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Polizeiticker Kälber zu klein und jung: Polizei zieht Tiertransport aus dem Verkehr
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Kälber zu klein und jung: Polizei zieht Tiertransport aus dem Verkehr

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16:01 29.07.2020
Viele der geladenen Tiere waren noch zu klein und jung. Quelle: PD Chemnitz
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Mittweida

Schon wieder haben Beamte der Polizeidirektion Chemnitz einen Tiertransport wegen gravierende Verstöße gegen unter anderem das Tierschutzgesetz aus dem Verkehr gezogen. Auf der S200 in Mittweida geriet am Montagabend ein Transport von Ostsachsen kommend mit Ziel Nordrhein-Westfalen und 169 geladenen Kälbern ins Visier der Polizisten. Bevor die Beamten überhaupt einen Blick auf die Tiere warfen, war bereits klar, dass der 49-jährige Fahrer die maximal zulässige Transportzeit nicht einhalten können wird. Doch damit begannen die Ungereimtheiten erst ihren Lauf.

„Als die fachkundigen Beamten die Ladeflächen daraufhin in Augenschein nahmen, stellten sie fest, dass die Tränken auf dem Lkw und dem Anhänger für die geladenen Kälber völlig ungeeignet waren“, heißt es in einer Mitteilung der Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz. Die Mehrzahl der Kälber sei noch nicht von ihren Muttertieren entwöhnt, die Tränken damit nicht nutzbar gewesen. „Noch besorgniserregender, unter diesen Kälbern waren einige Tiere, die noch nicht einmal 14 Tage alt waren und somit nicht hätten transportiert werden dürfen.“ Die obere Ladefläche des Lkw soll zudem viel zu knapp bemessen gewesen sein. „Zwischen dem Rücken der Tiere und der Laderaumdecke war kaum Platz, sodass die Kälber mit dem Rücken anstießen sowie der Luftaustausch für sie nicht gewährleistet war.“

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Kälber zu klein und Jung – Polizei zieht Tiertransport in Mittweida aus dem Verkehr

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Mit ihrer Kontrolle beendeten die Beamten wohl ein Martyrium für die noch jungen Tiere. Sie untersagtem dem Transport nicht nur die Weiterfahrt, sondern veranlassten zudem umgehend die Versorgung der Tiere. Im Beisein des zuständigen Amtsveterinärs fiel nämlich auf, dass viele der 169 Kälber dehydriert waren. „Sowohl der Amtsveterinär als auch die Kontrolleure gehen davon aus, dass die Kälber nicht erst seit Beginn des Transports in Ostsachsen bis zur Kontrollstelle an der S 200 unterversorgt waren, sondern womöglich länger nicht getränkt worden waren“, teilt die Polizei dazu weiter mit. Für die Tiere wurde deshalb umgehend Elektrolytlösung organisiert.

Letztlich durfte der Transport seine Fahrt fortsetzen – jedoch nicht mit voller Ladung: „Nach eingehender Begutachtung der Tiere entschieden Vertreter des Veterinäramtes nach Abwägung aller tierschutzrechtlichen Für und Wider, dass nicht alle 169 Kälber für den Weitertransport auf das Lkw-Gespann verladen werden durften.“ Die kleinsten sowie unter 14 Tage alten Tiere werden bis auf weiteres an der Sammelstelle des Landkreises versorgt, wohin die Kontrolleure den Transport zuvor umleiteten.

Nun laufen gleich mehrere Ermittlungsverfahren gegen den 49-jährigen Fahrer, den Organisator des Tiertransportes sowie die Verantwortlichen der Transportfirma. Vorgeworfen werden den Personen Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die Tierschutztransportverordnung sowie die Viehverkehrsordnung.

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Von André Pitz