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Oschatz Zeitreise beim Klassentreffen in Mügeln – 66 Jahre nach dem Schulabschluss
Region Oschatz Zeitreise beim Klassentreffen in Mügeln – 66 Jahre nach dem Schulabschluss
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17:02 11.08.2019
Wolfgang Galinsky (3.v.r.) erzählt seinen ehemaligen Mitschülern wie sich die Mügelner Feuerwehr entwickelte. Da braucht Wehrleiter Ingo Fischer (r.) nach seiner Begrüßung nicht viele Worte verlieren. Quelle: Bärbel Schumann
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Mügeln

Vor 66 Jahren haben die heute 79- und 80-Jährigen die Mügelner Goethe-Schule abgeschlossen. 1978 traf man sich im „Stadtcafe“ zum ersten Mal zum Klassentreffen wieder. In den letzten Jahren fanden die Treffen aller zwei Jahre statt. „Wir werden ja nicht jünger, aber dafür immer weniger“, begründet Brunhilde Scholz von den Organisatoren. 1945 eingeschult, lesen sich die Biografien der Frauen und Männer wie ein Geschichtsbuch. Anlass, beim Klassentreffen den Gesprächen zu lauschen.

Kleine Schultüten mit Keksen

Ein Klassenfoto kreist in der Runde an der Tafel. 1949 entstand es. Aufgereiht stehen 40 Mädchen und Jungen mit ihrem Lehrer Herrn Peukert. „So brav wie wir hier stehen, waren wir gar nicht“, bemerkt einer der am Tisch sitzenden Senioren. „Da hat man schon gemerkt, wo der Vater zu Hause nicht mehr oder noch nicht wieder da war“, sagt Brunhilde Scholz. Mit anderen Klassenkameraden aus Mügeln organisiert sie seit 1978 die Klassentreffen. Sie alle eint, im September 1945 nach dem 2. Weltkrieg wieder in friedlichen Zeiten eingeschult zu sein. „Unsere Schultüten waren klein und aus heutiger Sicht sehr beschaulich gefüllt. Viele hatten Kekse darin. Das war etwas Besonderes und wir haben uns damals sehr darüber gefreut“, erinnert sich Rosmarie Konetzke.

Biografien wie Geschichtsbücher

Sie und die anderen 17 zum Treffen gekommenen ehemaligen Mügelner gehören einer Nachkriegsgeneration an, die Hunger kannte, die zum Teil die Heimat verloren hatte, die sich keiner Arbeit zu schade war oder die auch die sich bietenden Chancen für die Verwirklichung ihrer Träume und Wünsche nutzte. Ihre Biografien, ihre Erlebnisse „lesen“ sich wie Geschichtsbücher.

Lehrerin erkundigt sich nach Mitschülern

„Was macht Wolfgang Hanns, was macht….“, viele Namen fallen Isolde Neumann ein, nach denen sie sich bei den noch immer in Mügeln wohnenden Mitschülern erkundigt. Namen von Menschen, die jetzt um die 70 sind. Sie alle seien einst ihre Schüler gewesen, als sie in Sornzig und Neusornzig Lehrerin war. „Wir gehören zu den ersten Jahrgängen, wo man nach der 8. Klasse auch noch weiter zur Schule gehen konnte. Ich habe das genutzt, später Abitur gemacht und wurde Lehrerin für Deutsch und Russisch“, erklärt die energisch wirkende Frau. Ein Eindruck, den sie später bekräftigt, denn ihre Schüler hätten damals zwar Respekt vor ihr gehabt, aber man hätte gern auch mal etwas gegen sie im Schilde geführt, denn wer keine Hausaufgaben vorweisen konnte, der habe sich auf etwas gefasst machen müssen.

Brötchen mit Wurst Anreiz für Unterricht

Als zur Kaffeetafel der Kuchen gebracht wird, erinnert sich der Mügelner Hans-Jörg Blumentritt daran, dass es jeden Tag ein Roggenbrötchen für die Schüler gab. Später sei die Schulküche im Erdgeschoss der Goethe-Schule entstanden. Und weil dort sonnabends nicht gekocht wurde, gab es für jedes Kind ein Brötchen mit Wurst. Für manchen sei das Anreiz gewesen, sonnabends zum Unterricht nicht zu fehlen.

Acht Schuljahre haben sie gemeinsam verbracht, ehe mancher weiter die Schulbank drückte und der Rest eine Lehre begann. „An unseren Schulabschluss erinnere ich mich besonders, da sind wir von Wermsdorf aus eine Woche lang von einem Ort zum anderen gewandert. Übernachtet wurde auf Strohsäcken in Schulen. Von Colditz aus ging es mit der Bahn wieder nach Hause“, blickt Brunhilde Scholz zurück. Sie standen später als Handwerker, Zahnärztin, Lehrer, Verkäuferin, Ökonom, Behördenmitarbeiter, Schlosser, Fleischer und in anderen Brachen ihren Mann oder ihre Frau.

Einige leben fernab der Heimat

Nicht jeder blieb damals in der DDR. Kein Wunder, denn durch Vertreibung verschlug auch viele Familien in unterschiedliche Gegenden. Andere verließen aber auch die Heimat, weil sie etwas von der Welt sehen wollten. Zu ihnen gehört Siegfried Damisch. In der ehemaligen Fleischerei Seltner lernte er nach der Schule Fleischer, später in Leipzig Koch. Es verschlug ihn nach dem Westen. Fleischer und Koch – ideal, um auf Passagierschiffen zu arbeiten. So sah Damisch mit 22 Jahren fast die ganze Welt und durfte für die Passagiere der ersten Klasse auf der „Bremen“ sorgen. Er lebt in Bielefeld als erfolgreicher Unternehmer mit einer Fleischereikette, die sogar im Herzen Berlins präsent ist. „Beim ersten Klassentreffen hat er einen Kofferraum voller Spezialitäten mitgebracht, die dann auf die Tafel im Stadtcafe kamen“, bemerkt eine der Frauen in der Runde.

Führung in der Feuerwehr

Dann kommt die Stunde von Wolfgang Galinsky, als es zum Feuerwehrdepot geht. Stadtwehrleiter und Stadtrat Ingo Fischer wartet hier, um die Frauen und Männer durch die alte und neue Feuerwehr zu führen. Die Männer interessiert besonders die Entwicklung der Technik. Doch Fischer bleibt nach der Begrüßung stumm, dafür erklärt Mitschüler Galinsky. Er kennt sich hier aus, trat 1961 der Mügelner Wehr bei und gehört der Altersabteilung an. Beim Verweilen auf der Feuerwehrbank kommen aber auch Erinnerungen auf, als der Platz noch Löcher hatte, hier gebolzt wurde. Zurück im Lokal werden Fotos betrachtet, Geschichten von Familien und der Zeit in Mügeln erzählt. Aber auch die Hiergebliebenen müssen Fragen beantworten, was aus Freunden, Firmen, Nachbarn wurde. Und man ist sich nach einem Spaziergang einig: Die Heimatstadt hat sich gemausert, ist in den letzten Jahren immer mehr sehens-, und liebenswert geworden.

Von Bärbel Schumann

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