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Oschatz Schatz der Woche im Schloss Hubertusburg
Region Oschatz Schatz der Woche im Schloss Hubertusburg
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19:09 08.05.2019
Die vergoldete Kaffeekanne beeindruckt durch die herausragenden Verzierungen an Gefäß und Henkel (links) Quelle: Fotos: Jana Brechlin
Wermsdorf

Zurzeit wird im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg an die Glanzzeit der herrschaftlichen Anlage erinnert: Bis Oktober ist dort die Sonderschau „Friedrich August und Maria Josepha – das verlorene sächsische Rokoko“ zu sehen. Dazu haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zahlreiche Schätze aus ihren Ausstellungen und Depots geholt. An dieser Stelle zeigen wir jeweils einen „Schatz der Woche“, für den sich bereits der Weg ins Schloss Hubertusburg lohnt.

Im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg ist am Sonntag eine neue Sonderausstellung eröffnet worden. Gezeigt werden seltene Kunstschätze sowie Videoinstallationen, die an die „Hochzeit des Jahrhunderts“ zwischen dem sächsischen Thronfolger und der Kaisertochter erinnern.

Rund 150 Exponate wurden für die Ausstellung in der Beletage zusammengetragen. Darunter findet sich im Raum zwei allerhand Sehenswertes zum Thema „Hofkultur und Repräsentation“, und hier zeigte sich unter der Regentschaft von Friedrich August und seiner Frau Maria Josepha, zu welcher Blüte das Rokoko in Sachsen gelangte: Opulente und ausladende Schmuckstücke und Möbel sowie spielerische Verzierungen, ganz nach dem Geschmack des prunkliebenden sächsischen Hofes.

Funktion allein nicht ausschlaggebend

Inmitten dieser Sammlung findet sich eine Kaffeekanne auf einem Tablett mit sogenanntem Rechaud, einer Vorrichtung zum Warmhalten. Das Objekt zeigt ganz deutlich, dass es längst nicht allein um die Funktion ging. Beidseitige Henkel sind wie das Gefäß selbst künstlerisch verziert, so dass der Betrachter schon einen Augenblick länger vor der Vitrine verweilen muss, um hinter dieser üppigen Verzierung das Banale einer Kaffeekanne zu erkennen.

Dabei handelt es sich um eine Goldschmiedearbeit von 1722, die Johann Jakob Irminger angefertigt hat. Das verwendete Material ist Silber, das anschließend vergoldet wurde.

Kaffee als Modegetränk

Auf der unteren Hälfte hat Irminger die Königstochter Andromeda abgebildet, die von einem Seeungeheuer bedroht wird, dessen Maul gleichzeitig der Ausguss für die Kanne darstellt. Auf den Henkeln wird der Kampf des Perseus gezeigt, der die Königstochter retten will – ganz schön viel Drama auf der Kaffeetafel. Dass es sich bei dem Exponat um eine Kaffeekanne handelt, ist der Tatsache geschuldet, dass das damals noch sehr exklusive Getränk bei denen, die es sich leisten konnten immer beliebter wurde. Zwar wurde an der Tafel der sächsischen Kurfürsten auch Tee und Schokolade gereicht, doch der heiße Schwarze war im Augusteischen Zeitalter ein echtes In-Getränk. Wer Kaffee kredenzte konnte bei so manchem Gast ordentlich Eindruck schinden. Und in Zeiten, in denen Bälle, Festessen und Trinkgelage als fester Bestandteil der Politik am Hofe galten, war das ein wichtiges Argument. Ursprünglich sollte in diesem Stil ein ganzer Tafelaufsatz entstehen, wie Zeichnungen belegen.

Exponate und Videokunst

Dieses und viele weitere Exponate sind noch bis zum 6. Oktober in der Sonderausstellung im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg zu sehen. Nach dem Rundgang durch die Beletage geht die Schau im hinteren Flügel weiter, wo das Schlösserland Sachsen die Hochzeit des Kurprinzen mit der Kaisertochter vor 300 Jahren und das festliche Leben des Herrscherpaares mit Musik und Videoanimationen wieder auferstehen lässt. Außerdem werden auf diese Weise die Räume von Schloss Hubertusburg in ihrer historischen Pracht zu erleben sein – 360-Grad-Rundum-Blick inklusive.

Die Ausstellung ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzlich wird an Pfingstmontag, 10. Juni, von 10 bis 18 Uhr eingeladen. Öffentliche Führungen sind dienstags bis donnerstags um 14 Uhr, sowie freitags bis sonntags 11 und 14 Uhr. Der Eintritt kostet sieben Euro, ermäßigt fünf, Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre frei. www.skd.museum/hubertusburg

Von Jana Brechlin

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