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Schkeuditz „Bombe konnte jederzeit detonieren“ – Blindgänger bei Dölzig gesprengt
Region Schkeuditz „Bombe konnte jederzeit detonieren“ – Blindgänger bei Dölzig gesprengt
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21:11 09.12.2019
Bombenfund bei Dölzig: Um die 250-Kilo-Bombe sprengen zu können, musste eine großräumige Evakuierung durchgeführt werden. Quelle: Michael Strohmeyer (l. & r.) / Dirk Knofe (m.)
Leipzig/Schkeuditz

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Montag für stundenlange Aufregung in Dölzig, Frankenheim und Rückmarsdorf westlich von Leipzig gesorgt. Die Fünf-Zentner-Bombe amerikanischer Bauart musste auf einem Feld nahe der Bundesstraße 181 kontrolliert gesprengt werden. Zurück blieb ein vier Meter tiefer und sieben Meter breiter Krater.

Schatzsucher hatten die Munition am Sonntag mit Metalldetektoren zufällig gefunden und in einem Meter Tiefe ausgegraben. Bis zu 3000 Betroffene mussten am Tag danach einen 1500 Meter großen Sperrkreis für mehrere Stunden verlassen. Sie kamen bei Bekannten und Verwandten unter oder nutzten eine von vier Notunterkünften.

„Problem war Ausbausperre am Zünder“

Es war von Anfang an ein Kampf gegen die Zeit. „Die Bombe konnte aufgrund ihrer Lageveränderung jederzeit detonieren“, erklärte Polizeisprecher Alexander Bertram. Am Morgen reiste zunächst Sprengmeister Jörg Lange vom Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Dresden nach Leipzig an und begutachtete die Lage vor Ort. Er entschied zügig: Diese Bombe lässt sich nicht wie der Blindgänger vergangene Woche im Leipziger Stadtteil Eutritzsch entschärfen. „Das Problem war eine Ausbausperre am Zünder“, erklärte Lange. Deshalb habe er das Bauteil nicht entfernen können, so der 57-Jährige weiter. Die beiden Schatzsucher hätten viel Glück gehabt. Die Bombe habe jederzeit explodieren können.

Vor der kontrollierten Sprengung vollzogen die Einsatzkräfte einen logistischen Kraftakt. Sprengmeister Lange erweiterte zunächst den Sperrkreis von anfangs 1000 Metern noch einmal um weitere 500 Meter. Die Folge: Der gesamte Schkeuditzer Ortsteil Dölzig, Frankenheim, einige Straßen von Lindenaundorf und auch Gebiete von Rückmarsdorf mussten evakuiert werden. Das dauerte mehrere Stunden. Für Kindergarten- und Schulkinder mussten ebenso Notunterkünfte organisiert werden, wie für bedürftige Anwohner. Sie kamen in der Diskothek Sax sowie in Schulen und Turnhallen unter.

Pferde und Tiger in Sicherheit gebracht

Der Reiterhof „Bienitzblick“ hatte eine besondere Aufgabe zu lösen. Dort untergestellte Pferde mussten mit Autoanhängern in Sicherheit gebracht werden. Reiterhof-Chef Karsten Eifert ärgerte sich vor allem über die Informationspolitik. Eigentlich sei schon am Sonntag klar gewesen, dass er seine Tiere in Sicherheit bringen müsse, ihm habe aber niemand etwas gesagt. Auch Raubkatzen-Trainerin Carmen Zander aus Dölzig verließ mit fünf Königstigern den Sperrkreis.

Die Sprengung der Fliegerbombe auf einem Feld bei Dölzig hielt mehrere Orte westlich von Leipzig stundenlang im Atem.

Die Sicherheitskräfte kontrollierten seit dem Mittag Straßenzug um Straßenzug. Sie mussten sicher sein, dass sich niemand mehr im Sperrkreis befand, bevor gesprengt wurde. Auch für die Helfer wurde es ein Wettlauf mit der Zeit. Eigentlich wollte Lange noch bei Tageslicht sprengen. Er setzte schließlich eine Grenzzeit von 17 Uhr. Wäre die Sprengung der Bombe bis dahin nicht beendet gewesen, hätten die Kampfmittelexperten am nächsten Tag einen Neuanlauf gestartet. Die Bewohner des Sperrkreises hätten dann die Nacht nicht zu Hause verbringen dürfen.

Die Freigabe für die Sprengung kam kurz nach halb fünf. Der Blindgänger detonierte um Punkt 16.47 Uhr. Der dumpfe Knall war bis in die Leipziger Innenstadt zu hören. Um 17 Uhr wurden alle Sperrungen wieder aufgehoben. Zurück bleibt der Bombenkrater. Er muss nun von der Stadt Schkeuditz wieder verfüllt werden.

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Von Von Linda Polenz, Michael Strohmeyer, Robert Nößler und Matthias Roth

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