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Region Schkeuditz

Das sind die kuriosesten Ortsnamen in Sachsen

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17:45 02.11.2021
Von Frankenstein bis Oberzipfel: Was ist der kurioseste Ortsname in Sachsen?
Von Frankenstein bis Oberzipfel: Was ist der kurioseste Ortsname in Sachsen? Quelle: Stock adobe.com/Montage LVZ
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Sachsen

Frankenstein, Elend, Kuhschnappel und ein Mal Schwarzer Kater: Es gibt Orte und Ortsteile in sächsischen Gemeinden und Städten, die klingen abwegig bis makaber. Manchmal auch einfach irrwitzig oder so als ob jemand einen schlechten Scherz auf die dort Lebenden gemacht habe. Auch Kurioses lässt sich auf der sächsischen Landkarte entdecken – etwa dass Leipzig und Amerika nur etwas mehr als 50 Kilometer trennen.

Von Frankenstein bis Kuhschnappel – was sich in Sachsen an Kuriosem auf Ortsschildern wiederfinden lässt, haben wir hier versammelt.

Im Klang versteckt sich meist ganz andere Bedeutung

„Bei Sorge ist Elend nicht fern“ – was für den Harz stimmen mag, gilt in Sachsen hingegen nicht. Das sächsische Elend trennen etwa 230 Kilometer Luftlinie von am Brocken gelegenen Sorge. Dafür befindet es sich in guter und vor allem wohlklingender Nachbarschaft zu Oberhäslich und Niederpöbel – allesamt Ortsteile der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde.

Tatsächlich steckt im vermeintlichen Pöbel aber gar keine Schmähung einer bestimmten Bevölkerungsschicht, sondern vielmehr die lautmalerisch nachgeahmten Geräusche eines „rollenden, bubbernden oder auch brodelnden“ Flusses. Statt etwas besonders Unansehnliches versteckt sich im Namen Oberhäslich hingegen ein kleiner Busch: Auf Mittelhochdeutsch „hasel“, der ‚Haselstrauch’, der vermutlich damals an jener Stelle wuchs.

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Amerika in Sachsen ist ein Importprodukt

Und das besagte Elend dazwischen? Das klingt für heutige Ohren nur so betrüblich, sagen die Forschenden am Namenkundlichen Zentrum der Universität Leipzig, bei denen wir nachgefragt haben. Der Ort sei 1529 als „das forberg Elend“ erwähnt worden und komme damit vermutlich eher von dem mittelhochdeutschen Wort „ellende“, was sich mit ‚anderes Land’ übertragen lasse. Damit werde vermutlich schlicht eine Lage beschrieben, die damals noch außerhalb von Dippoldiswalde war. Auszuschließen sei es aber auch nicht, dass darin das frühneuhochdeutsche Wort „elend“ noch anklingt, was ‚kümmerlich’ heiße, aber sich dann von der Qualität des Bodens herleite.

Auch mit der vermeintlichen Exotik eines mitten in Sachsen liegenden Amerikas ist es schnell dahin, wenn sich klärt, dass der Name von einer 1836 gegründeten Baumwollspinnerei herrührt, die ihre Baumwolle überwiegend aus Amerika importierte. Dass die Arbeitskräfte auf dem Weg zur Fabrik einen nicht ganz so großen Teich – die Mulde – überqueren mussten, kann dazu beigetragen haben, dass sich der Name verfestigte, belegen, so die Namensforschung, lasse sich das aber nicht.

Forschung gibt Hinweise zur Namensherkunft

Woher ein Ort seinen Namen erhalten habe, könne man nicht generell beantworten, sagt Dietlind Kremer, Leiterin der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Erklärungen und Geschichten finden sich aber in dem von Ernst Eichler und Hans Walther herausgegebenen „Historischem Ortsnamenbuch von Sachsen“, das auch online zugänglich ist.

„So ist zum Beispiel Kuhschnappel eine Umdeutung eines altsorbischen Ortsnamens, der weder mit Kuh noch mit schnappeln etwas zu tun hat. Es ist mehr oder weniger eine Volksetymologie, weil das Ursprüngliche nicht mehr verstanden wurde.“ In einst „Consnapele“ oder „Consnapel“ steckt das sorbische Wort „kónc“, das wie im tschechischen „konec“ schlicht ‚Ende’ bedeutet – vermutlich bezeichnete es einfach ein etwas abseits gelegeneres Ortsende.

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Ortsnamen verändern sich kaum noch

Heute veränderten sich die Ortsnamen nicht mehr, sagt Dietlind Kremer, deren Graphie, also Schreibung, stehe fest. Aber fügt sie hinzu: „Im Eingemeindungsprozess wurden neue Namen für zusammengelegte Orte gebildet. Wobei wir froh waren, wenn man sich auf etwas Altbezeugtes einigen konnte. Da ich in dieser Kommission mitgearbeitet habe, weiß ich, dass auch irrwitzige Vorschläge gemacht wurden“, erinnert sie sich.

Etwa „Schwibbogenstadt“ oder auch „Apfelland“, „Sachsendreier“, „Sachsen-Glück“, „Höhe 9“ oder „Talsperrengemeinde“ standen damals zur Debatte. „Auf jeden Fall auch Brunnbröwitz, eine Verbindung von Ortselementen aus vier alten Ortsnamen: Bösenbrunn, Schönbrunn, Planschwitz und Bröda.“ Sie wurden abgelehnt. Welcher der bestehenden Namen ist Ihr Favorit? Stimmen Sie ab!

Von Manuel Niemann