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Schkeuditz Azubis aus Leipzig und Schkeuditz reisen nach China
Region Schkeuditz Azubis aus Leipzig und Schkeuditz reisen nach China
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09:01 28.06.2019
Am Montag starten sie ihre weite Reise ins Reich der Mitte: Henry Vogel und Philomena Brunn. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig/Schkeuditz

Das ist eine bundesweite Premiere: Am 1. Juli reisen zwei Gastronomie-Azubis der Region für vier Wochen nach Shanghai, um dort ein Praktikum zu absolvieren. Initiiert wurde die Reise von der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert sie mit dem Programm „Ausbildung weltweit“.

Philomena Brunn ist Hotelfachfrau im zweiten Ausbildungsjahr im Fünf-Sterne-Hotel & RestaurantDon Giovanni“ in Kleinzschocher, Henry Vogel angehender Koch im zweiten Ausbildungsjahr im Schkeuditzer Restaurant „Holländische Mühle“. Beide wollen Gäste aus dem Reich der Mitte künftig besser umsorgen. „Ich will die chinesischen Kulinarien und die Arbeitsweise dort kennen lernen“, erzählt der 18-jährige Koch-Azubi. Außerdem interessiere ihn die Kultur und die Lebensweise der Chinesen. Die 24-jährige angehende Hotelfachfrau will ebenfalls ihre interkulturelle Kompetenz verbessern. „Ich will die Sitten kennen lernen, wissen was dort höflich ist und wie man am besten auf Chinesen zugeht“, sagt sie.

IHK: China gewinnt auch als Partner in der Ausbildung an Bedeutung

Die Industrie- und Handelskammer zu Leipzig begrüßt dies. „Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen zählen heute in vielen Berufen zu den Schlüsselqualifikationen – gerade im Gastgewerbe oder bei Unternehmen, die im Außenhandel aktiv sind“, betont dort Hauptgeschäftsführer Thomas Hofmann. „Für Ausbildungsbetriebe ist ein Auslandspraktikum zudem eine weitere Option, um sich im Werben um künftige Lehrlinge attraktiv aufzustellen.“ Gerade Chinas Bedeutung als Handelspartner wachse zusehends. „Es ist davon auszugehen, dass China auch als strategischer Partner in der beruflichen Ausbildung an Gewicht gewinnen wird. Das Land hat sehr großes Interesse – auch an der deutschen dualen Ausbildung und investiert derzeit in die Schaffung der Voraussetzungen.“

Bei der Organisation hat Eszter Csepe-Bannert geholfen. Die promovierte Wirtschaftspädagogin betreibt in Kleinzschocher eine kammerunabhängige Beratungsstelle für internationale Berufsbildungszusammenarbeit, die sich bereits ein solides Netzwerk an Kooperationsunternehmen aufgebaut und dadurch auf die weltweite Vermittlung von Praktika für Auszubildende und Ausbilder spezialisiert hat. „Die meisten wollen in Europa arbeiten, meist in englischsprachigen Ländern“, erzählt die überzeugte Netzwerkerin. China werde vor allem wegen der Sprachhürden bislang wenig gewünscht, obwohl die Kontakte mit dem aufstrebenden Land immer intensiver werden. „Die Auto- und Maschinenbauer nutzen China natürlich schon längst für Praktika ihrer Mitarbeiter, vor allem in ihren dortigen Niederlassungen“, sagt sie. Doch für Gastronomiebetriebe sei das noch nicht der Fall gewesen. „Weil die Chinesen mittlerweile Reiseweltmeister geworden sind, ist es umso wichtiger, dass auch die entsprechenden Angebote bei uns die chinesischen Bedürfnisse berücksichtigen. Es ist längst unumstritten, dass Gäste aus China kulturell eine spezifische Betreuung benötigen. Das kann nur jemand richtig gut, der die Kultur vor Ort kennengelernt hat.“ Wer in Deutschland chinesisch kochen und auf die kulturellen Besonderheiten eingehe, werde bald im Vorteil sein. „Und natürlich ist so ein Aufenthalt in Shanghai für die jungen Leute auch ein Erlebnis. Sie können einmal über den Tellerrand schauen und so den eigenen Horizont erweitern.“

Damit sich die jungen Leute das weit entfernte Praktikum leisten können, hat Eszter Csepe-Bannert Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung organisiert. Jeder der beiden erhält von dort jetzt 2400 Euro für Reisekosten, Unterbringung und Verpflegung; Flug- und Rückflug machen dabei für jeden 850 Euro aus. „Vor Ort ist das Leben nicht teurer als hier bei uns, die Aufenthaltskosten hängen aber natürlich auch vom eigenen Lebensstil ab“, meint die Mobilitätsberaterin im bundesweiten Netzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“. Kosten für ein Visum (160 Euro) oder eventuelle Impfungen kämen noch hinzu. Um die Reise zu finanzieren, haben die beiden Azubis in den vergangenen Monaten einen Teil ihrer Ausbildungsvergütung gespart. Weil diese auch während des Praktikums in China gezahlt wird, wollen sie auch diese Summen vor Ort nutzen.

Azubis sehen Aufenthalt als wichtige Weichenstellung

Beide betrachten das China-Praktikum als wichtige Weichenstellung in ihrem Leben. „Ich will Koch auf einem Kreuzfahrtschiff werden, am besten auf der ,Queen Elisabeth II’“, erzählt Azubi-Koch Vogel. „Dort steht viel Asien auf dem Programm – und da ist es gut, wenn man sich mit den Kulinarien und der Lebensweise auskennt.“ Hotelfachfrau Brunn will ihren Lebensplan in Europa verwirklichen. „Aber ich bin offen, vielleicht gefällt es mir auch in China“, sagt sie. Beide wollen allerdings Leipzig nicht für immer Lebewohl sagen: Vogel will einmal von seinen Eltern das Schkeuditzer Restaurant „Holländische Mühle“ übernehmen und weiterführen; Brunn meint, sie würde „vielleicht auch wieder nach Leipzig kommen“.

Obwohl das Bundesprogramm „Ausbildung weltweit“ für Praktika in China regelmäßig die höchsten Förderquoten gewährt, hat es bislang nur ein sächsischer Azubi aus Dresden genutzt.

Von Andreas Tappert

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