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Polizeiticker Nach Verpuffung in Bergwerk: Alle Kumpel gerettet
Region Polizeiticker Nach Verpuffung in Bergwerk: Alle Kumpel gerettet
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15:54 08.11.2019
Bergleute verlassen den Schacht der Grube in Teutschenthal. Bei einer Verpuffung in der Bergbaugrube Teutschenthal (Saalekreis) sind am Freitag zwei Menschen verletzt worden. Quelle: Holger John/dpa
Teutschenthal

Nach einer Verpuffung in der Grube Teutschenthal bei Halle sind alle Bergleute gerettet worden. Die Detonation ereignete sich nach Angaben der Polizei kurz nach 9 Uhr. In dem Versatzbergwerk werden Hohlräume eines ehemaligen Kalistollens verfüllt.

„Zwei Personen wurden nach jetzigem Stand verletzt“, erklärte eine Unternehmenssprecherin am Vormittag auf Anfrage von LVZ.de. Ein Kumpel sei dabei schwer verletzt worden. Die Arbeiter sind in das Krankenhaus Bergmannstrost nach Halle gefahren worden. Es bestehe keine Lebensgefahr.

Bei den Mitarbeitern handelt es sich um einen 44 Jahre alten Polen und einen 24-jährigen Deutschen. Der polnische Bergmann habe durch herumfliegendes Gestein Verletzungen im Gesicht erlitten. „Beide Mitarbeiter konnten aber selbstständige laufen“, sagte Erik Fillinger, technischer Geschäftsführer des Grubenbetreibers GTS.

Ursachensuche in Teutschenthal

Die Ursache für die Verpuffung ist noch unklar, so Fillinger. Vermutlich habe ein explosives Gasgemisch die Erschütterung ausgelöst. „In dem Filterstaub ist auch Wasserstoff enthalten“, sagte Fillinger.

Es sei Entwarnung gegeben worden. Nun würden Experten des Landesbergamts am Freitag unter Tage fahren und mit Untersuchungen beginnen, sagte der Abteilungsleiter Bergbau, Uwe Schaar, in Halle/Saale.

Die üblichen Arbeiten in der Grube würden so lange ruhen, bis die Ursache geklärt sei. Wie lange das dauern werde, könne noch nicht gesagt werden. Die Polizei prüfe zudem, ob jemand fahrlässig oder gar vorsätzlich gehandelt habe.

38 Menschen unter Tage

Nach Angaben des Betreibers GTS, der zur Geiger-Gruppe aus Oberstdorf gehört, befanden sich zum Zeitpunkt der Erschütterung 38 Menschen in rund 700 Metern Tiefe unter Tage. Die Verpuffung habe in einem kleinen Bereich einen Damm am Schacht Teutschenthal zerstört. Dabei seien die zwei Arbeiter verletzt worden, die im unmittelbaren Umfeld mit Verfüllaufgaben beschäftigt waren.

Die anderen 36 Kollegen befanden sich in der Nähe von Angersdorf in einem anderen Abschnitt des Stollens. Sie retteten sich selbstständig in einen Sicherheitsbereich. Dort seien sie mit Sauerstoff versorgt worden, sagte ein Sprecher des Landesbergamts in Halle am Freitag. Sie wurden später über den intakten Schacht an die Erdoberfläche gebracht. Für die Grube gebe es spezielle Sicherungs- und Rettungsszenarien, so Schaar.

Das Versatzbergwerk in Teutschenthal. Quelle: Andreas Dunte

Laut Geschäftsführer Fillinger war keiner der Mitarbeiter im Schacht eingeschlossen oder verschüttet. Die Angehörigen der Bergleute seien bereits kurz nach dem Alarm über den Vorfall informiert worden. 14 Helfer der Grubenwehr waren im Einsatz. Sie gaben gegen 11 Uhr Entwarnung. Die Kumpel durften anschließend zurück ans Tageslicht.

Landesamt mit Problemen bei der Arbeit

Von „größte Schwierigkeiten“, ihrer Arbeit nachzukommen, berichteten die Geotechniker Uwe Berthold und Vera Böttge vom Landesamt für Geologie und Bergbau. Ausgelöst durch die Meldungen über das Unglück seien besorgte und aufgeregte Familienangehörige der Grubenmitarbeiter nach Teutschenthal geeilt, um Näheres zu erfahren. „Wir hatten alle Hände voll zu tun, die Angehörigen zu beruhigen.“

Auch Anwohner und Mitarbeiter von Behörden mussten beruhigt werden. Bis zu 70 verunsicherte Leute hätten vor den Toren der Grube gestanden. Viele seien vom Schlimmsten ausgegangen, eine solche Katastrophe habe aber nicht vorgelegen, so Böttge. „Es hat zu keiner Zeit eine Gefahr für die restlichen Mitarbeiter der Grube und für Anlieger gegeben“, sagte die Geotechnikerin.

Ehemaliger Kalistollen auf 14 Quadratkilometern

In dem Bergwerk arbeiten rund 100 Personen. Der Betrieb des Versatzbergwerkes dient dem Schutz der Tagesoberfläche, indem die durch den Kalisalzabbau unterirdisch entstandenen Hohlräume der ehemaligen Grube verfüllt werden.

Auf 14 Quadratkilometern Grundfläche bieten die unterirdischen Hohlräume eine Entsorgungsfläche für mineralische Abfälle, teilte GTS mit. Bis zum Jahr 1982 wurde 80 Jahre lang in Teutschenthal Kalisalz gewonnen.

Eine Abraumhalde des ehemaligen Kaliwerkes der Grube Teutschenthal. Quelle: ZBZB

Gebirgsschlag 1996

Für Aufsehen sorgte am 11. September 1996 ein Gebirgsschlag in Teutschenthal. Es wurde damals mit einer Stärke von 4,9 gemessen und war der bis dahin stärkste registrierte Gebirgsschlag. Die Erschütterung sorgte in Halle für zahlreiche Schäden. Viele Bewohner bemerkten die Detonation, weil bei ihnen Bücher oder Gegenstände aus Regalen fielen. Die Erschütterung wurde auch in Leipzig, Jena, Gera sowie vereinzelt in Dresden und Magdeburg verspürt.

Vor dem Eingang des Werkes erinnert heute noch ein Denkmal an das schwerste Unglück in dem Bergwerk. Im Jahr 1940 brach im damaligen Werk Krügershall ein Abbaufeld zusammen. Es kamen 42 Bergleute ums Leben.

Von Matthias Roth/Andreas Dunte/Josephine Heinze

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