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Oschatz Siebenjähriger Tibor aus Wermsdorf kämpft gegen Leukämie
Region Oschatz

Siebenjähriger Tibor aus Wermsdorf kämpft gegen Leukämie

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08:03 22.04.2021
Tibor kämpft derzeit im Krankenhaus gegen die Leukämie. Die Zeit auf Station vertreibt er sich am liebsten mit den Legosteinen.
Tibor kämpft derzeit im Krankenhaus gegen die Leukämie. Die Zeit auf Station vertreibt er sich am liebsten mit den Legosteinen. Quelle: privat
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Wermsdorf

Tibor ist sieben Jahre alt. Wie andere Kinder in dem Alter auch lernt der kleine Wermsdorfer gerade lesen, schreiben und rechnen. Er mag Fußball, spielt gerne mit seinen Kumpels und liebt Lego. Und Tibor ist krank. Seit Januar kämpft er gegen Leukämie, eine oft aggressive Form von Blutkrebs.

Diagnose krempelt Familienleben komplett um

Die Diagnose hat das Leben der Familie auf den Kopf gestellt, ihr Alltag findet mittlerweile hauptsächlich auf der Kinderonkologie der Leipziger Uniklinik statt. Dass aber auch in Wermsdorf viele Menschen an Tibor denken und ihm die Daumen drücken, beweist eine Aktion des Fußballvereins. Der FSV Blau-Weiß hat ein Spendenkonto eingerichtet, auf das innerhalb weniger Tage über 13 000 Euro eingegangen sind (Stand Mittwochmittag).

Lieber spenden statt feiern

Die Idee dazu hatten die Alten Herren des Vereins. Bei ihnen ist es Tradition, freitags die Geburtstage der Spieler zu feiern. Eine Gewohnheit, die pandemiebedingt derzeit ruhen muss und so kam der Wunsch auf, die Mittel stattdessen für einen guten Zweck zu verwenden. René Naujoks, Vorsitzender des FSV Blau-Weiß Wermsdorf, richtete dann das Augenmerk auf Tibor.

Tibor kickt bei den Jüngsten im Verein

„Es lag nahe, vor Ort zu helfen“, fügte er hinzu.

Tibor ist selbst Fußballer und gehört zu den jüngsten Kickern des FSV. Quelle: privat

Zumal Tibor selbst begeisterter Fußballer ist und im Verein bei den Minis kickt. „Ich hatte gehofft, dass vielleicht 1500 Euro zusammenkommen“, gesteht René Naujoks, „aber was hier passiert, ist einfach nur Wahnsinn.“ Innerhalb kürzester Zeit sei die Spendensumme vierstellig geworden und Anfang der Woche, nur wenige Tage nach dem Start, habe man bereits die 10 000-Euro-Marke geknackt.

Sein Wunsch: Ein Tag im Legoland

Das Geld soll für einen Wunsch von Tibor verwendet werden. Und der fällt bescheiden aus: Der Siebenjährige möchte gerne mit seinem besten Kumpel Chris einen Tag im Erlebnispark Legoland verbringen. Außerdem soll ein Teil des Geldes der Krebsstation, auf der der Siebenjährige behandelt wird, zugute kommen und an die DKMS, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, gehen.

Wichtiger Baustein im Kampf gegen Krebs

Die gemeinnützige Gesellschaft ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Leukämie: Hier werden Stammzellenspender registriert, mit dem Ziel, für Blutkrebspatienten den passenden Spender zu finden. Ob Tibor selbst auch eine Spende braucht, ist momentan noch offen. „Ich habe mich schon vor Jahren als Spender registrieren lassen und wir sind alle bereits getestet, aber aus der Familie kommt leider niemand dafür infrage“, sagt Jenö Kunfalvi (41 Jahre), der Vater des Jungen.

Alles begann mit Schmerzen im Bein

Für die Wermsdorfer Familie hat am Silvestertag ein Albtraum begonnen: Damals habe Tibor das erste Mal über Schmerzen im Bein geklagt. Kurz darauf machten Rückenschmerzen dem Jungen zu schaffen. Schließlich habe er sich kaum mehr bewegen können und noch Fieber bekommen, berichtet Jenö Kunfalvi.

Diagnose war ein Schock

Einige Arztbesuche und Untersuchungen später stand die Diagnose Leukämie fest. „Das war ein Schock“, sagt der Vater. Seitdem gehe es nur noch darum, zu funktionieren. Gemeinsam mit seiner Partnerin Ilka Grundmann (40) wechselt sich der Wermsdorfer im Krankenhaus und bei der Betreuung der zweijährigen Tochter zuhause ab.

Eltern sind immer da

„Einer ist immer bei Tibor in der Klinik. Es wird dort viel getan, aber natürlich sind die Tage anstrengend. Wir versuchen, so gut wie möglich für ihn da zu sein“, beschreibt Jenö Kunfalvi.

Tibor in der Leipziger Uniklinik. Quelle: privat

Nach einer ersten Chemotherapie sei sein Sohn mit einem neuen Medikament behandelt worden, in das man viel Hoffnung gesetzt habe. „Doch während der Therapie ging es Tibor immer schlechter, es traten schwere Nebenwirkungen auf, so dass die Behandlung abgebrochen werden musste.“ Nun setzt man weiter auf die Standardtherapie.

Zunächst Chemo verordnet

Wie bei anderen Krebserkrankungen wird auch bei Leukämie-Patienten oft Chemotherapie verordnet. Verabreicht als Tabletten oder per Infusion sollen die Medikamente das Zellwachstum stoppen sollen. Nach der Behandlung können im blutbildenden System wieder neue, gesunde Zellen entstehen, heißt es von der Knochenmarkspenderdatei. Auch Bestrahlung kann zum Einsatz kommen; und für viele ist die Stammzellenspende eine große Chance auf Heilung.

Fußballer bereit für Typisierung

Auch dabei wollen die Fußballer in Wermsdorf mithelfen. „Wir überlegen gerade, falls es nötig werden sollte, wie man eine Typisierungsaktion für Tibor auf die Beine stellen könnte“, sagt Vereinsvorsitzender René Naujoks. Dass die Bereitschaft zum Helfen riesig sei, zeige bereits die Spendenaktion. „Das ist zu einer Lawine geworden. Viele Menschen vor Ort spenden, aber auch ehemalige Wermsdorfer aus ganz Deutschland und ebenso kommt Unterstützung von Vereinen, gegen die wir gespielt haben“, berichtet er.

Aktion bis Ende April

Man habe sich entschieden, die Aktion noch bis Ende April fortzusetzen. „Für uns ist das eine Herzensangelegenheit.“ Niemand werde sich daran bereichern, alles solle für einen guten Zweck verwendet werden, so Naujoks mit Nachdruck. „Wir werden uns dazu mit Tibors Familie abstimmen.“

„Wir sind tief berührt“

Die Eltern und Angehören des tapferen Patienten sind davon überwältigt. „Was René Naujoks da auf die Beine gestellt hat, ist unglaublich. Wir sind tief berührt zu sehen, wie viele Menschen Anteil nehmen und hinter uns stehen“, sagt Vater Jenö Kunfalvi. Die Spendensumme sei ihm mittlerweile unheimlich. „Mit so einer Resonanz hat niemand gerechnet. Aber viel wichtiger als das Geld ist uns die Zahl der Menschen, die sich hier engagieren, die Aktion verbreiten helfen und uns Trost spenden. Wir sind dafür unglaublich dankbar“, fügt er hinzu.

Von Jana Brechlin