Wermsdorf: Unterwegs von Schloss zu Schloss mit Thilo Blamberg
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Wermsdorf: Unterwegs von Schloss zu Schloss mit Thilo Blamberg

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16:20 25.10.2020
Mit Gästeführer und Georanger Thilo Blamberg begeben sich Interessierte bei einer Tour von Schloss zu Schloss in Wermsdorf.
Mit Gästeführer und Georanger Thilo Blamberg begeben sich Interessierte bei einer Tour von Schloss zu Schloss in Wermsdorf. Quelle: Bärbel Schumann
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Wermsdorf

Seit Jahren gehört Thilo Blamberg zu den Gästeführern der Hubertusburg. Zudem hat er eine Ausbildung zum Georanger im Nationalen Geopark Porphyrland erfolgreich abgeschlossen. Mit diesen Voraussetzungen hat er sich im September selbstständig gemacht, um Interessierte durch seine Heimat zu führen. Heimat ist für Blamberg in erster Linie Wermsdorf und die Region. Hier kennt er sich nicht nur gut aus, sondern hat sich auch viel Wissen angeeignet. Das versucht er nun in seinen Führungen weiter zu geben. Eine davon heißt „Vom Alten Jagdschloss zum Schloss Hubertusburg“.

Blick in die Geschichte

In Wermsdorf entstand im 17. Jahrhundert das erste Jagdschloss des sächsischen Hofes. Mit dem Bau von Schloss Hubertusburg im Jahr 1721 stieg der Ort zur Jagdresidenz des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. auf. Im Schatten dieser größten barocken Jagdschlossanlage in Europa bleiben oft die alten Gemäuer und verwinkelten Gassen des Dorfes unentdeckt. Am Sonntag gingen mit Thilo Blamberg neun Interessierte auf diese Tour.

Schnell sind die Corona-Formalitäten erledigt, da geht es auch schon im Hof des Alten Jagdschlosses los. „Ein bisschen erinnert das Schloss an das alte Leipziger Rathaus“, sagt Blamberg und stimmt seine Begleiter nachdenklich. Die richten ihre Köpfe in die schneckenförmigen Verzierungen an den Giebeln. Dann klärt der Gästeführer auf: „Baumeister des Jagdschlosses war Simon Hoffmann. Er war ein bedeutender Schüler von Baumeister Hieronymus Lotter, der das Leipziger Rathaus erbaute.“ Dann nimmt Blamberg seine Zuhörer mit in Baugeschichte vergangener Jahrhunderte. Sie erfahren dabei unter anderem, dass das Alte Jagdschloss einst ein Wasserschloss war. Daran erinnert eigentlich nur die Steinbrücke und der restliche Graben, heute eine Grünfläche.

Schlossbesichtigung

Minuten später führt er die Gruppe in den Saal des Schlosses. Im Anschluss geht es nicht auf direktem Weg zur Hubertusburg. Stattdessen durch ein Gässchen auf das Gelände der Kirche, wo das älteste Denkmal Wermsdorfs zu finden ist. Es handelt sich dabei um eine Grabplatte aus dem Jahr 1604. Gewidmet war sie der Frau des Oberförsters Weise, die nach der Geburt eines Kindes verstarb.

Wo hat Hofnarr Fröhlich gewohnt, wenn er den König nach Wermsdorf begleitete? Im Benjamin-Haus, lautet Blambergs Antwort. Das befindet sich in der heutigen Hubertusburger Straße. Warum es Benjamin-Haus heißt, das muss Thilo Blamberg selbst noch herausfinden.

Auch an anderen Stellen wird halt gemacht. Zum Beispiel dort, wo besonders gut zu erkennen ist, was für Material in und um die historischen Bauten verwendet wurde. Porphyr ist dabei nur ein Gestein. Beim Betrachten der Wege zu beiden Schlössern zerbrachen sich zudem einige der Teilnehmer den Kopf, wie die Schuhe der Hofdamen das holprige Pflaster bei ihren Spaziergängen über die Anlagen überstanden haben.

Von Bärbel Schumann