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Oschatz Kemmlitzerin setzt Belohnung aus: Wo ist mein geliebtes Schaf Trude?
Region Oschatz Kemmlitzerin setzt Belohnung aus: Wo ist mein geliebtes Schaf Trude?
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20:03 13.09.2019
Was geschah mit Kati Horns Schaf Trude in Kemmlitz bei Mügeln? Quelle: privat
Kemmlitz

Kati Horn möchte Klarheit: „Ich begreife es nicht. Wir haben seit zehn Jahren Schafe. Nie ist etwas gewesen“, sagt sie. „Wenn es ein Wolf gewesen wäre, hätte ich damit abschließen können.“ So muss sie ständig daran denken, dass ihr Schaf Trude fort ist.

Per Handwisch auf ihrem Smartphone reisen wir durch die Kindheit von Trude: „Sie ist am 11. März geboren. Es war ungefähr gegen 18.30 Uhr“, erinnert sich die Kemmlitzerin. Ein verregneter, stürmischer Montag. „Ich kam aus der Reha, weil ich eine Schulter-OP hatte. Da rief mich mein Schwager an: ’Du, unsere Trixie, die hat die Scheißerei.’“

Also fuhr sie zum Tierarzt und besorgte Medikamente für das vermutlich durchfallerkrankte Tier. Doch das war eine Fehldiagnose, wie sich auf der Koppel herausstellte: „Da guckt ein Lamm heraus“, stellte Horn fest.

Horn leistete unerwartet Geburtshilfe

Die Tierärztin, die sie anrief, riet: „Kati, du musst der jetzt helfen!“ Das wollte sie machen. „Da überlegt man nicht lang. Wir haben sie dann rausgezogen – es hat gestürmt und geregnet – dann habe ich die Kleine gleich in den Stall gebracht.“

Aber sie sei unerfahren gewesen. Geburtshilfe musste sie bis zu diesem Moment bei ihren Schafen nie leisten. „Ich habe sie abgerubbelt.“ Anschließend hätte sie das Lamm noch an seiner Mutter abreiben müssen: „Damit sie es annimmt.“ Doch das versäumte Kati Horn. Zwar war es möglich, das Muttertier festzuhalten, damit das Kleine trinken konnte, aber von allein ging das nicht.

Zwischen Kati Horn und ihrem Schaf Trude bestand eine enge Bindung. Quelle: privat

Mit der Flasche aufgezogen

Kati Horn wischt zum nächsten Foto auf ihrem Smartphone: Hier gibt sie Trude die Flasche. „Wir sind nachts dann alle zwei Stunden raus und haben sie saufen lassen, weil sie brauchte ja die Biestmilch.“ Ohne diese Erstmilch, die die Immunabwehr des Jungtiers stärkt, hätte das Lämmchen nicht überlebt. „Dienstagfrüh sind wir los und haben Milch zum Anrühren gekauft und dann haben wir sie mit der Flasche aufgezogen.“

Zwischen Horn, die damals krankgeschrieben war, und Trude entstand eine enge Bindung: „Ich habe mir noch einen Liegestuhl geholt und dann manchmal mit ihr nachmittags in der Sonne gesessen. Sie saß bei mir auf dem Schoß. Oder sie ist mir hinterhergerannt“, erzählt sie. Kurz bricht ihre Stimme, Tränen schießen ihr in die Augen, als sie davon erzählt, wie sie Trude zuletzt gesehen hat: „Am 16. August habe ich sie wie immer eingesperrt. Und abends, 21.30 Uhr, haben sie sie uns geklaut.“

Trude gezielt herausgepickt?

Sechs Schafe standen im Stall, davon zwei etwas ältere Halbgeschwister von Trude. Trotzdem pickten sich der oder die Täter zielgerichtet das Schaf heraus. „So wie es abgelaufen ist, müssen die mich beobachtet haben“, vermutet Horn.

Denn Weide und Stall liegen versteckt, Nachbarn, die in der Nacht Tumult hörten, wussten nicht einmal, dass Horns Schafe hielten. Zum anderen vermutet sie, dass sie Trude wählten, weil sie zahmer als die anderen Tiere erschien. Das fünf Monate alte Schaf sei auf sie geprägt, erkenne ihre Stimme, sei aber Fremden gegenüber genauso scheu wie jedes andere Schaf.

Dieses Messer fand Kati Horns Mann auf der Weide in Kemmlitz. Erkennt es jemand? Quelle: privat

Messer bleibt auf Weide zurück

Horns schalteten die Polizei ein und sicherten sich beim Veterinäramt ab, denn Trude war zum Zeitpunkt krank, bekam Medikamente. Falls sie jemand habe schlachten wollen, hätte er sich eventuell beim Verzehr des Fleisches vergiften können.

Dass Trude tatsächlich geschlachtet wurde, für diese Theorie könnte das Messer sprechen, das Kati Horns Mann später am Tag noch auf der Weide fand. „Vielleicht hat sie jemand für den Schulanfang gebraucht?“Diese Vermutung liege nahe, weil am Tag nach Trudes Verschwinden, es war Sonnabend, der 17. August, viele Familien Einschulung feierten.

Leute bitte kräftig teilen mir wurde die nacht aus meinem Schafstall ein Lamm geklaut. Damit ich dieses sch... bekomme...

Gepostet von Kati Horn am Freitag, 16. August 2019

Suchaktion in der Umgebung und im Internet

Kati Horn wischt zum letzten Foto von Trude auf ihrem Smartphone. „Ich habe aber immer noch die Hoffnung, dass sie irgendwo auf der Weide steht oder verkauft wurde und ich sie zurückbekomme“, sagt Horn. Sie probiere alles, fahre zu anderen Züchtern, die Trude vielleicht unwissentlich aufgekauft haben.

Vielleicht gebe es auch einen Fleischer, dem aus dem Bekanntenkreis ein Schaf zum Schlachten angeboten wurde – ohne dass er weiß, woher das Tier stammt. In einem Aufruf, der über Facebook läuft, hat Kati Horn nun sogar eine Belohnung ausgesetzt: „Ich bin auch bereit, 500 Euro zu zahlen, wenn mir jemand einen Tipp gibt.“

Wer einen Hinweis hat, kann sich an die Polizei oder die OAZ wenden. Über der Schnauze hat Trude einen braunen Fleck, außerdem viele Leberflecken und ausgedünntes Fell am Hals.

Trude ist mittlerweile fünf Monate alt. So sah sie, bevor sie verschwand, aus. Quelle: privat

Von Manuel Niemann

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