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Oschatz Stadt Oschatz wird als Wohnort attraktiver
Region Oschatz Stadt Oschatz wird als Wohnort attraktiver
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13:11 24.08.2018
Prof. Frank Nolden auf der Terrasse seines Hauses in Oschatz. Im Hintergrund ist die Silhouette des Rathauses und der St. Aegidienkirche zu sehen. Quelle: Foto: Frank Hörügel
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Die nackten Zahlen klingen dramatisch: Innerhalb von knapp drei Jahrzehnten hat die Stadt Oschatz ein Viertel ihrer Einwohner verloren. Die Zahl der Oschatzer sank von 19 392 zum Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 auf 14 508 Ende September 2017 (aktuellere Zahlen des Statistischen Landesamtes liegen noch nicht vor). Der Abwärtstrend ist noch nicht gestoppt, doch mittlerweile ist Licht am Horizont zu sehen. Die benachbarten Großstädte Dresden und vor allem Leipzig spielen dabei eine wichtige Rolle. Hier sind die Immoblienpreise und Wohnungsmieten mittlerweile so stark gestiegen, dass Pendeln nach Oschatz an Attraktivität gewinnt. Die Stadt reagiert darauf zum Beispiel mit dem Ausbau des Bahnhofsgebäudes, mit mehr Pendler-Parkplätzen und Baugrundstücken wie aktuell im Fliegerhorst. „Klar gibt es Fremde, die nach Oschatz ziehen. Das kompensiert aber nicht den Wegzug der vergangenen Jahre“, schätzte Oberbürgermeister Andreas Kretschmar (parteilos) Mitte Juli in einem OAZ-Interview ein.

Haus mit Garten in Zentrumsnähe

Einer der Zuzügler ist Prof. Frank Nolden. „Das ist hier ein Träumchen“, sagt der 55-Jährige und zeigt auf die Silhouette von Rathaus und St. Aegidienkirche, die er von seiner Terrasse aus im Blick hat. Vor kurzem ist der Rektor der Verwaltungs-Hochschule Meißen mit seiner Frau nach Oschatz gezogen und hat hier ein Haus mit Garten in Zentrumsnähe gekauft. „Wir haben zweieinhalb Jahre etwas Passendes gesucht – und nichts gefunden. Dann stand die Verkaufsanzeige für dieses Haus im Netz und meine Frau sagte: Das wollen wir haben“, erinnert er sich. Da beide ursprünglich aus Kleinstädten stammen, passte Oschatz ins Raster. „Wir wollten zurück in eine überschaubare, mittelgroße Stadt.“

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Positive Wertentwicklung in den nächsten Jahren

Zuvor wohnte das Paar in Zwenkau bei Leipzig, wo Nolden bis 2013 als Kanzler der Universität Leipzig arbeitete. Das anschließende Pendeln zwischen Zwenkau und Meißen (110 Kilometer pro Strecke) wurde ihm dann irgendwann zu anstrengend. Eine reine Bauchentscheidung war der Kauf des im Vergleich zu Dresden oder Leipzig relativ preisgünstigen Hauses in Oschatz jedoch nicht. „Ich gehe von einer positiven Wertentwicklung in den nächsten Jahren aus“, sagt Nolden und nennt auch gleich die Gründe. „Oschatz hat eine gute Infrastruktur. Es gibt noch Behörden, öffentliche Einrichtungen, ein leistungsfähiges Krankenhaus – und ein bisschen Kulturleben. Das Entscheidende ist: Ochatz liegt an der Bahnstrecke und ich kann in 35 Minuten im Stadtzentrum Leipzig sein. Deshalb werden Leute hierher ziehen.“

Internet muss schneller werden

Wie viele das in den nächsten Jahren sein werden, das wird nach Einschätzung von Nolden auch davon abhängen, wie sich die Internet-Versorgung verbessert. „Junge Leute zieht man nur an, wenn sie eine schnelle Verbindung zur Welt haben.“ In dieser Beziehung liegt noch einiges im Argen. Alle paar Wochen frage er bei seinem Netzanbieter nach, wann endlich mit schnellerem Internet zu rechnen sei. Bisher habe er noch keine befriedigende Antwort bekommen.

Joachim Rolke hat den Markt für gebrauchte Häuser und Grundstücke in Oschatz von 1991 an im Blick. Seit zwei, drei Jahren beobachtet der Immobilienmakler ein verstärktes Interesse von Leuten aus den benachbarten Großstädten, vor allem aus Leipzig. „Das sind junge Familien mit Kindern oder Besserverdiende ab 40, 50 Jahre, die sich was schaffen wollen und die Ruhe im ländlichen Gebiet suchen“, so Rolke.

Ausschlaggebend sei die gute Bahn- und Autobahnanbindung und das Vorhandensein von Schulen. Zudem seien hier die Preise für gebrauchte Häuser in den vergangenen zehn Jahren zwar auch gestiegen, doch mit einem Plus von 10 bis 15 Prozent lange nicht so stark wie in Leipzig oder Dresden. Das Angebot an Immobilien in Oschatz „wird langsam knapp“, schätzt Rolke ein. Besonders dann, wenn die Interessenten spezielle Vorstellungen von ihrem künftigen Heim hätten.

Von frank hörügel