zur Zeit im Betonwerk Oschatz aufgebaut wird, seine Arbeit aufnehmen. „Das ist weltweit die erste Anlage, bei der ein Roboter die Garnablage von Carbonfasern zur Herstellung von Bewehrungen übernimmt. So etwas gibt es noch nirgends“, sagt Martin von Zuben. Der Diplom-Ingenieur ist seit Mitte 2016 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Dresden für dieses Projekt zuständig.

Beton soll durch Carbon ersetzt werden

Im Rahmen des bundesweiten Forschungskonsortiums C³ Carbon-Beton-Verbundwerkstoff wird seit Anfang 2014 an einem praxistauglichen Einsatz für den superleichten und superfesten Werkstoff Carbon in der Baubranche gearbeitet. Das Betonwerk Oschatz arbeitet in diesem Forschungskonsortium mit. Hier geht es darum, so schnell wie möglich den herkömmlichen Stahl im Beton durch Carbon zu ersetzen. Großer Vorteil: Carbonbeton wiegt nur ein Fünftel im Vergleich zu Stahlbeton. Großer Nachteil: Carbon ist derzeit viel teurer als Stahl. Genau an dieser Stelle kommt der Roboter mit dem orangefarbenen Arm zum Einsatz. Er soll die technologisch bedingten Verluste bei der Herstellung von Bewehrungsmatten aus Carbon um ein Drittel senken.

Fenster und Türen werden ausgespart

Der Roboter legt den 1,8 Millimeter starken Carbon-Faden, der aus 48 000 einzelnen Fasern besteht, passgenau auf einem Spannrahmen ab. Der Rahmen ist so groß wie das spätere Betonelement. „Auf dem Spannrahmen sind dann schon die Öffnungen in dem Betonelement – also Fenster und Türen – ausgespart“, sagt von Zuben. Somit gibt es kaum Verschnitt, bis zu 35 Prozent Carbon kann eingespart werden. Nach der Inbetriebnahme des Roboters Ende April soll die Anlage bis Mitte Oktober in Oschatz getestet werden.

Fassadenelemente für Einfamilienhäuser

Als Geschäftsführer des Betonwerkes setzt Matthias Schurig große Hoffnungen in das Projekt. Irgendwann, so hofft er, könnte Carbon den herkömmlichen Stahl ablösen. „Wir wollen zeigen, dass Carbon ressourcenschonend verbaut werden kann“, sagt er mit Blick auf den Roboter. Noch ist der Einsatz von Carbonbeton die Ausnahme. Vor zwei Jahren fertigte das Betonwerk Oschatz die Fassadenelemente für ein neues Einfamilienhaus am Markkleeberger See bei Leipzig. Im vergangenen Jahr wurde die schwarze Fassade eines weiteren Hauses im Leipziger Stadtzentrum mit carbonbewehrten Betonelementen ausgestattet.

Markteinführung von Carbonbeton

Da ist noch viel Luft nach oben. Hier setzt das Forschungsprojekt C³ an. Die Abkürzung steht für Carbon Concrete Composite (Carbon-Beton-Verbund). Das Ziel des aktuell größten Bauforschungsprojektes Deutschlands ist es, bis zum Jahr 2020 die Voraussetzungen für die Markteinführung von Carbonbeton zu schaffen. Schritt für Schritt soll dann die herkömmliche Stahlbewehrung im Beton durch Carbon ersetzt werden.

Auch international verfolgt man die Arbeit des deutschen Forschungskonsortiums C³ Carbon-Beton-Verbundwerkstoff mit Spannung. Ende Januar gewann das Projekt den renommierten Energy Globe World Award (wir berichteten).

Das Betonwerk am Wellerswalder Weg lädt am Sonnabend, 16. März, von 9 bis 15 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Stündliche Rundgänge werden angeboten und die Ausbildungsberufe vorgestellt.

Von frank hörügel