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Oschatz Ab in den Stall: So schützen Alpaka-Züchter ihre Tiere vor Wolfsangriffen
Region Oschatz Ab in den Stall: So schützen Alpaka-Züchter ihre Tiere vor Wolfsangriffen
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18:43 14.08.2019
Hartwig Kraft von Wedel mit seinen Alpakas in Remsa. Quelle: Fotos: Frank Hörügel
Region Oschatz

Unter den Alpakazüchtern in der Region Oschatz geht die Angst um, die Angst vor Wölfen. In der Nacht zum 5. August wurde eine Alpaka-Stute des Malkwitzers Hartmut Knappe von einem Wolf gerissen. Seine verbliebenen drei Tiere führt Hartmut Knappe nun nachts in den Stall. Laut Vanessa Ludwig von der für ganz Sachsen zuständigen Fachstelle Wolf war das Malkwitzer Alpaka das zweite Tier dieser Art im Freistaat, das von einem Wolf getötet wurde. Der erste Fall ereignete sich im März des vergangenen Jahres im Landkreis Görlitz an der polnischen Grenze.

Hartwig Kraft von Wedel spielt mit seiner Herde von rund 150 Tieren, die in Remsa (Stadt Mügeln) weiden, in einer anderen Liga als der Malkwitzer Hobbyzüchter Knappe. Der Remsaer gehört zu den größten Alpakazüchtern in Deutschland, die Tiere ernähren seine sechsköpfige Familie. Bisher habe sich in Remsa noch kein Wolf blicken lassen, sagt der 51-Jährige. Vor zwei, drei Jahren sei im Nachbardorf Grauschwitz ein Schaf gerissen worden – wahrscheinlich von einem wildernden Hund.

Zaun schützt nicht vor Wölfen

Die Alpakas in Remsa weiden auf einer Fläche von etwa elf Hektar, die durch einen 1,80 Meter hohen Wildschutzzaun gesichert ist. Da kommen Rehe und Wildschweine nicht durch, Schutz gegen Wölfe bietet dieser Zaun jedoch kaum. Die Alpakas werden deshalb nachts eingestallt. Das seien die Tiere aus ihrer südamerikanischen Heimat auch so gewohnt. „In den Hoch-Anden ist der nachtaktive Puma ihr Feind“, weiß der Züchter.

Alpakas treten ihre Feinde tot

So schutzlos wie etwa Schafe sind Alpakas den Wölfen nicht ausgeliefert. „Alpakas sind wehrhafte Tiere. Bei Gefahr stoßen sie gellende Alarmrufe aus. Dann stellen sich die großen, 70 bis 80 Kilogramm schweren Tiere zusammen und schieben den Nachwuchs nach hinten. Die Alpakas spucken ihre Feinde erst an und treten sie dann mit ihren Klauen tot – wie bei einem Trommelfeuer“, betont der Züchter. Vor einiger Zeit sei dieses Verhalten einem Fuchs zum Verhängnis geworden, der sich in das Remsaer Alpaka-Gehege gewagt hatte.

Fohlen sind gefährdet

Problematisch könnte es allerdings bei den etwa 50 jungen Fohlen der Remsaer Herde werden, die sich noch nicht richtig wehren können. Für den Fall, dass die Zahl der Wölfe in der Region weiter zunimmt, will Kraft von Wedel deshalb nichts dem Zufall überlassen: „Dann müssen wir uns Herdenschutzhunde anschaffen.“ Der Schutz seiner Herde ist für den Züchter auch eine wirtschaftliche Frage. Für Spitzen-Tiere werden fünfstellige Summen gezahlt. Zwar haben Alpakazüchter laut Vanessa Ludwig von der Fachstelle Wolf im Fall eines Risses Anspruch auf Entschädigung. Doch ob der Verlust in vollem Umfang ersetzt wird, ist fraglich.

Zaun würde 100 000 Euro kosten

Das bezweifelt auch Fritz-Jürgen Hieke. Der Oberwiesenthaler ist der Präsident des Alpaka-Zucht-Verbandes Deutschland (AZVD) und züchtet selbst etwa 100 Alpakas sowie Schafe. Im April dieses Jahres wurden fünf seiner Schafe von Wölfen getötet, die aus dem benachbarten Tschechien stammen. „Die Schafe standen 50 Meter von den Alpakas entfernt auf der Weide“, sagt er. Bis heute hat Hieke nach eigenen Angaben keine Entschädigung für die toten Schafe bekommen. Deshalb bangt er um so mehr um seine wertvollen Alpakas. Der Oberwiesenthaler hat sich ausrechnen lassen, wie viel ihn der Bau eines Schutzzaunes vor Wölfen um seine Alpaka-Weide auf einer Länge von fünf Kilometer kosten würde. „Mit Untergrab- und Übersprungschutz würden so 100 000 Euro Kosten entstehen.“ Sicherheitshalber stallt er seine Alpakas nun jeden Abend ein. Tagsüber geben es jedoch keinen hundertprozentigen Schutz. „Wenn der Wolf sich ein Alpaka holen will, dann holt er sich das auch“, befürchtet Hieke.

Infos zu Remsa: www.alpacas.de

Wolfs-Risse in der Region Oschatz

Im vergangenen Jahr wurden dem Kontaktbüro Wölfe aus der Region Oschatz am 25. Juni ein totes Lamm und am 13. Oktober zwei tote Schafe – beide Male in Dahlen – gemeldet.

Im laufenden Jahr wurden in der Nacht zum 27. Februar eine fünf Jahre alte Hirschkuh und zwei einjährige Hirschkälber (Rotwild) in Schöna von einem Wolf gerissen sowie ein weiteres Tier an der Flanke verletzt.

Ebenfalls in diesem Jahr wurden in der Nacht vom 30. zum 31. Juli in Wellerswalde zwei Mutterschafe getötet und ein Lamm verletzt.

In der darauffolgenden Nacht zum 1. August wurden ebenfalls in Wellerswald sechs Mutterschafe sowie vier Lämmer getötet und ein Lamm verletzt.

In Malkwitz wurde in der Nacht zum 5. August ein Alpaka und in der Nacht zum 6. August ein Reh gerissen.

In Sachsen wurden im Vorjahr 139 getötete, verletzte oder vermisste Nutztiere gemeldet. In 87 Fällen wurde der Wolf als Verursacher festgestellt.

Von Frank Hörügel

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