Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Schkeuditz Tauchaer Oberschüler bauen bei Bitzer in Schkeuditz kleinen Metall-Roboter
Region Schkeuditz Tauchaer Oberschüler bauen bei Bitzer in Schkeuditz kleinen Metall-Roboter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 27.06.2019
Ausbildungsleiter Sven Schönherr betreut ebenfalls einen Siebtklässler und hofft, dass sich der eine oder andere geeignete Gast später für eine Lehre bei Bitzer entscheidet. Quelle: Olaf Barth
Taucha.

Es herrscht am Dienstagvormittag eine konzentrierte und doch auch entspannte Betriebsamkeit in der Lehrwerkstatt des Kältepumpen-Herstellers Bitzer. Die Auszubildenden des 1. Lehrjahres agieren selbst als Ausbilder und betreuen beim Anfertigen eines kleinen Metallroboters ihre Gäste aus Taucha: Sechs Jungen und drei Mädchen aus zwei siebenten Klassen der Oberschule sind mit der S-Bahn nach Schkeuditz gekommen, um sich hier über den Beruf des Industriemechanikers zu informieren und erste praktische Erfahrungen zu sammeln.

Lehrlinge als Ausbilder

„Das ist schon cool und sehr interessant zu wissen, was die hier alles machen“, sagt Liam Steinke. Der 13-Jährige bohrt in sein metallenes Werkstück an der Standbohrmaschine ein Loch – präzise an der Stelle, wo es sein soll. Eigentlich sieht er seine Zukunft als Landwirt. Aber: „Vielleicht werde ich jetzt auch Industriemechaniker.“ Als Betreuer steht ihm mit der Bohrmilch in der Hand Ben Zschörner zur Seite. Nur vier Jahre älter, absolviert er bei Bitzer sein erstes Lehrjahr zum Industriemechaniker und meint: „Mir macht die Ausbildung Spaß, es war die richtige Berufsentscheidung.“ Ausbildungsleiter Sven Schönherr beobachtet derweil nicht nur, wie sich die Siebtklässler aus Taucha beim Sägen, Feilen, Bohren, Körnen oder Abmessen der Teile anstellen, auch seine „Ausbilder“ hat er im Blick. „Das ist eine prima Sache heute. Die Kinder bekommen einen praktischen Einblick in den Beruf und ich sehe bei unseren Lehrlingen, wie sie den anderen etwas beibringen und ob sie dabei selbst alles verstanden haben“, sagt der 50-Jährige. Sinnvoll finde er, dass die Schule keine ganze Klasse geschickt hat, sondern jene Schüler gekommen sind, die auch wirklich Interesse haben.

IHK bringt Schulen und Firmen zusammen

In dieser Form im eigenen Haus unterstützt Bitzer die Berufsorientierung von Schülern das erste Mal. „Als wir von der IHK angefragt wurden, haben wir nach kurzer Rücksprache in der Lehrwerkstatt sofort Ja gesagt. Wir haben unser Unternehmen präsentiert, die Azubis sind engagiert dabei, und unter den Schülern sind auch drei interessierte Mädchen, was mich ebenfalls sehr freut“, resümiert Personalreferentin Sophie Lache. Das sei sicher nicht der letzte Tag dieser Art gewesen, sagt die 32-Jährige. Ihr zur Seite steht, ebenfalls sehr zufrieden, Silvia Tautz. Sie ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig (IHK) für die Berufsorientierung zuständig und sieht sich als Schnittstelle von Schulen und Unternehmen. „Eigentlich gehen im Rahmen unserer Initiative ,Unternehmen machen Schule’ deren Vertreter meist in die Schulen, heute ist es anders. Heute sammeln die Schüler vor Ort praktische Erfahrungen. Wir freuen uns, Bitzer hier als Partner zu haben, und wie man sieht, kommt der Tag sehr gut bei den Schülern an“, erklärt die 41-Jährige. Im Schuljahr 2018/19 hätten 30 Unternehmen und zwölf Schulen im IHK-Bezirk Leipzig mitgemacht, bis Ende Juni seien 130 Unterrichtseinheiten realisiert worden.

Die Kooperation ist auch im eigenen Interesse der Unternehmen. Der Fachkräftemangel und die Suche nach geeigneten Lehrlingen lässt viele Firmen neue Wege gehen und beizeiten um geeigneten Nachwuchs werben. „Wir nehmen jedes Jahr sechs Lehrlinge für die Ausbildung zum Industriemechaniker auf. Sie lernen die Grundlagen der Metallbearbeitung bis hin zum Arbeiten mit computergestützten Maschinen. Von der Fertigung bis zur Montage können sie nach der Lehre als qualifizierte Arbeitskräfte überall im Unternehmen eingesetzt werden“, beschreibt Ausbilder Schönherr das Ziel. Voriges Jahr war Bitzer von der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet worden.

Schüler können sich ausprobieren

An der Standbohrmaschine sind nun die von Azubi Justin Schumann betreuten Schülerinnen Anna-Lena Weiland und Alexis Weber beim Arbeiten. Künftige Kollegen werden die Drei wohl eher nicht. „Höchstens, wenn ich meinen Traumberuf nicht bekomme, dann kann ich mir das hier auch vorstellen. Ich helfe ja auch manchmal meinem Papa beim Motorradreparieren“, sagt Alexis. Ihr Traumberuf aber ist: Pflegekraft. Die Familie sei in dem Bereich schon tätig, sie helfe in den Sommerferien mit. „Kein einfacher Job, aber er macht mir Spaß“, sagt die 14-Jährige. Ihre gleichaltrige Klassenkameradin findet das Arbeiten mit der Bohrmaschine auch sehr interessant. „Aber für mich ist das kein Beruf, ich möchte eher was im Büro machen“, gibt Ana-Lena unumwunden zu.

Dass die Schüler an so einem Tag auch rausfinden können, was sie mal nicht machen wollen, findet Lars Ende hilfreich. Der Sport- und Geografie-Lehrer hatte die Schüler nach Schkeuditz begleitet. „Ich finde so einen Besuch wie heute bei Bitzer sehr gut. Zu meiner Zeit gab es solche Möglichkeiten nicht, ich hatte weniger Informationen über die Berufe“, sagt der 39-Jährige und baut wie seine Schützlinge mit viel Freude an dem kleinen Metallroboter mit.

www.leipzig.ihk.de/schule

Von Olaf Barth

Die Hitze setzt vielen Menschen massiv zu – die Zahlen der Hitze-Patienten in einigen Notaufnahmen sind deutlich gestiegen.

26.06.2019

Schüler in Schkeuditz können sich freuen: Der Ferienpass steht zur Verfügung und bietet insgesamt 53 Veranstaltungen.

26.06.2019

Sie warten seit Monaten in Schkeuditz auf ihren Erstflug: Die beiden Boeing 737 der neuen Fracht-Airline Cargo Logic Germany. Jetzt soll es wirklich losgehen: Im Juli sollen die beiden Maschinen endlich abheben – womöglich auch für Amazon.

26.06.2019