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Polizeiticker Halle: Trauer und Kritik an Polizei nach Anschlag mit zwei Toten
Region Polizeiticker Halle: Trauer und Kritik an Polizei nach Anschlag mit zwei Toten
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11:41 10.10.2019
Ein Mann zündet eine Kerze auf dem Marktplatz in Halle an. Bei einem mutmaßlich rechtsextremen Attentat in der Saalestadt sind zwei Menschen getötet worden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Halle

Blutiger Anschlag in Halle: Offenbar hat ein Einzeltäter in der Saalestadt eine Frau und einen Mann erschossen, Sprengsätze geworfen und weitere Menschen verletzt. Nach ersten Informationen stammt der Täter, der ebenfalls verletzt wurde, aus der Nähe von Eisleben in Sachsen-Anhalt. Stephan B. soll 27 Jahre alt und Neonazi sein. Er soll sich „Anon“ nennen und antisemitisch motiviert gewesen sein, hieß es nach Angaben von Ermittlern. Seinen Angriff hat er gefilmt und ins Internet gestellt. Bis zum Mittwochabend ging die Polizei noch von mehreren Tätern aus, korrigierte dann aber diese Angaben.

Das Hauptziel war die jüdische Synagoge in Halle. Gegen 12 Uhr mittags fielen hier die ersten Schüsse, eine Frau wurde auf der Straße vor dem Gotteshaus tödlich getroffen – offenbar ein zufälliges Opfer, wie auf dem Video des Attentäters zu sehen ist, das der LVZ in Auszügen vorlag. In der Synagoge hielten sich zum Zeitpunkt des Anschlags etwa 70 bis 80 Menschen auf, die hier Jom Kippur (Versöhnungsfest) feierten – den höchsten jüdischen Feiertag, der als strenger Ruhe- und Fastentag begangen wird.

Die Leipziger Volkszeitung berichtete vom Tag in einem Liveticker. Weitere Informationen zum Attentat lesen Sie im Artikel weiter unten.

  • 09.10.19 19:46
    Wir beenden an dieser Stelle unseren Liveticker mit einem Bild des Gedenkens aus Halle.
  • 09.10.19 19:39
    Große Trauer in Halle: Hunderte Menschen kamen am Abend vor dem Roten Turm auf dem Marktplatz zusammen, um den Opfern des mutmaßlich rechtsextremen Anschlags zu gedenken. Ein Mann und eine Frau kamen dabei ums Leben.
  • 09.10.19 19:34
    Der mutmaßliche Todesschütze Stephan B. soll nach Angaben eines Nachbarn seines Vaters eine Wohnung in Halle haben. Demnach sei der 27-Jährige vor rund zehn Jahren aus dem Haus seines Vaters in Helbra bei Eisleben im Landkreis Mansfeld-Südharz ausgezogen. Die Mutter lebt demnach in dem gut zwei Kilometer entfernten Benndorf, wie der Nachbar, der seinen Namen nicht nennen wollte, in Helbra der dpa sagte. Zudem soll er diesen Aussagen zufolge eine ältere Schwester haben. Der Nachbar beschreibt die Familie als ruhig, der Täter soll viel zu Hause gewesen sein. Der Vater des Schützen wollte sich nicht äußern.
  • 09.10.19 19:15
    Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) trauert mit den Hinterbliebenen. Bei Facebook schreibt er: "Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Halles sind unsere Schwestern und Brüder. Ein Angriff auf sie ist ein Angriff auf uns alle."
  • 09.10.19 19:09
    Scharfe Kritik an der Polizei: Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, hat der Polizei eine zu langsame Reaktion beim versuchten Angriff auf die Synagoge vorgeworfen. „Die waren zu spät vor Ort“, sagte Privorozki in einem Video, das vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus auf Twitter veröffentlicht wurde. Mindestens 10 Minuten hätten sie gebraucht, als er angerufen und gesagt habe: „bewaffneter Anschlag gegen die Synagoge“.
  • 09.10.19 19:07
    Zum mutmaßlichen Attentäter Stephan B. sind weitere Details bekannt geworden: Der 27-Jährige soll sich in Neonazi-Kreisen „Anon“ genannt haben und aus antisemitischen Motiven gehandelt haben. Nach einem Bericht der Mitteldeutschen Zeitung soll B. aus Eisleben (Landkreis Mansfeld-Südharz) stammen. Die Ermittlungsbehörden bestätigten das bislang nicht. Aufgrund der Schwere der Tat hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich gezogen.
  • 09.10.19 18:59
    Trauer in Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm am Abend an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teil. Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) besuchte die Veranstaltung, bei der den Opfern des Attentats von Halle gedacht wurde.
  • 09.10.19 18:55
    Israelische Botschaft spricht von „brutalen Terroranschlägen“: In einer auf Facebook verbreiteten Erklärung zeigt sich die Botschaft in Berlin „geschockt und erschüttert von den brutalen Terroranschlägen heute Mittag in Halle, während jüdische Betende in den Synagogen in ganz Deutschland versammelt waren um Yom Kippur zu begehen, den heiligsten Tag im Judentum“. Die Botschaft dankte ausdrücklich den deutschen Sicherheitskräften. Man vertraue nun darauf, dass alle Maßnahmen ergriffen würden, um die Täter zu fassen und sie umgehend der Justiz zuzuführen.
  • 09.10.19 18:49
    Mit einem Gebet in der Marktkirche haben Christen in Halle der Opfer der Schüsse und der Angehörigen gedacht. „In dieser Stunde stehen wir zutiefst erschrocken und ‎traurig an der Seite der Menschen, die einen lieben Angehörigen oder Freund so grausam verloren ‎haben. Wir denken an die jüdische Gemeinde“, erklärte Hans-Jürgen Kant, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Halle-Saalkreis vor 40 Teilnehmern der Veranstaltung, die eigentlich dem Gedenken an die friedliche Revolution gewidmet war.
  • 09.10.19 18:43
    Das knapp 36 Minuten lange Video der Tat hat den Anschein, dass der Täter per Livestream mit Personen kommuniziert. Das Vorgehen ähnelt dem Ablauf des Anschlags von Christchurch in Neuseeland. Bei dem Anschlag auf eine Moschee Mitte März waren 51 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden. Dem mutmaßlichen Täter droht lebenslange Gefängnishaft. Er hatte den Anschlag mit einer Helmkamera live auf Facebook übertragen.
  • 09.10.19 18:39
    In den Helmkamera-Aufnahmen ist zu sehen, wie der Filmende vergeblich versucht, in die Synagoge an der Humboldtstraße zu gelangen. Die Tür bleibt allerdings verschlossen. Daraufhin schießt der Täter auf der Straße einer Passantin mehrfach in den Rücken, die ihn zuvor angesprochen hatte. Die Frau bleibt leblos neben dem Fahrzeug des Täters liegen. Es ist auch zu sehen, wie der Mann in Kampfmontur auf der Straße auf einen Mann zielt, seine Waffe hat aber wohl Ladehemmung. Das Opfer, vermutlich ein Kurierfahrer, kann unverletzt entkommen. „Pech“, sagt die Stimme des Filmenden. Der mutmaßliche Täter fährt danach mit einem Auto durch die Stadt. Er sagt immer wieder auf Englisch, dass er ein „Loser“ (Verlierer) sei. Bei einem Döner-Imbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße („Kiez-Döner“) steigt der Mann aus, geht in den Laden und schießt mehrfach auf ein Opfer. Anschließend schießt der Mann - so zeigt es das Video - auf eine Polizeistreife, die sich ihm in den Weg stellt. Der Mann berichtet an seine mutmaßlichen Livestream-Zuschauer, dass er am Hals angeschossen worden sei.
  • 09.10.19 18:36
    Zum Video der Tat sind inzwischen weitere Details bekannt geworden. Zu sehen ist ein junger Mann mit kahlem Schädel in Kampfmontur. Er trägt ein weißes Halstuch. Ein solches Halstuch hatte auch der vermummte Täter getragen, der auf Aufnahmen von den Tatorten zu sehen war.Das Video dokumentiert allem Anschein nach den Ablauf der Angriffe in Halle aus Sicht des Attentäters. Eine Version des Videos war auf der Streaming-Plattform Twitch zu sehen, wurde dort allerdings gleich wieder gelöscht.
  • 09.10.19 18:29
    Trauer beim Lichtfest in Leipzig: Die Feierlichkeiten wurden am Abend von den Ereignissen im benachbarten Halle überlagert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief zur Solidarität mit jüdischen Mitbürgern auf. Das Lichtfest, emotionaler Höhepunkt der Feierlichkeiten in Leipzig, begann mit einer Schweigeminute.
  • 09.10.19 18:18
    Bei Wiedersdorf/Landsberg in Sachsen Anhalt läuft noch immer ein Polizeieinsatz. Dort sollen bei der Festnahme des 27-jährigen Attentäters Schüsse gefallen sein. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei Halle.
  • 09.10.19 18:10
    Die Polizei bittet darum, keine Bilder und Videos der Tat im Netz weiterzuverbreiten. Das Helmkamera-Video von Stephan B. war nach Medienberichten auf der Streaming-Plattform Twitch zu sehen. Diese wird vor allem für Live-Übertragungen von Videospielen genutzt. Inzwischen ist das Video offline. Kopien davon kursieren aber in zahlreichen WhatsApp-Gruppen.
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Der Angriff in Halle richtete sich nach Angaben des Vorsitzenden der dortigen Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, direkt gegen die Synagoge. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, so Privorozki. Der Täter soll auch selbstgebastelte Sprengsätze vor die Synagoge gelegt haben. Als der Mann nicht in das Haus kam, hat er seine Pläne vermutlich geändert: Er schoss auf der Straße wahllos um sich, auch auf Menschen, die an einer Straßenbahnhaltestelle gewartet hatten.

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„Das sprengen wir“: Das Video-Protokoll von Halle

Ermittler durchsuchen Wohnung des Halle-Attentäters Stephan B.

Die Gläubigen konnten erst nach Stunden gegen 16 Uhr das Gotteshaus verlassen und wurden mit einem Bus unter hohem Polizeischutz in Sicherheit gebracht.

Schüsse in Dönerladen

Ebenfalls gegen Mittag fielen in einem Dönerladen weitere Schüsse. Ein Augenzeuge berichtete dem Sender n-tv von dem Angriff in dem Imbiss in der Ludwig-Wucherer-Straße, nur wenige hundert Meter von der Synagoge entfernt. Der mit einer Sturmhaube maskierte und mit einem Helm geschützte Mann habe demnach in das Schnellrestaurant geschossen und dabei wohl einen Handwerker getroffen.

Bei einem Attentat in Halle/Saale sind zwei Menschen getötet worden. Der mutmaßlich rechtsextreme Täter erschoss vor einer Synagoge eine Frau und in einem Dönerimbiss einen Mann. Der 27-Jährige wurde festgenommen.

Zudem habe der Attentäter versucht, einen Sprengsatz in den Laden zu werfen. Der sei aber vom Türrahmen abgeprallt und auf der Straße detoniert. „Es klang wie ein Böller“, berichtete der Augenzeuge. Offenbar flüchtete der Täter von Halle nach Wiedersdorf bei Landsberg. Auch dort fielen Schüsse.

Festnahme im Burgenlandkreis

Eine Festnahme meldete die Polizei dann gegen 14 Uhr. Der Zugriff soll in der Nähe von Weißenfels (Burgenlandkreis) erfolgt sein. Zu den Hintergründen der Tat gab es zunächst kaum offizielle Angaben. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm die Ermittlungen. Eine Sprecherin sagte, es gebe ausreichend Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund. Dafür sprächen die gesamten Umstände.

Die Stadt Halle hatte zwischenzeitlich von einer „Amoklage“ gesprochen. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) berief den Stab für außergewöhnliche Ereignisse ein, hieß es aus dem Rathaus. Die Behörden riefen Anwohnern auf, in ihren Wohnungen zu bleiben oder sich an sichere Orte zu begeben. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

Polizeischutz für Synagogen

Die Deutsche Bahn sperrte den Hauptbahnhof in Halle. Auch in Leipzig, wo am Abend das Lichtfest stattfand, hielt sich die Polizei in Alarmbereitschaft. Augenzeugen berichten von einem Hubschrauber über der Stadt. In Gohlis war zudem ein Räumpanzer der Polizei unterwegs. Berichten zufolge veranlassten mehrere Schulen im Leipziger Stadtgebiet, dass Eltern ihre Kinder aus Horten abholen. Die Vollversammlung des Stadtschülerrats im Neuen Rathaus wurde abgebrochen.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) sprach am Abend von einer „grausamen Tat.“ Zur Gewährleistung der Sicherheit sind im gesamten Freistaat Sachsen die Polizeidienststellen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Zudem wurde der Schutz jüdischer Einrichtungen ausgeweitet.

Am frühen Nachmittag wurde auch über einen Polizeieinsatz an einer Oberschule in Markranstädt berichtet. Hierbei handelte es sich allerdings um einen vorsorglichen Amokalarm, so die Beamten.

Von Matthias Roth, Josephine Heinze, Hanna Gerwig, Robert Nößler, Andreas Debski, Andreas Dunte und Bernd Lähne

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