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Schkeuditz Wegen Brexit: Letzte Gruppe Briten auf Gut Wehlitz
Region Schkeuditz Wegen Brexit: Letzte Gruppe Briten auf Gut Wehlitz
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07:01 25.06.2019
Ausbildung ganz praktisch: Über ein EU-Programm sind britische Azubis zu Gast auf dem Gut Wehlitz und sammeln praktische Erfahrungen in ihren Handwerksberufen. Die wohl letzte Gruppe ist derzeit in Schkeuditz. Quelle: Michael Strohmeyer
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Schkeuditz

Den Brexit vor Ort erleben: Im Gut Wehlitz ist derzeit die vermutlich letzte Gruppe Jugendlicher aus Großbritannien zu Gast. Sollte es einen harten Brexit geben, falle die Möglichkeit der praktischen Ausbildung in Deutschland weg, sagt Geschäftsführer Ralf Giesecke. Denn das Programm, das diesen Austausch fördert, Eramus Plus, ist eins der Europäischen Union.

Kooperation könnte ein schlimmes Ende finden

Seit zwölf Jahren besteht die Kooperation zwischen den Schulen in Großbritannien und dem Gut Wehlitz. „Wir haben unsere Ausbildungsinhalte auf deren Lehrplan abgestimmt“, so Giesecke. Eben, damit die Jugendlichen die Theorie in der Praxis erproben können. „Nun könnte das ein schlimmes Ende finden“, meint Giesecke.

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Praxiserfahrung für Länder ohne duale Ausbildung

In den vergangenen Wochen sind die 20- bis 30-Jährigen aus Schottland und Nordirland beispielsweise beim Putzen der Albanuskirche oder beim Malern der Pilgerkirche in Kleinliebenau eingesetzt worden. „Es geht ja darum, den Jugendlichen, die in ihren Heimatländern keine duale Ausbildung haben, Praxiserfahrung zu geben“, erklärt der Geschäftsführer. In den Berufen Maurer, Maler, Verputzer, Fliesenleger oder im Holzhandwerk erlernen sie praktische Grundkenntnisse. Nicht immer leicht, insbesondere im Umgang mit den historischen Bauwerken, aber dafür umso spannender.

Seit 2012 waren mehr als 300 junge Briten hier

Seit dem Jahr 2012 wurden mehr als 300 Jugendliche aus Großbritannien ausgebildet und konnten nebenbei Deutschland kennen lernen. Jetzt ist das Bedauern bei den Schülern, Dozenten und Betreuern groß. „Als wir jetzt jüngst die Schotten verabschiedet haben, flossen Tränen“, so Giesecke. Viele der jungen Leute könnten den Brexit und die damit verbundene politische Entscheidung nicht verstehen. „Leider sind eben die jungen Leute auch nicht zur Wahl gegangen“, erklärt Giesecke.

Großer Verlust für Jugendliche

Für die britischen Azubis sei der Wegfall dieser Option durch Erasmus Plus ein großer Verlust. „Hier bei uns konnten sie die theoretischen Lerninhalte endlich einmal praktisch ausprobieren“, erklärt der Geschäftsführer der Firma Vitalis, die das Gut Wehlitz betreibt. Die duale Ausbildung, also eine Kombination von Theorie und Praxis, gebe es schließlich nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Trotz Brexit: Gut Wehlitz erhöht Kapazitäten

Trotz Ausstiegs der Briten: Das Europäische Kompetenzzentrum Berufsorientierung auf dem Gut Wehlitz will bis 2021 seine Kapazität in der Ausbildung erhöhen. „Daher suchen wir noch engagierte Mitarbeiter, die sich gern bei uns bewerben können“, sagt Giesecke. „Für uns ändert sich ja nichts. Dann kommen eben Jugendliche aus Schweden oder einem anderen Land der Europäischen Union.“ Wenngleich auch er gern weiter junge Leute aus Großbritannien auf dem Gut begrüßt hätte.

Von Linda Polenz