Nach den neuerlichen Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte in Leipzig, Berlin und anderen deutschen Städten zu Silvester hat der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) ein härteres Vorgehen gegen die Täter gefordert.
Das im vergangenen Jahr vom Bundestag verabschiedete Gesetz müsse konsequent angewendet werden, sagte er am Montag in Dresden. Danach könnten tätliche Angriffe mit mindestens drei Monaten Freiheitsstrafe geahndet werden. „Wer Rettungskräfte attackiert, greift unseren Rechtsstaat und die Demokratie an.“
Bei der Beweissicherung könnten laut Wöller die sogenannten Body-Cams helfen, die mehrere Länder gerade testen. „Wir sollten diese Form der "Beamtensicherung" schnell ausweiten und flächendeckend einsetzen - zumindest in Gebieten, wo es immer wieder zu Angriffen kommt.“
Insgesamt "ruhiger Jahreswechsel"
Vor allem in Leipzig hatte es in der Silvesternacht Vorfälle gegeben. Andernorts hatte es die Polizei vorwiegend mit Körperverletzungen, Bränden und Sachschaden zu tun. "Es war ein ruhiger Jahreswechsel", hieß es aus dem Lagezentrum des Innenministeriums. Auch in der Landeshauptstadt lief es störungsfrei. Die Polizei zählte gut 300 Vorfälle: Schlägereien, beschädigte Abfallcontainer und Automaten, Brände von Gebüsch und Balkon. Zudem wurden mehr als 400 nicht zugelassene Raketen und Böller beschlagnahmt. In Ostsachsen musste die Polizei auch Familienstreitigkeiten schlichten und Ruhestörungen beenden.
In Radeberg (Landkreis Bautzen) warf ein Unbekannter einen Böller in eine Menschengruppe und verletzte eine 38-Jährige, in einem Haus in Löbau (Landkreis Görlitz) entzündeten sich offenbar die im Keller deponierten Reste des Silvesterfeuerwerks. Das Gebäude wurde evakuiert, bei drei 75, 78 und 96 Jahre alten Bewohnerinnen bestand Verdacht auf Rauchgasvergiftung. Zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus. In Brand-Erbisdorf (Mittelsachsen) wurde eine 50-Jährige durch eine Silvesterrakete verletzt, die nach Angaben der Chemnitzer Polizei von einem betrunkenen 30-Jährigen abgefeuert wurde. Gegen den Mann lag ein anderweitiger Haftbefehl vor.
Verletzte und brennende Autos
In Thum (Erzgebirgskreis) beschädigte eine Rakete das Dach und die Seitenwände eines Buswartehäuschens, in Aue, Schwarzenberg und Olbernhau setzte Feuerwerk geparkte Autos in Brand. Bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers in Zwickau am Neujahrsmorgen wurden drei Männer schwer verletzt. Der große Böller war nach Angaben der Polizei in der Hand eines 50-Jährigen hochgegangen. Er und zwei in der Nähe stehende 49 und 61 Jahre alte Männer, die schwere Kopfverletzungen erlitten, kamen ins Krankenhaus.
In Elsterberg (Vogtlandkreis) sorgten Unbekannte für einen Ausfall des Digitalfunknetzes. Sie waren in die Basisstation eingedrungen, auf den Funkmast geklettert und hatten dort Raketen gezündet. Dabei fingen die verlegten Kabel Feuer.
Von LVZ