Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Wolf reißt erneut Hirschkuh im Tiergehege Schöna – Kalb verwaist
Region Oschatz Wolf reißt erneut Hirschkuh im Tiergehege Schöna – Kalb verwaist
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:19 17.10.2019
Walter Sahlbach füttert die verbliebenen Tiere im Tiergehege Schöna: Nach dem neuerlichen Wolfangriff gibt es nur noch einen Hirsch, zwei Kühe und drei Kälber. Quelle: Manuel Niemann
Schöna

Walter Sahlbach ruft, doch die Tiere kommen nicht: „Da ist doch was faul! Sonst, wenn ich komme, sind sie gleich da. Sie trauen dem noch nicht ganz.“ Nur zögerlich nähert sich das Rothirschrudel im Tiergehege Schöna, als er es zum Futter ruft. „Na, komm!“

Das liegt einerseits am Fotografen, der mit ihm im Gatter ist, andererseits sind die Tiere seit dem letzten Wochenende sichtlich scheuer: „Jetzt ist der Wolf ist zum zweiten Mal da gewesen“, beschreibt Sahlbach nüchtern, warum das so ist. Am vergangenen Freitagabend entdeckte eines der Vereinsmitglieder, die sich ehrenamtlich um das Tiergehege kümmern, dass erneut ein Raubtier im Cavertitzer Ortsteil Beute geschlagen hatte. Der alte, mit zwei Metern Höhe als wolfssicher geltende Zaun wurde wieder umgangen. „Der Zaun ist überall eingewachsen, normalerweise ist er dicht“, sagt Sahlbach.

Untergrabungsschutz ist bereits geplant

Während Fördermittel noch ausstehen, um als Untergrabungsschutz ein stromführendes Kabel rund um das Gehege zu verlegen, schlug ein Wolf erneut zu. Anders als beim letzten Mal, als sich vermutlich mehrere Wölfe von Osten her durch den Moorboden unter dem Zaun durchgruben, vermutet Sahlbach dieses Mal ein Einzeltier.

Das sei vermutlich durch den Ort über einen benachbarten Garten gekommen und habe dabei gleich zwei Zäune überwunden. Im Gehege tötete er dann eine der verbliebenen Hirschkühe, fraß sie aber kaum an: „Die, die er erlegt hat, hat sich das letzte Mal schon vor die Kälber gestellt“, beschreibt Sahlbach. „Damals ist sie noch davon gekommen. – Die sah aus!“, erinnert er sich. „Am Bauch war das Fell weg und ein Ohr halb abgerissen.“

Nach dem ersten Angriff Ende Februar 2019 verblieben dem Verein Tiergehege Schöna drei Rothirschkühe. Quelle: Frank Hörügel

Ende Februar bereits erste Attacke auf Tiergehege

Bei der letzten Attacke wurden zwei Jungtiere „restlos ausgeschlachtet“, sagt er, eine weitere Hirschkuh überlebte ebenfalls nicht. Auch damals war das Dam- und Schwarzwild direkt nebenan nicht betroffen. Vielleicht, meint Sahlbach, weil dort ein stattlicher Keiler und ein älterer Hirsch Wölfen Paroli bieten könnte – anders als der erst dreijährige Rothirsch.

Stattdessen erwischte es erneut ein weibliches Tier. Vanessa Ludwig, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Fachstelle Wolf bestätigt auf OAZ-Anfrage, dass die Kuh „mit hinreichender Sicherheit“ von einem Wolf getötet worden sei. Cavertitz zähle zum Einzugsbereich des Dahlener-Heide-Rudels.

Verwaistes Kalb wird derzeit nicht gesäugt

Es ist möglich, dass der Riss weitere Folgen für die Schönaer hat: „Wir haben nun das Problem, dass die Hirschkuh ein Junges hatte. Die anderen Kühe lassen es nicht saugen. Nun geht es vielleicht auch noch kaputt“, fürchtet Sahlbach. Die Tiere seien so aufgescheucht, dass auch die Flaschenaufzucht als Ersatz ausfalle.

Den Kadaver holten sie per Hubarm aus dem Gehege. „Aber wo hin mit dem toten Tier?“ Sahlbach scherzte böse, es anzuhängen und vor der Gemeinde zu platzieren. „Dass es alle sehen.“ Zynismus gegen Hilflosigkeit. Stattdessen deckten sie es natürlich ab und informierten die Fachstelle, die es tags darauf begutachtete.

Zweifel an Fortbestand des Tiergeheges

„Wir sind elf Mann, mit einem Vereinsbeitrag von 50 Euro pro Jahr können wir nicht viel machen“, beschreibt er die Situation der Ehrenamtlichen. Die müssen nicht nur mit ansehen, wie ihr Rotwild Stück für Stück dezimiert wird. Am Gelände, das Ende 1970er Jahre aufgebaut wurde, ist immer etwas zu tun. Auch Futter sei knapp und der Verein müsse förmlich um Spenden betteln.

„Es gibt ja kaum noch einen Sponsor. Früher war das die LPG, die Melioration hat den Teich gebaut, die hat das nicht gejuckt.“ Dabei ziehe das Gelände durchaus Besucher an. „Das ist ja nicht für uns selbst, sondern gemeinnützig. Für viele, die aus der Stadt kommen, ist das ein Anziehungspunkt.“ Die Schönaer nehmen dafür keinen Eintritt, der Zugang ist frei und nicht nach außen abgezäunt – ein realsozialistisches Überbleibsel, das auch ein bisschen Verhängnis ist.

Denn, wenn sich nichts ändere, befürchte er, sagt Sahlbach, dass das Gehege einmal ganz aufgegeben werden müsse. „Zehn Mann können das nicht halten, ich bin der einzige Rentner, die anderen müssen auch alle arbeiten“, sagt der 69-jährige.

Von Manuel Niemann

Die Eilenburger Künstlerin Anke Jahn präsentiert in der Agentur für Arbeit in Oschatz ihr Werk. Dort wird es noch bis April 2020 zu sehen sein. Initiiert durch den Torgauer Kunst- und Kulturverein Johann Kentmann, ist es die 25. Schau in den Räumen.

17.10.2019

Ein Dieb hatte es am Mittwoch in Mügeln auf das Portmonee einer 79-Jährigen abgesehen. Doch er bekam etwas auf die Finger ...

17.10.2019
Oschatz RB-Fußball-Camp in Borna Eine Ferienwoche am Ball

Premiere in Borna: Erstmals macht hier das Fußball-Camp der Rasenballer Leipzig Station. Die Nachwuchskicker, die hier teilnehmen, kommen natürlich vom SV Borna, aber auch einer Reihe benachbarter Vereine.

17.10.2019