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Oschatz Wermsdorfer Klinik über Therapieansätze in Suchthilfe
Region Oschatz Wermsdorfer Klinik über Therapieansätze in Suchthilfe
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00:27 07.09.2018
Corinna Glausch (l.) und Claudia Angerer-Kneifl arbeiten in Wermsdorf mit Schema-Therapie. Quelle: Kristin Engel
Wermsdorf

Die Fachklinik für Drogenrehabilitation in Wermsdorf hilft Abhängigen auf dem Weg in ein Leben ohne Drogen. Dabei setzen die Fachleute auch die Schematherapie ein. Wie damit geholfen wird, steht im Fokus der 4. Fachtagung, die am Mittwoch in Wermsdorf stattfindet. Neben Vorträgen wird den Teilnehmern auch in Workshops praxisnahes Wissen vermittelt. Worum es konkret geht, erklärt Corinna Glausch, Psychologin in der Klinik für Drogenrehabilitation.

Was ist das Ziel der Fachtagung – Wissensvermittlung oder Hilfe für die praktische Arbeit?

Beides, der Fokus liegt aber vor allem auf letzterem. Außerdem wollen wir zeigen wie wir in der Klinik damit arbeiten, was also unser aktueller Stand ist. Wir als Klinik sind bestrebt, uns und unser Wissen ständig weiter zu entwickeln und lassen dies in unsere Arbeit einfließen. Außerdem wollen wir Werbung für unsere Arbeit und damit auch für die Schematherapie machen, um die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen zu verbessern. Die Schematherapie ist hier noch nicht so weit verbreitet wie in anderen Regionen Deutschlands, schon gar nicht in der Suchtarbeit.

Wer soll mit der Veranstaltung angesprochen werden, für wen ist die Tagung gedacht?

Vor allem für alle Fachleute, die mit Abhängigen arbeiten: Suchtberater, Mitarbeiter von Entgiftungseinrichtungen, Mitarbeiter von Clean-WGs, Mitarbeiter von anderen Rehabilitationseinrichtungen, von Wohneinrichtungen für Doppeldiagnosen – also wenn zur Sucht noch eine andere psychische Erkrankung kommt, was ja eh unser Schwerpunkt ist – aber auch für Ärzte, Psychogen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen.

Was kann die Schematherapie in der Suchtarbeit leisten?

Das genau zeigen wir in unserem Fachtag, ein paar wichtige Aspekte sind: Betroffene können oft relativ schnell etwas mit der Schematherapie anfangen. Es wird Wert auf eine gute therapeutische Beziehung gelegt, dazu gehören sowohl Bindung, Nähe und Empathie als auch Konsequenz und Grenzen. Dadurch fühlen sich Rehabilitanden, die oft auch diskriminiert werden, als Menschen Wert geschätzt, was den Zugang zum therapeutischen Arbeiten und einer Veränderung eigenen Verhaltens erleichtert.

Was macht diese Art der Therapie noch aus?

Die Arbeit mit inneren Anteilen ist relativ gut verständlich und man kann sich immer wieder an dem Modusmodell wie an einem roten Faden entlang hangeln. Es ist also praktikabel und in jeder Situation einsetzbar. Innere Anteile hat jeder, das heißt, die Schematherapie hat ein universales Modell, das auf alle Menschen zutrifft. Ich kann innere Anteile also auch bei Kollegen und allen anderen Menschen beobachten. Und Schematherapie macht salopp gesagt auch einfach mehr Spaß als klassische Verhaltenstherapie, was für unsere Klientel wichtig ist, um sie bei der Stange zu halten. Die Veränderungsprozesse sind oft langwierig und mühsam, das sind sie mit Schematherapie auch, aber es ist insgesamt angenehmer. Diese Therapie fokussiert nicht nur auf die Sucht, sondern auf den Menschen als Ganzen. Wenn man das Grundmodell einmal verinnerlicht hat, kann es quasi bis ans Lebensende hilfreich sein. Ich wende die Schematherapie auch für mich an, gewissermaßen als Psychohygiene. Da helfe ich mir auch, bei diesem doch anstrengenden Arbeitsfeld nicht selber im Burnout oder woanders zu landen.

Wie sind die Ansprechpartner in der Region vernetzt und wie schnell finden Betroffene Hilfe?

Ich denke gut, das klappt beides gut. Erste Anlaufstelle für Betroffene sind Suchtberatungsstellen und Entgiftungen. Wir haben eine Warteliste, aber nicht alle Rehabilitanden, die bei uns einen Platz haben, reisen tatsächlich auch an. Die Motivation der Betroffenen schwankt oft, das ist aber normal in der Suchtarbeit.

Von Jana Brechlin

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