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Schkeuditz Cargo Logic Germany hebt ab: Neue Schkeuditzer Airline nimmt Betrieb auf
Region Schkeuditz Cargo Logic Germany hebt ab: Neue Schkeuditzer Airline nimmt Betrieb auf
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18:29 02.10.2019
Der frisch gebackene Airlinechef Johannes Jähn vor einer der beiden Boeing 737, mit denen Cargo Logic Germany jetzt in Schkeuditz abheben will. Quelle: Foto: Sebastian Willnow/dpa
Schkeuditz

Auf diesen Tag haben die Piloten von Cargo Logic Germany (CLG) seit Monaten gewartet: Am Mittwoch nahm die vor einem Jahr neu gegründete Airline in Schkeuditz endlich ihren Betrieb auf – zumindest offiziell. Die Airline, die zum Umfeld des russischen Antonow-Betreibers Volga-Dnepr gehört, darf endlich abheben, und beging das mit einem kleinen Festakt. „Jetzt geht es los“, verkündete CLG-Chef Johannes Jähn. Der gebürtige Wittenberger, bis Juni Chef des Flughafens Leipzig/Halle, war erst im September an die Spitze der neuen Airline gewechselt.

Wirklich losgehen soll es aber erst kommende Woche. Voraussichtlich am Montag werde der erste Frachtflieger abheben, sagte Jähn. Wohin der erste Flug der neuen Airline gehen soll, wollte er noch nicht verraten. Nur soviel: Das Ziel werde schon im Ausland sein – und natürlich nicht in Amerika oder Asien. Denn soweit fliegen die zu Frachtern umgebauten Boeing 737, mit denen CLG an den Start geht, nicht. Der Fokus liege klar auf Europa.

„Das ist ein Bekenntnis zu diesem Standort“, sagte Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) bei der kleine Feier im Terminal. Eigentlich wollte sogar Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) als Redner kommen. Wegen der laufenden Sondierungsgespräche mit SPD und Grünen über eine Kenia-Koalition musste er aber kurzfristig absagen.

Start mit 40 Mitarbeitern und zwei Maschinen

40 Mitarbeiter hat CLG-Chef Johannes Jähn bereits an Bord, darunter 20 Piloten – 18 Männer und zwei Frauen. Die ersten beiden zu Frachtern umgebauten Boeing 737 waren bereits Anfang des Jahres in Schkeuditz angekommen, ein dritter soll in diesem Monat folgen, kündigte Jähn an. Und dabei soll es nicht bleiben: „Wir wollen unsere Flotte zügig vergrößern und sie binnen eines Jahres verdoppeln.“ Statt der demnächst drei geleasten Boeing 737 sollen dann bereits sechs Maschinen dieses Typs in Schkeuditz fest stationiert sein.

Die Belegschaft soll sogar noch schneller wachsen. „Wir werden weiter einstellen, insbesondere im Bereich Flugzeugbesatzung“, sagte Jähn. Das ursprünglich ausgegeben Ziel, zum Jahresende schon 80 Mitarbeiter an Bord zu haben, werde man aber wohl nicht ganz schaffen. „Das wird sich etwas nach hinten verschieben.“ In einem Jahr werde man aber bereits mehr als die bisher genannten 80 Mitarbeiter haben, zeigte sich Jähn zuversichtlich.

Drohen noch mehr Nachtflüge?

Ob man denn noch mehr Nachflüge befürchten müsse, wollte der Schkeuditzer Bürgermeister Rayk Bergner (CDU) wissen. Schließlich klagen die Anwohner schon jetzt über die vielen DHL-Flieger, die fast ausschließlich nachts abheben. Jähn wollte sich da nicht festlegen. „Das kann sowohl tags als auch nachts sein.“

Die Möglichkeit, rund um die Uhr zu fliegen, sei aber schon ein wichtiges Argument für die Standortwahl gewesen, räumte Jähn ein. „Wir haben die Standortentscheidung bewusst getroffen, weil dieser Standort zumindest die Möglichkeit bietet, sieben Tage die Woche rund um die Uhr zu fliegen.“ In welchem Umfang CLG das nutzen werde, sei aber noch offen. Zumindest für den ersten Flugtag kommende Woche gar er aber Entwarnung: Der Erstflug werde nicht nachts sein.

Langes Warten auf Betriebserlaubnis

Die Airline, die zum Umfeld des russischen Antonow-Betreibers Volga-Dnepr gehört, hatte erst vor drei Wochen vom Luftfahrtbundesamt die Betriebserlaubnis erhalten. Eigentlich wollte die Airline schon im Februar abheben. Doch die Prüfung durch die Behörde zog sich immer länger hin. Am 30. August war Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) dann mit der Ankündigung vorgeprescht, die Genehmigung werde nun kurzfristig erteilt. Zwei Wochen später lag sie dann wirklich vor. „An einem Freitag den 13.“, wie Jähn mit einem Augenzwinkern hinzufügte.

Die beiden zu Frachtern umgebaute Boeing 737, die seit Monaten in Schkeuditz auf ihren Erstflug warten, durften bisher nur ohne Fracht zu Testflügen abheben. Künftig sollen sie vor allem Expressfracht befördern und Waren für Online-Händler ausliefern. Denn dieses Segment wachse rasant, und es gebe gar nicht genügend Anbieter, um die Nachfrage zu befriedigen, erklärte Jähn. Mit den ersten Kunden habe man schon feste Verträge. Darunter seien auch „ein, zwei namhafte Anbieter“. Namen wollte Jähn nicht nennen. Ob der Versandriese Amazon dazu gehört, der in Leipzig/Halle bereits mit DHL zusammenarbeitet, ließ er offen.

DHL als möglicher Partner

Konkurrenz zu DHL sei die neue Airline aber nicht, betone Jähn, der als Flughafenchef zuvor den Ausbau des DHL-Hub Leipzig betreut hatte. Zwar sei CLG im selben Segment unterwegs wie DHL. „Aber so wie DHL wächst, gibt es genug zu tun.“ Denkbar sei sogar eine Zusammenarbeit mit der Post-Tochter. „Möglicherweise fliegen wir als Subunternehmer für DHL. Das ist für uns ein möglicher Kunde und kein Konkurrent.“ Zunächst werde CLG aber vor allem Charterflüge für Logistiker anbieten. „Wir müssen uns erst einmal das Vertrauen der Kunden erarbeiten.“

Für den Flughafen Leipzig/Halle ist es die dritte Airline, die hier ihre Heimatbasis hat – nach European Air Transport (DHL-Tochter) und Aerologic (Gemeinschaftsunternehmen von DHL und Lufthansa Cargo). Hinter CLG steht der russische Oligarch Alexej Isaikin, dem auch Volga-Dnepr gehört. CLG ist nach eigene Angaben aber nicht Teil der Volga-Dnepr-Gruppe, die in Schkeuditz mehrere Antonows stationiert hat. Jähn: „Wir sind völlig unabhängig von der Volga-Dnepr.“ Besonder stolz ist der Manager dabei auf die Funkkennung, die seiner Airline als Rufzeichen zugeteilt wurde: Saxonia. „Damit tragen wir den Namen Sachsen in die ganze Welt, werden per Funk überall mit Saxonia gerufen.“

Von Frank Johannsen

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