Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Schkeuditz Schkeuditzer Metalhelden geben nach Jahren wieder ein Konzert
Region Schkeuditz Schkeuditzer Metalhelden geben nach Jahren wieder ein Konzert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:56 13.09.2019
Am Samstag im Tonelli’s: Factory of Art. Quelle: H. Joachim Lingelbach
Schkeuditz/Leipzig

Schkeuditz im wilden Wendeherbst. In einer Bretterbude an der Schkeuditzer Freilichtbühne lärmten ein paar Jungs. Sie wollten ihrem Kumpel Heiko „Flecke“ Flechsig instrumental helfen, ein Demo aufzunehmen, mit dem er sich und seine außergewöhnlichen Gitarrenkünste bei einschlägigen Metalcombos im Westen anpreisen wollte.

Flecke war besessen, vervollkommnete sich täglich an der Gitarre. Auskenner sahen ihn bald auf einer technischen Stufe mit dem seinerzeit gottgleich verehrten Flinkefinger Yngwie J. Malmsteen. In der Holzbaracke befand man zunächst, dass man es auch mit einer eigenen Band versuchen könnte. Ein Sänger war rasch gefunden, die Richtung auch: Klarer Riff-Metal sollte es werden, mit hohem Anspruch an die Songdramaturgie und -dynamik.

Das Debütalbum rechtfertigte alle Vorschusslorbeeren

Factory of Art gewannen rasch Aufmerksamkeit, die ersten Aufnahmen wurden unter Reglerführung von Alex Krull (Atrocity) realisiert. Beim damals stark gehörten Jugendradio DT64 spielten sie in einer Studio-Session, sogar im Jugend-Fernsehen gab es sie zu sehen. Der „Metal Hammer“, Zentralorgan des wahren Metal, sah in ihnen die sächsische Antwort auf Helloween und Queensrÿche. Noch vor dem ersten Album waren sie mehrfach mit dem schwer populären Grave Digger auf Tournee, es folgten weitere Szenegrößen.

Factory of Art 1997 in der frisch eröffneten Glashalle der Neuen Messe. Quelle: PR

1996 erschien endlich das erste Album „Grasp!“. Es rechtfertigte alle Vorschusslorbeeren und festigte ihren Ruf als innovativste Ostband im Sektor Progressive-Power-Metal. Der Stahl war heiß, er musste jetzt geschmiedet werden. Doch Zeitgeist und Umstände streuten Sand ins Getriebe. Beim späteren Marktführer AFM waren sie die zweite Band überhaupt. Die Company zahlte via Bandübernahmevertrag Studio und Produzenten, aber in München. Da ihre komplexen Ansätze nicht eben mal in einem Take auf Band gerotzt werden konnten, fuhren sie wochenlang immer wieder für einzelne wertvolle Studiostunden nach Bayern. Um dann erleben zu müssen, wie Labelchef Allendörfer (R.I.P.!) gerade mit Tobias Sammets „Edguy“ einen dicken Fisch an der Erfolgsangel hatte.

Factory of Art standen nicht mehr im Vermarktungsfokus. Dessen hätte es jedoch bedurft. Es war die Zeit des Grunge und des Crossover, der Thrash mutierte zum HC, Goth und Metal näherten sich, und Rammstein stießen plötzlich ganz neue Klangtore auf. Die Kunstfabrikanten aus Schkeuditz waren hoch motiviert, hörten überall begeistert zu und ließen sich inspirieren. Sie wollten weiter. Denn klassischer Power Metal, auch in anspruchsvoller Form, geriet ab Mitte der 90er zunehmend zum Nischenprodukt. Sie hatten viele Ideen, wie es weitergehen könnte. Aber nicht die eine, auf die sich alle einigen konnten.

Das zweite Album schien damals ein wenig aus der Zeit gefallen

Statt eines zweiten Albums schafften sie noch eine EP namens „Point Of No Return“, dann verließen Schlagzeuger Wolf, Sänger Gunter und Manager Marco die Band. Doch Bassist und Kreativ-Motor Ronald gab nicht auf. Fand einen neuen Sänger, Ausnahmekönner Flecke war noch eine Weile dabei, auch der zweite Gitarrist Joe F. Winter.

Der Klang des schließlich 2002 veröffentlichten zweiten Albums „The Tempter“ wird stark vom hoch musikalischen Keyboarder Ekky Meister bestimmt. Das Konzeptalbum präsentierte sich kraftvoll und melodienreich aus einem Guss, es ist aus heutiger Perspektive von bleibendem Wert. Damals aber schien es ein wenig aus der Zeit gefallen. Man hatte viel Herzblut investiert, danach war die Energie irgendwie raus. Das Projekt lief noch eine Weile weiter und schließlich sanft im Sande aus. Die Mitglieder waren in anderen Bands aktiv, etwa in erfolgreichen Cover-Kapellen wie „The Art Of Voices“, „Four Roses“ oder „Joe’s Company“ (deren 25-jähriges Bandjubiläumvor kurzem im Anker zum Benefiz für Bandchef Joewurde).

Zeit für eine Wiedergeburt

Als man sich vor einigen Jahren bei einer Geburtstagsfeier traf, wurde ein eigenes Tribute-Projekt geboren: Als „Factory Under Cover“ spielen sie bis heute eigene Versionen großer Metal-Klassiker. Irgendwann begann das sachkundige Publikum ihre eigenen Stücke zu fordern – die waren inzwischen Teil der Genre-Geschichte geworden. Sich selbst zu covern, schien dann doch ein wenig abwegig – Zeit für eine Wiedergeburt.

Die neuen alten Factory Of Art haben mit Gunter (auch Keyboards) und Petri zwei überzeugende, nämlich die originalen Sänger. Das macht im Bandklang viel möglich, vor allem können die Stücke beider Bandphasen glaubhaft rübergebracht werden. Mit Basser Ron, Gitarrist Thoralf und Drummer Ralle sind Musiker der letzten F.O.A.-Besetzung am Start, wenn bei Tonelli der Phoenix wieder aus der Asche steigen wird. Anheizen werden „Squealer“ aus Hessen, deren erster Sänger AFM gegründet und sie damals entdeckt hatte: Der Kreis schließt sich zu einem Ring. Aus Schwermetall natürlich.

Factory Of Art, Vorprogramm: Squealer, Samstag, 14. September, 20 Uhr, Tonelli’s, Neumarkt 9

Von Lars Schmidt

Promialarm in Schkeuditz: Am 25. September kommt Ilka Bessin, die Frau hinter Cindy aus Marzahn, ins Kulturhaus Sonne. Sie liest aus ihrem Buch „Abgeschminkt“ und beantwortet Fragen des Publikums.

13.09.2019
Schkeuditz Planungen für ein Jugendparlament Jugendrat in Schkeuditz nimmt Fahrt auf

Die Planungen zum Kinder- und Jugendrat in Schkeuditz schreiten weiter voran. Nun ist klar: Die Wahlen für das Jugendgremium sollen im November stattfinden. Mindestens sieben Bewerber sind nötig.

12.09.2019

Dorfansichten: Der Heimatverein Dölzig hat einen neuen Kalender herausgebracht. Zudem haben die Mitglieder am Dienstag den Schkeuditzer Bürgermeister zu Gast, der über den Schulneubau berichtet.

12.09.2019