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Oschatz Weltreisende aus Ganzig im Interview
Region Oschatz Weltreisende aus Ganzig im Interview
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07:00 05.07.2019
Sophie Jähnigen entdeckt jetzt erst einmal ihre Heimat: Hier ein Selfie beim Wandern in der Nähe von Schmannewitz. Quelle: Sophie Jähnigen
Ganzig

Sie hatte ihren Job an den Nagel gehängt, um mehr von der Welt zu sehen: Sophie Jähnigen aus Ganzig hat in 16 Monaten 15 Länder bereist, dort gelebt, zum Teil gearbeitet und viel Neues probiert. Im OAZ-Interview spricht die 30-Jährige über Fernweh, das Verlassen der eigenen Komfortzone und Schwierigkeiten beim Ankommen.

Ihre Weltreise liegt gerade erst hinter Ihnen. Wie ist das Ankommen in der Heimat?

Das ist durchaus eine Herausforderung. Mein erster Eindruck beim nach Hause kommen war ’hier hat sich ja gar nichts geändert’, im Gegensatz dazu hab ich mich durch die vergangenen 16 Monate natürlich sehr verändert. Am Anfang fühlte ich mich oft, als würde ich hier nicht mehr so richtig dazu passen. Andererseits ist es schön, nach Hause zu kommen und alles ist so vertraut. Das hat auch Vorteile.

Wie war der Empfang durch die Familie?

Schon am Flughafen hat mich ein großer Pulk mit lieben Menschen erwartet und das ging daheim so weiter. Es gab viel Trubel, das ist typisch für unsere Familie. Das hat manches einfacher gemacht, weil ich gleich abgelenkt war und viel erzählen konnte.

Ist es Ihnen leicht gefallen, Ihre Reise zu beenden?

Das war schon okay, außerdem hatte ich meinen Eltern versprochen, dass ich zu meinem 30. Geburtstag wieder zuhause bin. In all’ den Monaten hab ich wirklich viel gesehen und erlebt und muss die ganzen Eindrücke auch erst einmal verarbeiten. Allerdings wurde mir, je länger ich gereist bin, umso mehr bewusst, was ich alles noch nicht gesehen habe.

Sie haben viele Länder bereist. Gibt es etwas, in dem sich alle von Ihrer Heimat unterscheiden?

Am deutlichsten ist, dass unterwegs alles so leicht scheint, Zeitdruck und Stress fallen schnell ab. Wenn man in Asien oder Südamerika mit dem Bus unterwegs ist, hält der unterwegs einfach dort, wo Leute stehen. Haltestellen oder Fahrpläne sind da nicht so wichtig.

Warum musste es überhaupt unbedingt eine Weltreise sein?

Ich bin schon immer gern gereist und hatte diesen Traum schon länger. Ich hatte Sozialrecht studiert und im Landratsamt gearbeitet. Das war im Prinzip auch okay. Aber die Vorstellung, nicht mehr frei und spontan länger unterwegs sein zu können, hat mich bedrückt. Mir war bald klar, dass ich noch einmal richtig raus und etwas wagen will.

Wie haben Sie sich vorbereitet?

Gar nicht besonders. Ich musste meine Arbeitsstelle kündigen und meine Wohnung auflösen und nachdem die Entscheidung gefallen war, hab ich das zielgerichtet angepackt. Und sonst hab ich vor allem gespart, mein Ziel war, mir ein Polster zu schaffen, um etwa 1000 Euro pro Monat zur Verfügung zu haben – und ein Notgroschen als Puffer obendrauf.

Hat das gereicht?

Ja, hat es. Manche Länder sind einfach teuer, dafür gleicht sich das anderswo im Reiseverlauf wieder aus. In China zum Beispiel habe ich zwei Monate in einer Kung-Fu-Schule gelebt. Das hat mich in der ganzen Zeit 1400 Euro gekostet – mit Übernachtung, Verpflegung und sieben Stunden Unterricht pro Tag. Manchmal habe ich auch für Kost und Logis gearbeitet, und zwischendurch hatte ich Besuch von meinen Eltern und meiner Tante, das hat mich finanziell auch entlastet.

Es gibt unzählige Reiseführer und Blogs im Internet, die Informationen liefern. War das eine Hilfe?

Das hab ich alles gar nicht groß genutzt, sondern ich wollte mich treiben lassen können. Manches, was ich hätte vorher wissen können, habe ich dann natürlich auch erst vor Ort erfahren.

Woran denken Sie dabei?

Ich hatte zum Beispiel Südamerika total unterschätzt. Allein schon diese Entfernungen: Da ist man in Chile 20 Stunden mit dem Bus unterwegs und sieht beim Blick auf die Karte kaum ein Fortkommen. Wer so wenig vorbereitet wie ich reist, verpasst sicher auch etwas, dafür erlebt man anderes. Meist habe ich mich nach der Ankunft in einer größeren Stadt in einem Hostel einquartiert. Das ist eine gute Adresse, um neue Leute kennen zu lernen, von denen man Tipps für die nächste Reise bekommt. Manchmal war ich in einem neuen Land auch zunächst unsicher. Aber dann habe ich mir immer klar gemacht, dass ich nicht die Erste bin, die hier unterwegs ist, andere vor mir haben das schließlich auch geschafft. Man wird von Land zu Land entspannter.

Das klingt gut. Gab es auch Fehlschläge, die verkraftet werden mussten?

Ein Erlebnis ist mir unangenehm in Erinnerung geblieben. Damals war ich in Peru – ein tolles Land übrigens und der Dschungel ist faszinierend – und wollte dort eine Weile in einem Hostel arbeiten. Leider bin an sehr geschäftstüchtige und noch dazu verlogene Menschen geraten. Erst waren sie mir gegenüber sehr misstrauisch und dann, als sie merkten, was ich kann, bekam ich immer mehr aufgeladen. Das passte alles nicht zusammen und ich hab mich nur noch unwohl gefühlt. Deshalb bin ich dann eher abgereist und hatte so die Gelegenheit, noch Kolumbien zu besuchen. Das war eine gute Entscheidung.

Was nehmen Sie mit aus den 16 Monaten Ihrer Weltreise?

Ich hab noch nie so viel gelernt wie in dieser Zeit, einfach weil ich mich aus meiner Komfortzone bewegt habe. Hier habe ich immer das gemacht, was ich schon konnte. Auf meiner Reise habe ich viel Neues ausprobiert, Tauchen oder Spanisch gelernt zum Beispiel, einen Tangokurs in Argentinien besucht oder in China in einer Kung-Fu-Schule gelebt. Dabei war letzteres wirklich hart: Sieben Stunden Sport pro Tag und schlafen auf einer Holzpritsche. Mir taten jeden Tag andere Muskeln weh und das ging so wochenlang. Noch dazu waren alle anderen super Sportler und ich die Schlechteste weit und breit. Das hat mich mental fertig gemacht. Aber ich bin dabei geblieben und irgendwann ging doch etwas vorwärts. Überhaupt war ich beim Lernen immer sehr motiviert, deshalb ist auch viel hängen geblieben. Und natürlich habe ich neue Leute kennengelernt und Freundschaften geschlossen.

Und wo ist es nun am schönsten auf der Welt?

Da kann ich mich wirklich nicht entscheiden. Kolumbien und Myamar sind wirklich herausragend. Wer das Wandern liebt, wird Kanada und Patagonien toll finden. Aber die Begegnungen mit den Menschen waren nahezu überall herzlich und offen. Selbst dort, wo Armut herrscht, wird man freundlich begrüßt – das ist eine wunderbare Erfahrung.

Ihr Rat an andere, die das Fernweh plagt?

Fernweh oder nicht, ich kann jedem nur raten: reist, Leute reist. Das öffnet den Blick und bringt unheimlich viel. Zu erleben, welche Abneigung viele Menschen hierzulande gegenüber Ausländern haben, macht mich da wirklich traurig. Ich war selber 16 Monate als Ausländerin unterwegs und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Es wäre schön, wenn sich die Situation in Deutschland wieder beruhigt und klar wird, wie gut es uns geht – das würde manchen Konflikt entschärfen und zu einem freundlicheren Miteinander führen.

Wie geht es jetzt mit Ihnen weiter, gibt es schon wieder Reisepläne?

Im Moment wohne ich bei meiner Familie in Ganzig und muss erst einmal schauen, wo ich in Zukunft arbeiten und leben werde. Irgendwann möchte ich noch einmal nach Afrika reisen, auch um dort eine Freundin zu besuchen. Bis dahin werde ich als nächstes aber erst einmal Deutschland und Europa erkunden, hier gibt es schließlich auch viel zu sehen.

Von Jana Brechlin

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