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Oschatz Sonderschau mit seltenen Schätzen in Wermsdorf
Region Oschatz Sonderschau mit seltenen Schätzen in Wermsdorf
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09:15 30.04.2019
Der Dresdener Verein Augustus Rex stellte den Empfang der Fürsten nach zur Eröffnung der Ausstellung nach Quelle: Wolfgang Sens
Wermsdorf

Ein Sattel – und was für einer: Aus gelbem Seidensamt, bestickt mit feinsten Silberfäden und verziert mit zahlreichen Beschlägen. Die Üppigkeit gibt schon einen Hinweis auf seine Herkunft, denn der Sattel von 1715 war ein Geschenk des französischen Königs Ludwig XIV. an August den Starken. Zu sehen ist das Schmuckstück ab sofort in der neuen Sonderschau „Friedrich August und Maria Josepha – das verlorene sächsische Rokoko“ im Wermsdorfer Schloss Hubertusburg.

DDirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer: „Darüber würde sich das französische Nationalmuseum freuen.“ Quelle: Wolfgang Sens

Die Auswahl der Exponate der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) rückt das sächsische Rokoko, das seine Blüte während der Regentschaft des jungen Paares erlebte, in den Mittelpunkt. Vor 300 Jahren, 1719, ließ August der Starke in Dresden wochenlang die Vermählung seines Sohnes mit der Habsburger Kaisertochter feiern. Für die Festumzüge und Schauwettkämpfe holte der Regent zahllose Schmuckstücke aus den Depots: Verzierte Waffen, Schilde oder Rüstungen kamen damals zum Einsatz.

Ausstellung  FRIEDRICH AUGUST UND MARIA JOSEPHA - Das verlorene sächsische Rokoko.  Quelle: Wolfgang Sens

Und eben der Sattel vom französischen Hof, der heute zum Bestand der Rüstkammer gehört und auf den man in Dresden spürbar stolz ist. „Wir haben hier Objekte, die man sonst nirgendwo sieht oder die man anderswo schon längst zu Geld gemacht hat“, sagt Dirk Syndram, Direktor der Rüstkammer. Mit Blick auf den Sattel meint er selbstbewusst: „In Wermsdorf zeigen wir jetzt Exponate, über die sich das französische Nationalmuseum freuen würde.“

Schloss Hubertusburg. Quelle: Jana Brechlin

Für die Staatlichen Kunstsammlungen ist es nach 2013 die zweite Sonderschau im nordsächsischen Wermsdorf. Damals kuratierte Claudia Brink die Ausstellung zum 250. Jahrestag des Hubertusburger Friedens und erinnert sich noch gut an die Bedenken im Vorfeld: „Es gab viele Zweifel, ob sich überhaupt Interessenten aufmachen würden an diesen fast vergessenen Ort.“ Kein Wunder, zwar ist die Rede vom größten Barockjagdschloss Europas, doch damals hatten das Besucher kaum auf dem Schirm. Nach der Plünderung durch die Preußen am Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 war es aus mit Glanz und Gloria im Schloss. Mit sprichwörtlich preußischer Gründlichkeit schafften die Soldaten des Alten Fritz alles, was nicht niet- und nagelfest war, aus dem Schloss. Selbst Türklinken und Dielenbretter mussten daran glauben. Einzig die katholische Kapelle verschonten die Truppen. Was folgte, war eine wechselvolle Geschichte als Militärmagazin, Lazarett, Strafanstalt, Offiziersschule und schließlich Krankenhaus. Bis heute ist der Name des Schlosses eng mit Kliniken verbunden, denn auf dem Areal betreibt die Leipziger St. Georg Unternehmensgruppe das Fachkrankenhaus Hubertusburg. An ein Museum mit wertvollen Kunstwerken war jedenfalls lange, lange nicht zu denken.

Das hat sich 2013 grundlegend geändert: In jenem Jahr besuchten über 85 000 Besucher die Sonderschau. „Das waren dreimal so viele Gäste wie angenommen“, blickt Claudia Brink zurück. Und Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller hoffte damals inständig: „Hoffentlich fallen wir nicht wieder in einen Dornröschenschlaf zurück.“

Das ist nicht passiert, auch weil Ehrenamtliche vom Freundeskreis Schloss Hubertusburg die vergangenen Jahre überbrückt und regelmäßig Führungen durch das – eigentlich leere – Schloss angeboten haben. Tagungen wie die Friedensgespräche und zahlreiche Konzerte haben außerdem dazu beigetragen, weiterhin um Besucher zu werben. Und jetzt also gibt es eine zweite Sonderschau. Das Besondere dabei: Nicht nur die Ausstellungsräume in der Beletage sind zu besichtigten, sondern auch der Westflügel, der sonst verschlossen bleibt. Dort erweckt das Schlösserland Sachsen das einst höfische Leben für die Gäste: Bilder von Gemälden, die hier einst Säle und Galerien schmückten, lehnen wie zum Transport bereitgestellt an der Wand und 16 Beamer sowie Musik holen mit Videoanimationen die Hochzeitsfeierlichkeiten ins Heute.

Sonderausstellung "Friedrich August und Maria Josepha - das verlorene sächsische Rokoko" 2019 in Wermsdorf. Quelle: Jana Brechlin

Auf dem Weg dorthin können die Besucher jeweils einen Blick in die verlassenen Krankenzimmer werfen – zum Schluss waren hier Psychiatriepatienten untergebracht – und einzelne Tafeln erinnern an Abschnitte der Nutzungsgeschichte.

Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler ist überzeugt, im Schloss Hubertusburg könnte ein „sächsisches Humboldt-Forum“ entstehen. Quelle: Wolfgang Sens

Man habe hier eine Innovationsbereitschaft gefunden, die sonst in Ausstellungen nicht alltäglich sei, lobt Schlösserland-Geschäftsführer Christian Striefler die Zusammenarbeit mit den Kollegen von der SKD, die für beide Häuser eine Premiere ist. SKD-Direktorin Marion Ackermann nennt die Umsetzung ein „ganz besonderes, kraftvolles Projekt“ und gesteht, sie habe sich schon beim ersten Besuch in das „sächsische Versailles“ verliebt.

Sonderausstellung "Friedrich August und Maria Josepha - das verlorene sächsische Rokoko" 2019 in Wermsdorf. Quelle: Jana Brechlin

So dürfte es auch Finanzminister Matthias Haß gegangen sein. Wobei Sachsens oberster Schatzmeister verkuppelt wurde: Der Oschatzer Landtagsabgeordnete Frank Kupfer, selbst Gründungsmitglied im Freundeskreis Schloss Hubertusburg, hatte den Minister nach Wermsdorf gelotst und auf das Potenzial des Gebäudes aufmerksam gemacht. In der Folge gab es grünes Licht für die aktuelle Sonderschau und die Ankündigung, auch danach die Residenz nicht aus dem Blick zu verlieren. „Wir wollen langfristig Leben ins Schloss bringen und hier das Schaudepot der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einrichten“, hat er angekündigt. Dabei gibt es auch Rückenwind von Ministerpräsident Michael Kretschmer, der zur Eröffnung in Wermsdorf bekannte, man werde hier weiter Impulse setzen: „Unser Dank gilt allen, die sich hier engagieren – sie werden auch künftig unsere Unterstützung haben.“

Michael Kretschmer Ministerpräsident des Freistaates Sachsen bei der Rede zur Eröffnung der Ausstellung. Quelle: Wolfgang Sens

Von Dornröschenschlaf ist im Schloss Hubertusburg schon lange keine Rede mehr. „Vor uns liegt ein glanzvolles Jahr für die königliche Jagdresidenz“, freut sich Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller. Das unermüdliche Bemühen aller Akteure trage endlich Früchte. Von außen ist der alte Glanz schon seit Jahren zurück: Seit 1991 hat der Freistaat Sachsen über 95 Millionen Euro auf dem Gelände investiert – für die Sanierung von Dächern und Fassaden, aber auch für die Ausstattung der Kliniken und die Einrichtung einer Werkstatt für Archiv- und Bibliotheksgut, in der zum Beispiel auch historische Dokumente aus dem vor zehn Jahren eingestürzten Kölner Stadtarchiv gerettet werden. Müller selbst kann sich noch gut an den maroden Zustand der Gebäude vor 1990 erinnern, denn der heutige Bürgermeister wuchs als drittes Kind eines Ärztepaares vis-à-vis des Hauptschlosses auf: „Während meiner ganzen Kindheit stand ein großes Gerüst vor dem Hauptportal und ich frage mich heute noch manchmal, ob das Gerüst das Mauerwerk gehalten hat oder andersrum.“

Videoanimationen in der Ausstellung. Quelle: Wolfgang Sens

Es ist alles andere als ein kleines Erbe, dass die Kurfürsten in Wermsdorf hinterlassen haben. Dabei war Hubertusburg nach dem Alten Jagdschloss, einem Renaissancebau in der Ortsmitte, bereits das zweite Gebäude, das die Regenten in Auftrag gaben und ursprünglich ein verspätetes Hochzeitsgeschenk von August dem Starken an seinen Sohn. Die Vier-Flügel-Residenz zeigte, dass die Sachsen auch baulich ganz oben in der Liga der europäischen Herrscherhäuser mitspielen wollten – und konnten. „Wir sehen hier ein Schloss, das man in Dresden aus Platzmangel nicht bauen konnte und in Leipzig nicht bauen durfte, weil man dort gesagt hat ,uns kommt kein König in die Stadt’“, weiß Dirk Syndram von der SKD.

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, bekannte, sie habe sich schon beim ersten Besuch in das Schloss verliebt.  Quelle: Wolfgang Sens

Pläne und Querschnitte in der Ausstellung zeugen von der Baugeschichte und der Nutzung auf dem Zenit der Residenz, mit Pferdeställen, Opernhaus und Terrassen-Gärten. Kein Wunder, denn Friedrich August und Maria Josepha wollten – wenn auch nur für wenige Monate im Jahr – hier ihren Spaß. „Und Spaß hieß vor allem: Jagd“, macht Syndram klar. Praktisch, dass es rund um Hubertusburg reichlich Platz dafür gab. Die nahezu im rechten Winkel angelegten Wege durchziehen heute noch den Wermsdorfer Forst. Jetzt sind zu den herbstlichen Drückjagden Treiber in Neon-Westen im Einsatz und geländegängige Fahrzeuge gefragt. Doch Prunkwaffen, Parforcehörner oder eine Wildbretwaage von August dem III. sind jetzt wieder zurückgekehrt, in die Sonderausstellung im Schloss Hubertusburg.

Von Jana Brechlin

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