Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Schkeuditz Schkeuditzer Hausmeister geht in Ruhestand
Region Schkeuditz Schkeuditzer Hausmeister geht in Ruhestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:42 15.02.2019
Cooler Typ mit Hut und Brille: Der gelernte Maschinenbauer Michael Höhnel war jahrzehntelang „Schuldiener“ in Schkeuditz, wie er sich selbst bezeichnet. Quelle: Foto: Michael Strohmeyer
Schkeuditz

Insgesamt 33 Jahre war Michael Höhnel der „Schuldiener“ am Gymnasium, wie er selbst sagt. Gestern wurde der Hausmeister mit einer großen Party inklusive Theatervorführung in den Ruhestand entlassen.

Mit Grauen habe er diesem Tag entgegengeblickt, verriet der 65-Jährige. „Ich habe Kollegen, die zählen die Tage bis zum Ruhestand. Mir fällt es sehr schwer zu gehen.“ Keinen einzigen Tag habe er seine Entscheidung bereut, sich damals, 1986, auf die Stelle an der Pestalozzi-Oberschule in Papitz beworben zu haben. „Es war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können“, so Höhnel. Vorher habe er als Maschinen- und Anlagenmonteur gearbeitet. In drei Schichten. „Das ging in einer großen Familie mit vier Kindern irgendwann nicht mehr zu vereinbaren.“ Einfach sei die erste Zeit als Hausmeister allerdings auch nicht gewesen. Damals, da habe er noch mit Kohlen geheizt. „Im ersten Jahr hatten wir im Winter mal minus 26 Grad Celsius“, erinnerte sich Höhnel. „Da bin ich abends noch mal heizen gefahren, damit nichts einfriert.“

Gestern Nachmittag staunte er nicht schlecht. Alles war vorbereitet worden, ohne dass der „Schuldiener“ etwas merkte. „Es ist der totale Wahnsinn“, sagte Höhnel überwältigt. „So eine fantastische Truppe.“ Von jedem habe er ein Geschenk bekommen, unter anderem eine Werkzeugkiste mit Wünschen. Zudem Bilder, Sprüche. „Solche Abschiede bekommen normalerweise Schulleiter“, meinte der Hobby-Fotograf. „Aber doch nicht der Schuldiener.“

Michael Höhnel (3. v. r.) bedankt sich bei der Lehrertheatergruppe, die mit viel Ironie und Parodie einen Tag aus seinem Hausmeisteralltag gezeigt hat. Quelle: Michael Strohmeyer

Künftig werde er sich wieder mehr seinem Hobby, der Fotografie, widmen. „Analog steht auf dem Plan“, so Höhnel. Das sei bei Weitem anspruchsvoller als mit der Digitalknipse. „Man kann nicht einfach ein Bild, das einem nicht gefällt, löschen.“ Das, was ihm noch vorschwebe, ist die Porträtfotografie. „Mit Menschen zu arbeiten, ist eben doch was anderes als mit statischen Dingen.“ Derzeit habe er vor allem alte Werksgelände im Fokus, erzählte seine Frau Annett. „Er hat mir mal gesagt, dass er all die Gebäude, die irgendwann abgerissen werden, mit seinen Bildern unsterblich machen will.“ 

Gefragt nach einem besonderen Erlebnis in all den Jahren, ist Michael Höhnel überfragt. „Das waren so viele, da kann ich gar keins herausstellen“, sagte er. „Die Leute wussten einfach, dass sie sich auf mich verlassen können.“ An seinem Job geliebt habe er die Vielfältigkeit. „An einer Schule Hausmeister zu sein, bedeutet eben nicht, nur Dinge zu reparieren“, erzählte er. „Wenn sich einer den Fuß verrenkt, muss er vielleicht auf einer Liege getragen werden. Oder der Rettungsdienst braucht einen Einweiser.“ All diese Dinge habe er erledigt. Mit Leidenschaft. Und ohne auf die Uhr zu schauen. „Wenn Dinge beim Arbeitseinsatz liegen geblieben sind, habe ich sie weggeräumt“, so Höhnel. „Das versteht sich doch von selbst.“ Er war sogar nachts für die Lehrer erreichbar. Wenn ihr Auto noch auf dem Hof stand und der Schließdienst bereits abgeschlossen hatte, zum Beispiel. „Natürlich kann man diesen Job auch nach Vorschrift machen“, sagte Höhnel. „Aber das war nie so wirklich meins.“

Neben dem Fotografieren möchte er die kommende Zeit nutzen, um endlich mal seine Akten zu sortieren. „Ich bin da ein bisschen unordentlich veranlagt“, meinte er schmunzelnd. „Allerdings ist das Sortieren wichtig, sonst findet man irgendwann nichts mehr.“ In der Schule ist er ab 1. März nicht mehr zu finden. Jedenfalls nicht als „Schuldiener“.

Von Linda Polenz

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mit Themen wie dem Breitbandausbau, dem Ausbau der Infrastruktur und medizinischen Versorgung möchte die CDU 2019 bei den Nordsachsen punkten. Für die Kreistagswahlen hat sie am Freitag ihre Kandidaten aufgestellt. Klares Ziel auch im Hinblick auf die folgenden Landtagswahlen: Die Partei will kommunal die stärkste Kraft bleiben.

09.02.2019
Schkeuditz Auf dem Schkeuditzer Roßberg - Erweiterung von Parkplätzen kritisch

In der nächsten Sitzung des Schkeuditzer Stadtrates steht ein Antrag auf der Tagesordnung, der für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Dabei geht es um die Erweiterung der Parkflächen auf dem Roßberg.

07.02.2019

Massenweise Eicheln gibt es in Nordsachsens Wälder – und nicht nur dort. Die Förster nutzen das Eicheljahr und sammeln das Saatgut. Förster Alexander Hentzschel (45) startete jetzt einen Versuch. Er will einen Eichenbestand bei Eilenburg auf natürliche Weise verjüngen. Ein Streifzug mit ihm durch den Wald.

07.02.2019