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Polizeiticker Chemnitz-Prozess: Hauptzeuge lässt viele Fragen offen
Region Polizeiticker Chemnitz-Prozess: Hauptzeuge lässt viele Fragen offen
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18:48 20.05.2019
Der Angeklagte im Chemnitz-Prozess. Quelle: Matthias Rietschel/Reuters Pool/dpa
Dresden

Er ist die zentrale Figur für die Anklage im Chemnitz-Prozess - doch Younis Al N. (30) kann am Montag nichts Wesentliches zur Aufklärung beitragen. Daran ändert auch ein Videomitschnitt einer früheren Aussage nichts. Im Laufe seiner nunmehr dritten Vernehmung wirkt der libanesische Döner-Koch, der die tödliche Messerattacke auf Daniel H. (35) am 26. August 2018 laut Polizeiprotokollen beobachtet haben will, sichtbar nervös und widerspricht sich. „Es war nur ein Knäuel“, berichtet Younis Al N., „ich habe Farhad am Boden gesehen, dann ist er wieder aufgestanden und auf die Leute losgegangen.“

Hauptverdächtiger ist auf der Flucht

Möglicherweise könnte sich dieser Montag später als entscheidender Tag im Chemnitz-Prozess erweisen, der vor gut fast zwei Monaten aus Sicherheitsgründen in Sachsens einzigem Hochsicherheitstrakt in Dresden begonnen und seitdem nahezu auf der Stelle getreten hat. Mit Alaa S. (23) ist ein Asylbewerber aus Syrien angeklagt, auf Daniel H. eingestochen zu haben. Ihm wird unter anderem gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen, weil bis heute unklar ist, wessen Messerstiche tödlich gewesen sind.

Der als Hauptverdächtiger geltende Farhard A. (22) ist auf der Flucht und soll sich in den Irak abgesetzt haben. Daneben ist ein weiterer Verdächtiger namens Said untergetaucht. Bislang konnte keiner der Zeugen, die sich im Umfeld von Daniel H. aufgehalten hatten, Alaa S. wiedererkennen. Von ihm haben sich weder am mutmaßlichen Tatwerkzeug noch an der Kleidung des Getöteten DNA-Spuren finden lassen - diese möglichen Indizien fallen für einen Schuldnachweis aus. Die Anklage basiert wesentlich auf den früheren Schilderungen von Younis Al N., der quasi als Kronzeuge gilt. Im nunmehr gezeigten Video demonstriert er die Auseinandersetzung.

Übersetzung sorgt für Verwirrung

Beim Prozess am Montag lässt der Döner-Koch, der seit mehr als einem Monat wegen möglicher Bedrohungen in einem Zeugenschutzprogramm steht, allerdings viele Frage offen. Auch an einem Vor-Ort-Termin in Chemnitz, den das Gericht anberaumt hat, will er sich im Juni nicht beteiligen. Zudem sorgt die Übersetzung des arabischen Wortes Darabo für Verwirrung: Laut Polizeiprotokoll wurde „stechen“ festgeschrieben - am Montag bestätigen aber mehrere Beteiligte, dass es korrekt „schlagen“ heißen müsste. Genau das macht jedoch für die Anklageschrift einen wesentlichen Unterschied.

Zeuge: Angeklagter ist „anständiger Mensch“

Allgemein lautet der häufigste Satz von Younis Al N. an diesem wichtigen Verhandlungstag: „Ich erinnere mich nicht.“ Zum Angeklagten selbst bestätigt er dagegen das Protokolll: Der als Frisör arbeitende Alaa S. habe kein Messer bei sich getragen, sei ein „höflicher Mensch“ und „anständig“ - nicht so wie die anderen, „die mit Drogen dealen“.

Die Rechtsanwältin Ricarda Lang, die den Hauptbelastungszeugen am Montag, vier Stunden lang befragt, zieht am Abend dieses zähen Prozesstages ein ernüchterndes Fazit: „Die Verteidigung schätzt den Beweiswert gegen null ein.“ Unter den etwa 30 Zuschauern und Prozessbeobachtern scheint sich ebenfalls diese Meinung zu verfestigen: Immer wieder werden Aussagen - beziehungsweise deren Verweigerung - mit Kopfschütteln quittiert. Sächsische Justizkreise hatten die Anklageschrift im Vorfeld bereits als „dünn“ bewertet.

Von Andreas Debski

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