Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Polizeiticker Gestoppte US-Haubitzen haben Raststätte bei Bautzen verlassen und rollen zum Manöver
Region Polizeiticker Gestoppte US-Haubitzen haben Raststätte bei Bautzen verlassen und rollen zum Manöver
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:30 12.01.2018
Musste über Nacht auf der Raststätte parken: Der Panzertransport in die Oberpfalz.
Musste über Nacht auf der Raststätte parken: Der Panzertransport in die Oberpfalz. Quelle: Tino Plunert
Anzeige
Bautzen/Leipzig

Die bei Bautzen festgesetzten Panzer der US-Army haben den Rasthof Oberlausitz-Nord in der Nacht zu Freitag wieder verlassen und setzten ihre Reise nach Hohenfels in der Oberpfalz fort. Zuvor war die Militärtechnik auf Ersatzfahrzeuge verladen worden. Seit Donnerstagsvormittag hatten polnische Spediteure, deutsche Sicherheitsbehörden und amerikanische Armeevertreter nach einer Lösung gesucht.

Die Polizei hatte den Transport der sechs jeweils knapp 25 Tonnen schweren Haubitzen vom Typ M109 „Paladin“ am Dienstag gestoppt. Eine Streife des Verkehrsüberwachungsdienstes bemängelte an der Raststätte Oberlausitz-Nord gleich eine ganze Reihe von Verstößen. So fehlten die Transportdokumente und die Ausnahmegenehmigungen ebenso wie die notwendigen Begleitfahrzeuge.

Die Ladung sei außerdem drei Meter breiter als erlaubt und zu schwer gewesen, teilte die Polizei mit. Teils waren die Tieflader um bis zu 16 Tonnen überladen, wie ein Sprecher sagte. Zudem hätten einige Fahrer schon unerlaubt lange hinterm Steuer gesessen. Die Haubitzer rollen nun im Huckepackverfahren wieder.

Damit verschwindet nun auch ein tagelanger Besuchermagnet von der Raststätte. Zahlreiche Schaulustige sahen sich immer wieder den Transport an und machten Fotos.

Für die Polizei war der Einsatz und die lange Parkzeit in Ostsachsen nichts Besonderes. „Es ist jetzt die Sache des Spediteurs nachzubessern, sonst bleiben die Panzer auf der Raststätte einfach stehen“, sagte Thomas Knaup, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz noch am Donnerstag. Platz sei auf der Raststätte schließlich ausreichend vorhanden.

Der polnische Spediteur muss sich neben den Scherereien auf ein saftiges Bußgeld gefasst machen. „Wir prüfen, gegen welche Tatbestände verstoßen wurde“, sagte der Sprecher der zuständigen Landesdirektion in Chemnitz, Gunter Gerick.

Nach Angaben der US Army stammen die „Paladine“ aus dem polnischen Torun (Thorn). „Die Einheit und ihre Ausrüstung sind nach Hohenfels zur Übung Allied Spirit VIII unterwegs, wo sie zusammen mit 4.100 Teilnehmern aus zehn Nationen vom 15. Januar bis zum 5. Februar an dem Training teilnehmen werden“, sagte Angela Kershner von der US Army Europe.  Im Anschluss sollen die Haubitzen ins oberpfälzische Gräfenwöhr weiter verlegt werden. Das Artilleriesystem feuert im Einsatz 155-Millimeter-Geschosse ab. Munition sei auf der Reise über die deutschen Autobahnen, die von Angehörigen der Militäreinheit eskortiert wurde, aber nicht transportiert worden.

Die USA hatten im vergangenen Jahr rund 1000 Soldaten auf das Gebiet des Nato-Partners Polen verlegt. Sie sind vor allem in Orzysz im Nordosten des Nachbarlandes stationiert. Damit wurde ein Beschluss des Nato-Gipfels aus dem Jahr 2016 umgesetzt. Mit dem Schritt sollte die Ostflanke der Nato gesichert und das Sicherheitsgefühl von Polen und den baltischen Staaten gestärkt werden, die sich von Russland bedroht fühlen.

Bei der Verlegung überquerten die US-Militärs damals bereits das Staatsgebiet von Tschechien und der Bundesrepublik. Und auch danach rollten die US-Militär quer durch Europa, wie Kershner bestätigte. „Militärische Ausrüstung der Vereinigten Staaten wird ständig von und nach Deutschland verlegt. Im Jahr 2017 nahm die US-Armee an über 100 Übungen mit unseren Verbündeten und Partnern teil, die Truppen- und Ausrüstungsbewegungen in ganz Europa erforderten“, sagte sie.

Matthias Roth